Yazen Falah und Shirel Abukarat waren erst 19

Beide waren Helden. Beide hätten keine Helden sein müssen.

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Yazen Falah und Shirel Abukarat, die zwei jungen Grenzpolizisten, wenige Stunden bevor sie am 27. März 2022 getötet wurden. Foto Israelische Polizei.
Yazen Falah und Shirel Abukarat, die zwei jungen Grenzpolizisten, wenige Stunden bevor sie am 27. März 2022 getötet wurden. Foto Israelische Polizei.
Lesezeit: 5 Minuten

19 ist ein wunderbares Alter. Ich habe eine wunderbare 19-jährige Tochter, die ich sehr liebe und bin mit zwei weiteren Kindern in den Zwanzigern reich gesegnet.

von Micha Danzig

Ein 19-Jähriger hat immer noch die jugendliche Begeisterung und den Überschwang eines Teenagers, ist aber in der Regel vielen anderen, weniger attraktiven Eigenschaften, die so viele Eltern dazu veranlassen das Ende der Teenagerjahre herbeizusehnen, entwachsen.

In den meisten Industrieländern können 19-Jährige ihr jugendliches Staunen, ihren Überschwang und ihre sich entwickelnde Reife auf die Aufregung des Studiums oder die Entscheidung für einen Beruf, auf Verabredungen, Partys und Ähnliches ausrichten. Und die Eltern der meisten 19-Jährigen in den Industrieländern hören von den Erfolgen ihrer Kinder auf dem College oder der Berufsschule, beraten sie bei ihren Entscheidungen und staunen im Allgemeinen darüber, wie wunderbar es ist, 19 zu sein und das ganze Erwachsenenleben vor sich zu haben.

Doch der vergangene Sonntag war ein schrecklicher Tag für die Eltern, Familien und Freunde der zwei mutigen 19-Jährigen. Bis zu ihrem Einsatz bei einem Terroranschlag waren sie fröhliche, junge, ausgelassene Menschen, deren ganzes Leben gerade erst begann, sich zu entfalten. Sie befanden sich im ersten Viertel ihres Lebens und hatten noch drei Viertel vor sich.

Am Sonntag schossen zwei Terroristen des Islamischen Staates (IS) mit automatischen Gewehren und über tausend Schuss Munition auf einer belebten Kreuzung in der israelischen Küstenstadt Hadera um sich. Ohne die Tapferkeit der beiden jungen Menschen hätten die Terroristen wahrscheinlich Dutzende umgebracht.

Denn als die Terroristen, die kugelsichere Westen mit Totenköpfen trugen, mit ihren automatischen Gewehren auf einen Bus voller Zivilisten zu feuern begannen, wurden Yazen Fallah und Shirel Abukarat tödlich getroffen, als sie zusammen mit einigen ihrer tapferen Kameraden auf die Terroristen zu rannten.

Yazen, ein gutaussehender 19-jähriger drusischer Junge, und Shirel, ein gutaussehendes 19-jähriges jüdisches Mädchen, hätten beide einen leichteren Weg in der Armee einschlagen können, als sie es getan haben.

Aber beide haben sich für den Dienst in der Magav (Mishmar Hagvul, Israels Grenzpolizei) entschieden, weil sie, wie mein Sohn, der ebenfalls in der Magav diente, wussten, dass sie in der Magav regelmässig gefordert sein würden, sich der Gefahr zu stellen, um Leben zu retten und Terroristen aufzuhalten. Als die Kugeln zu fliegen begannen, trafen Yazen und Shirel die schwierige Entscheidung, die so viele israelische Jugendliche treffen müssen, mit einer weiteren, noch schwierigeren und unmittelbaren Entscheidung: Sie legten ihre Angst beiseite und rannten in die Schusslinie. Diese Entscheidung kostete sie das Leben – und rettete wahrscheinlich so viele andere.

Seit dem Bekanntwerden dieses schrecklichen IS-Anschlags in Hadera habe ich zahlreiche Artikel in den Medien gesehen, in denen die ermordeten Israelis als „zwei Polizisten“ bezeichnet wurden, als ob dass die Sache für ihre Familien irgendwie erträglicher oder weniger schmerzhaft machen würde. Als ob es dadurch weniger schrecklich wäre, dass zwei 19-Jährige ermordet wurden.

Als Vater eines 19-Jährigen und als Vater eines Kindes, das sich ebenfalls entschieden hat, sich der Gefahr zu stellen, um Zivilisten zu schützen, schmerzt es mich auch, dass in all diesen Artikeln ignoriert wird, warum israelische Kinder wie Yazen und Shirel in so jungem Alter immer wieder vor diese schrecklichen Entscheidungen gestellt werden und nicht wie durchschnittliche Kinder ihres Alters in den USA und anderen Ländern zwischen staatlichen oder privaten Colleges wählen können.

In diesen Artikeln wird ignoriert, dass 19-Jährige wie Yazen und Shirel seit mehr als 73 Jahren nach der Schule in die israelische Armee eingezogen werden, weil die palästinensisch-arabische Seite dieses Konflikts, die anfangs fast drei Jahrzehnte lang von dem Nazi-Kollaborateur Haj Amin al-Husseini angeführt wurde, seit 1937 nicht nur die Existenz eines jüdischen Volkes gewaltsam ablehnte, sondern auch mindestens acht Mal „Nein“ zur Gründung des ersten unabhängigen arabischen Staates westlich des Jordans sagte (da ein Ja zu diesem dreiundzwanzigsten arabischen Staat ein Ja zu einem winzigen jüdischen Staat bedeutete).

