Acht interessante und faszinierende Fakten zur Gründung Israels

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Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag im Jahr 1957. Foto Moshe Pridan/Government Press Office
Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag im Jahr 1957. Foto Moshe Pridan/Government Press Office
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Israel feierte am 5. Mai dieses Jahres 74 Jahre Unabhängigkeit. Der Lauf der Zeit und die feierlichen Schwarz-Weiss-Fotos aus dieser Zeit vermitteln den Eindruck, dass die ersten Schritte des entstehenden Staates eine geordnete, gut durchdachte Angelegenheit waren. In Wirklichkeit waren die Dinge etwas anders: Schon der Name des Landes wurde heftig diskutiert, die Unabhängigkeitserklärung war nicht rechtzeitig fertig und ein Staatswappen musste erst noch gefunden werden.

Im Folgenden acht interessante und faszinierende Fakten zur Gründung Israels, die beweisen, dass die berühmte Atmosphäre von Balagan (Durcheinander) und Einfallsreichtum von Anfang an vorhanden war.

  1. 1948 war nicht das erste Mal, dass eine Regierung ausgerufen wurde
    Es ist allgemein bekannt, dass der Staat Israel 1948 gegründet wurde, aber nur wenige wissen, dass einige Leute fünf Jahre zuvor versucht haben, ihn zu gründen. Im Jahr 1943, als der Zweite Weltkrieg noch tobte, beriefen altgediente zionistische Führer in Ramat Gan eine grosse öffentliche Versammlung mit dem Namen „Volksversammlung“ ein, auf der eine vorläufige jüdische Regierung gewählt werden sollte. Wie der Blog „The Librarians“ der Israelischen Nationalbibliothek ausführlich berichtet, wurde aus all diesen langen Reden nichts Bedeutendes. Doch sie haben es versucht.
  2. Der Name des Landes war nicht selbstverständlich.
    Andere Optionen waren Zion (verworfen, weil es ein biblischer Name für Jerusalem ist, und auch um zwischen der allgemeinen zionistischen Bewegung und der israelischen Staatsbürgerschaft zu unterscheiden), Ever (nach der biblischen Figur Eber, ein Urenkel von Noahs Sohn Sem) und Judäa (verworfen, um zwischen Juden und israelischen Bürgern zu unterscheiden). Israel war übrigens der Name, den der erste Ministerpräsident des Landes, David Ben-Gurion, vorgeschlagen hatte.
  3. Die berühmte Kulisse für die Unabhängigkeitserklärung? Eher behelfsmässig.
    Die Unabhängigkeitserklärung Israels wurde feierlich am Eingang des damaligen Tel Aviv Museums verkündet. Die berühmten Fotos zeigen lange Vorhänge, israelische Flaggen, ein Porträt des zionistischen Visionärs Theodor Herzl und ernst dreinblickende Männer, die auf der Bühne und auf Stühlen vor ihnen versammelt sind. Die Vorhänge, so scheint es, wurden aufgehängt, um die Nacktbilder an den Wänden zu verbergen. Die Stühle stammen aus umliegenden Cafés, und das Porträt von Herzl sowie die Fahnen wurden vom Verein Israel Appeal geliehen, da das Budget für die Dekoration nicht ausreichte, um sie zu kaufen. Der Aufbau des Ganzen dauerte 24 Stunden, aber das Ergebnis ist absolut zeitlos.
  4. Die Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung haben sie in Wirklichkeit nicht unterschrieben
    Die israelische Unabhängigkeitserklärung ist nicht nur ein kanonischer Text, sondern auch ein wunderschönes Werk von sorgfältiger Kalligraphie. So sorgfältig, dass sie nicht rechtzeitig für die Unterzeichnungszeremonie fertiggestellt werden konnte. Daher trugen die Unterzeichner ihre Namen nicht am unteren Ende des Textes ein, sondern auf einem Stück Pergament, das später von der Frau des Autors zu einer vollständigen Schriftrolle zusammengenäht wurde. Ben-Gurion las den Text von einem einfachen maschinengeschriebenen Blatt Papier ab, dem er einige handschriftliche Notizen hinzufügte.
Israels Staatsoberhäupter unterschreiben ein leeres Stück Pergament, das später in den Text der Unabhängigkeitserklärung eingenäht werden soll. Foto Frank Shershel/Government Press Office.
  1. Die erste in Jerusalem gehisste Flagge wurde mit Malstiften bemalt
    Rebecca Affachiner war eine echte Pionierin, die zu einer der führenden zionistischen Persönlichkeiten des frühen zwanzigsten Jahrhunderts wurde und ihr Leben der jüdischen Gemeinschaft und der zionistischen Sache widmete. Zu ihren bemerkenswerten Leistungen gehört die lustige Tatsache, dass sie am 14. Mai 1948 nach der Verkündung der Staatsgründung die erste israelische Flagge in Jerusalem hisste. Als einfallsreiche Frau nähte sie die Flagge selbst und benutzte einfache blaue Buntstifte, um den Davidstern und die Streifen aufzumalen.
  2. Die Regierung forderte die Öffentlichkeit auf, das Staatswappen zu entwerfen, und lehnte dann Hunderte von Vorschlägen ab
    Die Gestaltung eines Staatswappens ist keine leichte Aufgabe, weil dabei Design, Geschichte und Funktionalität berücksichtigt werden müssen. Kurz nach der Gründung Israels forderte die neue Regierung die Öffentlichkeit auf, Vorschläge einzureichen, und gab vor, dass das besagte Emblem einen siebenarmigen Leuchter, sieben Sterne und die Farben Blau und Weiss enthalten sollte.

