Zum Gedenken an die unbekannten gefallenen Soldaten Israels

Die Tapfersten Israels fielen nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch Jahre später an ihren Verletzungen.

0
Foto Elyashiv Rakowsky/TPS
Foto Elyashiv Rakowsky/TPS
Lesezeit: 4 Minuten

Am Gedenktag für Israels gefallene Soldaten ist das Land vereint. Alle früheren Meinungsverschiedenheiten werden beiseite geschoben, während die Nation zusammensteht, um die Erinnerung an die tapferen Männer und Frauen zu bewahren, die ihr Leben gaben, um für die Zukunft ihres Landes zu kämpfen und sie zu sichern.

von Danny Danon

Jeder Verlust eines Soldaten reisst ein Loch in die Herzen des gesamten Volkes von Israel. Über jeden einzelnen Fall wird öffentlich berichtet und die Umstände des verheerenden Vorfalls ausführlich beschrieben. Zusätzlich zu diesen gefallenen Soldaten und Soldatinnen sterben jedes Jahr Dutzende von verwundeten Kämpfern und Kämpferinnen der israelischen Verteidigungsstreitkräfte an den Folgen ihrer Verletzungen. Seit dem letztjährigen Gedenktag wurden 56 Soldaten in diese Liste aufgenommen. Weitere 84 IDF-Soldaten, die an den Folgen ihrer Verletzungen starben, wurden ebenfalls als gefallene Soldaten des Staates Israel anerkannt.

Die Geschichten der verwundeten Soldaten, die an den Folgen ihrer Verletzungen verstorben sind, werden nicht oft erzählt und gelangen nicht an die Öffentlichkeit. Wenn Einzelheiten der Kampfhandlungen aufgedeckt werden, ist die Berichterstattung in der Regel allgemein und beschreibt die Soldaten als „schwer verletzt“. Doch selbstverständlich ist jeder verwundete Soldat auch eine ganze Welt. Auch sie erzählen eine Geschichte des Heldentums, der täglichen Herausforderungen und der Genesung, die allzu oft mit einem vorzeitigen Tod enden. Wie es das Schicksal wollte, wurde ich auserwählt, eine der vielen heldenhaften Geschichten eines schwer verwundeten IDF-Soldaten kennenzulernen, der an den Folgen seiner Verletzungen verstarb und sein Leben für den Staat Israel opferte.

Mein verstorbener Vater, Joseph Danon, war einer der besten Kämpfer in der Aufklärungseinheit der 99sten Infanteriebrigade. Während er als Reservist diente, wurde er in einem Gefecht mit Terroristen im Jordantal tödlich verwundet. Zum Zeitpunkt seiner Verwundung war er gerade 29 Jahre alt, hatte eine junge Familie, ein neues Unternehmen und sein ganzes Leben noch vor sich.

Doch das sollte nicht sein. Der Granatsplitter, der seinen Kopf traf, beendete in einer einzigen tödlichen Sekunde alle Hoffnungen und Träume für seine Familie und seine Zukunft. Er wurde mit dem Hubschrauber in das Hadassah Ein Kerem Krankenhaus geflogen, und nach einem langen Krankenhausaufenthalt und zahlreichen komplexen Operationen begann sein nie endender Genesungsprozess.

Yom Hazikaron (Gedenktag) auf dem Berg Herzl. Foto Elyashiv Rakovski/TPS

Nach nur wenigen Monaten wurde meinem Vater klar, dass er neben den medizinischen Komplikationen, die bereits diagnostiziert worden waren, auch sein Hörvermögen vollständig verloren hatte. Doch wie andere schwer verletzte Soldaten und Soldatinnen auch, entschied sich mein Vater zu kämpfen und die ihm gegebene Zeit zu nutzen, wohl wissend, dass er nur noch eine begrenzte Zeit leben würde. Tief in meinem Herzen wusste ich immer, dass mein Vater nicht mehr lange leben und seine Enkelkinder nicht mehr kennen lernen würde. Deshalb nutzte ich jede Gelegenheit, um mit ihm zu sprechen und von ihm zu lernen, bis ihn die schwere Verletzung, mit der er jeden Tag tapfer fertig wurde, überwältigte.

In meinem Elternhaus war der Gedenktag für die gefallenen Soldaten Israels der wichtigste Tag des Jahres. Mein Vater wurde an diesem Tag verständlicherweise sehr emotional und verfolgte, obwohl er aufgrund seiner Verletzung völlig taub war, ehrfürchtig die Gedenkzeremonien und die Listen mit den Namen der gefallenen Männer und Frauen, deren Bilder den Fernsehbildschirm füllten. Dies ist der einzige Tag im Jahr, an dem ihm eine Träne aus dem Auge rinnt. Keine noch so komplizierte Operation oder Behandlung hat ihn jemals zu Klagen oder Schmerzen veranlasst. Dieser Tag schon. Wenn ich zurückdenke, habe ich nie verstanden, ob er wegen der vielen Freunde, die er in Israels Kriegen verloren hatte, oder wegen seiner schweren Verletzung und des persönlichen Preises, den er zu zahlen hatte, so bewegt war. Ich vermute, es war eine Kombination aus beidem, aber ich habe mich nie getraut zu fragen.

Als Kind hatte ich auch das Privileg, eine Reihe von schwer verletzten IDF-Kämpfern kennen zu lernen. Ich werde mich immer an meine Verwunderung darüber erinnern, dass trotz des hohen Preises, den sie aufgrund ihrer schrecklichen Verletzungen zahlen mussten, ihre Liebe zum Staat Israel nur noch wuchs und ihr Glaube an die Rechtschaffenheit des Weges unserer Nation nie untergraben wurde. Im Gegenteil, er wurde sogar noch stärker. Leider sind viele dieser tapferen Helden nicht mehr unter uns. Ihre schweren Verletzungen und Behinderungen haben sie schliesslich überwältigt.

Wie in jedem Jahr werden wir auch in diesem Jahr die Erinnerung an unsere verwundeten Soldaten in den nationalen Zeremonien Israels in Ehren halten. Wir werden mit Stolz die Geschichte ihres Heldentums erzählen – nicht nur ihren Mut im Kampf, sondern auch die Geschichten ihrer Stärke, ihres Geistes, ihrer Entschlossenheit und ihres Glaubens trotz der Verletzungen, die letztlich zu ihrem tragischen Ende führten.

Möge die Erinnerung an sie ein Segen sein.

Botschafter Danny Danon war der 17. ständige Vertreter Israels bei den Vereinten Nationen. Derzeit ist er Vorsitzender des World Likud. Sein demnächst erscheinendes Buch „In der Höhle des Löwen“ wird am 17. Mai veröffentlicht.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.