In diesen Artikeln wird ignoriert, dass 19-Jährige wie Yazen und Shirel im Gegensatz zu den meisten ihrer Altersgenossen in der Welt, die in diesem Alter zwischen College und Berufsausbildung wählen können, beim Militär dienen müssen. Dies weil eine extreme arabische Vorherrschaftsideologie, gepaart mit einer giftigen Kombination aus islamistischem Vorherrschaftsdenken und systemischem Antisemitismus, der im Nahen Osten und in Nordafrika Jahrhunderte zurückreicht, es den palästinensisch-arabischen Führern scheinbar unmöglich macht, der Ansicht zuzustimmen, dass Juden ein Recht auf Souveränität und Selbstbestimmung in ihrem angestammten, historischen und religiösen Heimatland haben.

In diesen Artikeln wird versucht, das Entsetzen über die Ermordung von zwei 19-Jährigen abzuschwächen, indem sie sie einfach als „Polizisten“ bezeichnen. Sie ignorieren auch, dass die IS-Terroristen, die sie ermordet haben, genau wie der Pate des palästinensisch-arabischen Nationalismus, al-Husseini, nicht die Schaffung eines palästinensisch-arabischen Staates zum Ziel haben. Auch streben sie nicht einmal die Schaffung eines arabischen Staates an, der Israel „nur“ zwischen dem Fluss und dem Meer beseitigt. Und sie glauben gewiss nicht an die Schaffung eines Staates, der auch nur im Entferntesten pluralistisch oder tolerant wäre. Stattdessen wollen sie ein islamistisches Kalifat in der gesamten Region.

In diesen Artikeln wird entweder ausdrücklich oder stillschweigend versucht, den Verlust weniger schrecklich erscheinen zu lassen, indem man sie einfach als „Polizisten“ bezeichnet, wodurch die gesamte Geschichte ignoriert wird.

Aber noch wichtiger ist, dass diese Artikel Yazen und Shirel ignorieren. Sie ignorieren, dass am vergangenen Sonntag zwei 19-jährige Jugendliche ermordet wurden, die eigentlich studieren oder einen Beruf wählen sollten, aber in Uniform waren. Dies ist das unvermeidliche Ergebnis des jahrhundertelangen arabischen und islamistischen Kolonialismus und des Hasses der Vorherrschaft, der seit Jahrhunderten auch zur gewaltsamen Ablehnung von Souveränität und Selbstbestimmung für alle nicht-arabischen Völker in der MENA-Region geführt hat.

Yazen und Shirel. Ihr wart Helden. Ihr hättet keine Helden sein müssen. Ihr hättet Kids sein sollen, die entscheiden, in welchen Club ihr geht, wen ihr um ein Date bittet oder welchen Kurs ihr belegt.

Yazen und Shirel. Baruch Dayan Emet. Mögen eure Familien und Freunde Trost in der Erinnerung an euch finden und keinen Kummer mehr haben.

Micha Danzig ist Rechtsanwalt, diente in der israelischen Armee und ist ein ehemaliger Polizeibeamter der NYPD. Dieser Artikel wurde zuerst im Jewish Journal veröffentlicht. Übersetzung Audiatur-Online.

1 Kommentar

  1. Ein berührender und einfühlsamer Text.

    Micha Danzig hat recht: Die scheinbar neutrale Bezeichnung „Polizisten“ ist, ob gewollt oder nicht, eine subtile Entmenschlichung der beiden Opfer dieses Anschlags. Für den absolut überwiegenden Teil der deutschen (und internationalen) Presse ist deren Tod nur eine Lappalie, mit ihrer routiniert feindseligen Berichterstattung sorgen sie hierzulande seit Langem für eine adäquate Stimmung in erheblichen Bevölkerungsteilen.

    Ich stimme auch seiner präzisen Analyse der Hintergründe zu. Es geht den sogenannten Palästinensern nicht um Land oder um einen eigenen Staat; nicht um Verantwortung; nicht um angebliche Besatzer und nicht um Menschenrechte, die ihnen angeblich von den „Zionisten“ vorenthalten werden.
    Nein – es geht ihnen ausschließlich(!) darum, dass sie ihren Herrenmenschenstatus verloren haben. Sie haben die schutzlosen Objekte ihrer auf Abruf bereiten Pogromgelüste verloren, sind Juden rechtlich gleichgestellt und genau deswegen sind sie so „wütend“. Über diese Kränkung kommen sie nicht hinweg – gleich zu sein. Dagegen opfern sie skrupellos eine nachwachsende Generation nach der anderen. Hauptsache ihr Hass überlebt und ihre infantile Sehnsucht auf die Wiederherstellung ihres verloren gegangenen Herrenmenschenstatus.

    Das wollen sie und ihre hiesigen Helfershelfer sich jedoch nicht eingestehen. Schließlich kommt das etwas weniger gut an. Deswegen erfinden sie alle möglichen Geschichten: Nakba, Apartheid, Unterdrückung, Armut, Kriminalität … die Liste ist endlos und sie sind immer die unschuldigen Opfer.

    Die palästinensischen Araber drücken sich seit über 70 Jahren davor, sich ihren Lebenslügen zu stellen und ein Ende ist nicht abzusehen.

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