    Fleissige Künstler reichten 450 Vorschläge ein, und schliesslich wurde ein Entwurf von Gavriel und Maxim Shamir vom Shamir Brothers Studio ausgewählt. Ihr Entwurf enthielt einen modern aussehenden Leuchter und Sterne neben Olivenzweigen, wurde aber später geändert, um den Leuchter des Titusbogens in Rom und das Wort „Israel“ zu zeigen. Die Sterne wurden gestrichen, und das Ergebnis sehen wir jetzt überall auf Anstecknadeln und Münzen.
Das israelische Wappen wurde nach einem langwierigen Prozess mit vielen Ablehnungen ausgewählt. Foto Benno Rothenberg, Meitar Collection, The Pritzker Family National Photography Collection, National Library of Israel.
  1. Die erste jährliche Parade zum Unabhängigkeitstag in Tel Aviv konnte nicht stattfinden
    In den ersten beiden Jahrzehnten Israels fand jedes Jahr eine Militärparade im Rahmen der Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag statt. Doch 1949, ein Jahr nach der Staatsgründung, lief es nicht ganz so gut wie geplant. Die Parade begann gut, aber schon bald blockierte die überschwängliche Menge in den Strassen von Tel Aviv den weiteren Verlauf der Parade. Das Ganze wurde als äusserst peinlich empfunden und veranlasste einen Zeitungsredakteur dazu, sich zu fragen, wie dieselbe Armee, die noch ein Jahr zuvor das ganze Land verteidigt hatte, es nicht schaffen konnte, eine einfache Strasse zu passieren.
Der Marsch zum Unabhängigkeitstag 1949 in Tel Aviv konnte aufgrund der überschwänglichen Menschenmenge nicht zu Ende geführt werden. Foto Boris Karmi, Meitar Collection, The Pritzker Family National Photography Collection, National Library of Israel.
  1. Israels erste Knesset tagte in einem Kinosaal
    Die Knesset, das Parlamentsgebäude, ist mit ihrer majestätischen Architektur, ihren Skulpturen und den berühmten Glasfenstern ein wahres Wahrzeichen Israels. Der erste Sitz der gesetzgebenden Versammlung war jedoch seltsamerweise kein anderer als ein grosses Kino in Tel Aviv, das Kessem („Magic“) Cinema. Das riesige, 1945 errichtete Gebäude verfügte über mehr als 1.000 gepolsterte Sitze und genoss eine fabelhafte Lage am Meer. Den grössten Teil des Jahres 1949 beherbergte es die ersten israelischen Parlamentarier, bis diese nach Jerusalem umzogen. In späteren Jahren wurde das Gebäude von der Steuerbehörde und dem israelischen Opernhaus genutzt. Dann wurde es abgerissen und als Wohnhaus mit einer langen Geschichte wiederaufgebaut.

Dieser Artikel wurde zuerst von Israel21c veröffentlicht. Übersetzung Audiatur-Online.

1 Kommentar

  1. Ein herrlicher Bericht über Balagan, Mut und unvergleichliche Fähigkeiten zur Improvisation. Typisch Israel eben… wie ich es mehrfach an Ort und Stelle erleben und bewundern konnte.

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