Holocaust-Überlebender Leon Schwarzbaum im Alter von 101 gestorben

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Der Holocaust-Überlebende Leon Schwarzbaum am 31.01.2019. Foto IMAGO / Metodi Popow
Der Holocaust-Überlebende Leon Schwarzbaum am 31.01.2019. Foto IMAGO / Metodi Popow
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Der Holocaust-Überlebende und Zeitzeuge Leon Schwarzbaum ist tot. Er starb in der Nacht zu Montag im Alter von 101 Jahren in Potsdam, wie das Internationale Auschwitz Komitee in Berlin bestätigte. Schwarzbaum sei in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der wichtigsten Zeitzeugen der Schoah geworden, erklärte der Exekutiv-Vizepräsident des Komitees, Christoph Heubner. Schwarzbaum überlebte demnach als einziger Angehöriger seiner Familie die Lager Auschwitz, Buchenwald und ein Nebenlager des KZ Sachsenhausen. Der Regisseur Hans-Erich Viet drehte den Film „Der letzte Jolly Boy“ über Schwarzbaums Leben.

„Leon Schwarzbaum war gerade in seinen letzten Lebensjahren immer wieder getrieben von dem Drang, an seine in Auschwitz ermordeten Eltern und all die anderen Opfer des Holocaust zu erinnern“, so Heubner. „Getrieben war er aber auch von seinem Zorn angesichts der Tatsache, dass so wenige SS-Täter jemals einen deutschen Gerichtssaal von innen gesehen haben. Seine Zeugenaussage beim Detmolder Auschwitz-Prozess gegen Reinhold Hanning im Jahr 2016 ist ein bleibendes Dokument der Menschlichkeit und der Erinnerung.“

Schwarzbaum habe keinen Hass, sondern Gerechtigkeit gewollt. „Der Erniedrigung und dem tiefen Schmerz seiner Jugendjahre setzte Leon Schwarzbaum sein Leben lang auch seine Eleganz und seine Liebe zu schönen Dingen entgegen“, betonte Heubner.

1921 kam Schwarzbaum den Angaben zufolge in Hamburg als Sohn einer polnisch-jüdischen Familie zur Welt. Er wuchs in Bedzin in Oberschlesien auf, von wo die Familie 1943 nach Auflösung des Ghettos nach Auschwitz deportiert wurde. Nach der Schoah lebte er als Kunst- und Antiquitätenhändler in Berlin. 

Schwarzbaum war auch Träger des Bundesverdienstkreuzes für sein Engagement als Zeitzeuge. 2019 sagte er, dass er die Auszeichnung den Opfern der Schoah widme. Im selben Jahr bekam er außerdem ein neu ausgestelltes Abiturzeugnis. „Als die SS 1939 in unsere Stadt kam, haben sie als Erstes die Synagoge angezündet und alle Unterlagen aus dem Gymnasium für jüdische Mädchen und Jungs verbrannt. Ich muss davon ausgehen, dass auch mein Zeugnis bei diesem Pogrom vernichtet wurde“, sagte er seinerzeit der „Jüdischen Allgemeinen“. Dass er auf das Zeugnis habe verzichten müssen, sei sehr schmerzhaft für ihn gewesen, weil er so in Deutschland nicht habe studieren können.

KNA/lwi/cas

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