Israel gedenkt sechs Millionen ermordeter Juden

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Yad Vashem, das internationale Zentrum zur Erinnerung an den Holocaust. Jerusalem am 26. April 2022. Foto IMAGO / Xinhua
Yad Vashem, das internationale Zentrum zur Erinnerung an den Holocaust. Jerusalem am 26. April 2022. Foto IMAGO / Xinhua
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Mit einer Gedenkzeremonie im israelischen Parlament hat Israel am Donnerstag der sechs Millionen ermordeten Juden gedacht. Nach der Feierstunde am Vorabend in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem war dies der zweite Höhepunkt des Erinnerungstags „Yom HaShoa“. Bei der Gedenkstunde verlasen Staatspräsident Isaac Herzog, Ministerpräsident Naftali Bennett und weitere Spitzenpolitiker die Namen von Hunderten KZ-Opfern und erinnerten an einzelne Schicksale. Die Feier stand unter dem Leitwort „Jeder Mensch hat einen Namen“.

Als Ehrengast im Chagall-Saal der Knesset, der mit Bildern des jüdischen Künstlers geschmückt ist, nahm auch die deutsche Bundestagspräsidentin Bärbel Bas teil. Sie zündete zuvor in der Knesset eine Kerze in Erinnerung an die aus ihrer Heimatstadt Duisburg stammende Irma Nathan an, die 1942 von den Nazis ermordet wurde. „Ich senke demütig mein Haupt vor den Opfern des Holocaust“, sagte sie. „Wir können nicht vergessen und wir werden nicht vergessen. Unsere historische Schuld bringt Verpflichtungen mit sich. Wir müssen entschlossen gegen Antisemitismus in all seinen Formen kämpfen, die Erinnerung wach halten und sie an die jüngeren Generationen weitergeben.“ Zuvor hatte sie bereits in der Gedenkstätte Yad Vashem einen Kranz niedergelegt

Um 10.00 Uhr hatten im ganzen Land in Erinnerung an die Opfer der Schoah die Sirenen geheult. Das Leben in Israel stand für zwei Minuten still. Autofahrer hielten an, verließen ihre Fahrzeuge und verharrten stehend im Gedenken.

Bei der Zeremonie in der Knesset wurden zu Beginn detaillierte Lebensbilder von sechs Holocaust-Überlebenden aus Deutschland, den Niederlanden und Polen, aus Frankreich und Ungarn vorgestellt. Sie zeigten bewegende Schicksale von Verfolgung und Verhaftung, von Schikanen und Morden in KZs, aber auch von der Rettung und dem Leben in Israel. Nach der Präsentation entzündeten die Überlebenden auf dem Podium des Festsaals Fackeln. Die Feier wurde von Gesängen eingerahmt. Ein Rabbiner sprach das jüdische Totengebet Kaddisch.

Bei der Gedenkfeier am Vorabend in Yad Vashem hatte Premier Bennett den Holocaust als „beispielloses Ereignis in der Geschichte der Menschheit“ bezeichnet, mit dem grausamste Zeitgeschehen heute und schwierigste Kriege nicht vergleichbar seien. Der Aufbau des Staates Israel sei „ein Sieg über diejenigen, die uns ausrotten wollten“. Staatspräsident Isaac Herzog forderte in seiner Rede, das Lande müsse „angesichts von Hass und Terrorismus, der von Staaten und Organisationen gegen uns geführt wird, geschlossen und entschlossen handeln und Israels Unabhängigkeit entschieden wie einen eisernen Wall gegen unsere Feinde verteidigen“.

Bundestagspräsidentin Bas hatte am Mittwoch in der Knesset eine Podiums-Diskussion mit ihrem israelischen Amtskollegen Mickey Levy und dem früheren Oberrabbiner Israel Meir Lau geführt. „Es ist unvorstellbar, wie viel wir zerstört und gemordet haben“, sagte sie. „Welche Lebensgeschichten sie mit sich tragen. Ich frage mich immer, wie so etwas passieren konnte“. Oberrabbiner Lau berichtete über seine schmerzhafte Lebensgeschichte als jüdisches Kind im Zweiten Weltkrieg, wie er beim Abtransport von seiner Mutter getrennt wurde, die er nie wieder sah, aber auch über sein Überleben und die Einwanderung nach Israel. Laus Appell: „Wir dürfen nicht vergessen, und wir dürfen den Glauben nicht verlieren. Wir existieren, trotz Auschwitz und trotz Majdanek. Wir sind nach 2.000 Jahren des Exils und der Verfolgung in das Land Israel zurückgekehrt. Es ist die Tradition, die uns zusammenhält.“

KNA/mit/cdt/iki

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