Forscherteam untersucht jüdische Bittschriften an Papst Pius XII.

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Ausstellung von Dokumenten aus dem Geheimarchiv des Vatikans. Foto IMAGO / Anan Sesa
Ausstellung von Dokumenten aus dem Geheimarchiv des Vatikans. Foto IMAGO / Anan Sesa
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Forscher der Universität Münster beschäftigen sich in den kommenden Jahren ausführlich mit rund 15.000 Bittschriften von Juden aus Europa an Papst Pius XII. während der NS-Zeit. Die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ), das Auswärtige Amt und die Bayer AG fördern das Projekt „Asking the Pope for Help“ mit rund zwei Millionen Euro, wie die Universität Münster am Dienstag mitteilte.

Die von einem Historiker-Team unter Leitung des Münsteraner Kirchenhistorikers Hubert Wolf entdeckten Dokumente liegen in den Archivbereichen zu Pius XII. (1939-1958) im Vatikan. Dieser hatte die Bereiche vor zwei Jahren für die Forschung zugänglich gemacht. Wolf hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, die Bittbriefe erforschen und online zusammenstellen zu wollen.

Mit dem Projekt gehen die Forschenden laut Universität mehreren Zielen nach. So solle die Geschichte der Verfolgten im Vordergrund stehen. Den Opfern solle eine Stimme gegeben werden. Es gehe aber auch um die Rolle von Papst Pius XII. und die Bedeutung der katholischen Kirche im Nationalsozialismus. Die Bittschriften sollen digital für die Öffentlichkeit aufbereitet werden. Auch seien didaktische Materialien für Schulen und die politische Bildung geplant.

Im vergangenen Jahr bezeichnete Wolf die Dokumente als „erschütternde Zeugnisse der Verfolgung“. Damals zeigte eine erste Analyse der Quellen, dass der Heilige Stuhl wann immer möglich auf Hilferufe reagiert habe, etwa mit Geld, Essen oder einem Visum. Das Bild von Papst Pius XII. müsse sicher vielschichtiger gezeichnet werden, „als es derzeit oft geschieht“, schrieb Wolf in einem Artikel.

Die frühere deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl und Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung EVZ, Annette Schavan, sprach von den Bittgesuchen als einem archivalischen „Schatz“. Mit dem Projekt leisteten die Forschenden einen Beitrag zur grenzüberschreitenden Erinnerungskultur. Das Projekt habe eine „grosse gesellschaftspolitische und historische Bedeutung“, sagte der Rektor der Universität Münster, Johannes Wessels.

KNA/ans/ame/lwi

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