Fluglinie entschuldigt sich bei jüdischen Passagieren

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Symbolbild. Flughafen Frankfurt Main. Foto IMAGO / STAR-MEDIA
Symbolbild. Flughafen Frankfurt Main. Foto IMAGO / STAR-MEDIA
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Nach Antisemitismusvorwürfen hat eine deutsche Fluglinie den jüdischen Gästen eines Fluges von New York über Frankfurt nach Budapest offiziell eine Entschuldigung ausgesprochen. „Lufthansa bedauert die Umstände der Entscheidung, Passagiere vom Flug LH 1334 am 4. Mai auszuschliessen. Lufthansa entschuldigt sich ausdrücklich bei den Gästen“, twitterte das Unternehmen am Dienstagabend. Die Fluglinie nehme „den Vorfall sehr ernst und arbeitet intensiv weiter an der Aufarbeitung“, hiess es. 

Die Airline hatte am vergangenen Mittwoch in Frankfurt einer Gruppe strengreligiöser Juden den Weiterflug nach Budapest verweigert, weil sie gegen die Maskenpflicht verstossen hätten. Nun erklärte das Unternehmen, man bedauere, dass der „grösseren Gruppe die Weiterreise nicht ermöglicht wurde, anstatt diese Entscheidung auf einzelne Personen zu beschränken“. Man wolle zudem auf die Passagiere zugehen, um das eigene Vorgehen in solchen Situationen verbessern zu können. „Wir entschuldigen uns bei allen Gästen nicht nur dafür, dass sie nicht reisen konnten, sondern dass ihre persönlichen Gefühle verletzt wurden“, hiess es.

Die Gruppe hatte Lufthansa nach einem Bericht der jüdischen Nachrichtenagentur „JTA“ wegen des Vorfalls zu einer Entschuldigung wegen Antisemitismus aufgefordert. Betroffen waren demnach rund 130 jüdisch-orthodoxe Passagiere. Gegen sie sei ein Weiterflugverbot ausgesprochen und durch Beamte der Bundespolizei durchgesetzt worden. Ferner soll ihnen untersagt worden sein, für 24 Stunden ein neues Ticket nach Budapest zu kaufen. Sie waren auf einer jährlichen Pilgerfahrt zum Grab des als wundertätig verehrten Rabbiner Jeschaja Steiner in einem Dorf in Ungarn.

Wie das jüdische Wochenmagazin „Tachles“ (Mittwoch online) berichtet, habe die Erklärung der Lufthansa „die Wogen keineswegs glätten“ können. So teilte der New Yorker Gliedstaats-Parlamentarier Simcha Eichenstein demnach auf Twitter mit, die Entschuldigung sei das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt worden sei. Lufthansa sei „nicht gegen `eine grosse Gruppe‘, sondern individuelle, chassidische Juden vorgegangen, die nichts miteinander gemein gehabt“ hätten ausser ihrer Religion derentwegen sie nun „so offensichtlich diskriminiert“ worden seien.

Laut „Tachles“ wurde der Maskenzwang auf dem Flug nicht in allen Bereichen scharf kontrolliert und durchgesetzt. Anscheinend habe das Personal auch nicht die Namen der betreffenden Fluggäste festgehalten und womöglich deshalb zu einer „Kollektivstrafe“ gegriffen.

KNA/sky

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