Nach Tötung dreier Terroristen: Palästinenserpräsident Abbas droht Israel

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Palästinenser an einer Trauerveranstaltung für die drei Terroristen, die von israelischen Streitkräften getötet wurden, 09. Februar 2022. Foto IMAGO / ZUMA Wire
Palästinenser an einer Trauerveranstaltung für die drei Terroristen, die von israelischen Streitkräften getötet wurden, 09. Februar 2022. Foto IMAGO / ZUMA Wire
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Der Vorsitzende der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Mahmoud Abbas, rief am Donnerstag zu Racheakten gegen Israel auf, nachdem israelische Sicherheitskräfte Anfang der Woche drei Terroristen in Shechem (Nablus) getötet hatten. Die drei bewaffneten Terroristen befanden sich in einem Fahrzeug und wurden bei den Gefechten mit den israelischen Sicherheitskräften getötet. Sie wurden als Mitglieder der Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden, dem sogenannten bewaffneten Arm von Mahmoud Abbas Fatah-Partei identifiziert.

„Wir müssen ihnen doppelt antworten, weil wir angegriffen wurden und selbst niemanden angegriffen haben“, sagte Abbas in einer Aufzeichnung, die während eines Gedenkgottesdienstes für die Fatah-Terroristen abgespielt wurde. Die Fatah ist die stärkste Fraktion innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Sie ist Mitglied in der Sozialistischen Internationale und hat in der Sozialdemokratischen Partei Europas Beobachterstatus.

„Ich spreche den Familien der Märtyrer und dem palästinensischen Volk Trost zu. Ich sage ihnen, dass es sich um ein Verbrechen handelt, das von den zionistischen Besatzern gegen unser Volk begangen wurde. Wir werden nicht zulassen, dass sich solche Vorfälle wiederholen. Denn dies sind Verbrechen, zu denen wir nicht schweigen können. Wir haben 73 Jahre lang Geduld bewiesen, und unsere Geduld ist am Ende. Wir werden nicht länger geduldig sein“, drohte Abbas.

Abbas ruft Palästinenser auf, Israelis aus Rache für die Tötung von 3 Terroristen zu ermorden. Übersetzung Palestinian Media Watch

Vertreter der Zweigstelle der Fatah-Bewegung in Schechem verurteilten das „Attentat“ und erklärten, dass „was davor war, nicht sein wird, was danach kommt“. Der Sekretär der Fatah-Zweigstelle, Muhammad Hamdan, bezeichnete die Terroristen als „Märtyrer“ und gelobte: „Wir werden nicht tatenlos zusehen, die Menschen vor Ort werden bestimmen, wie die Antwort auf das Verbrechen der Ermordung aussehen wird.“

Laut Palästinensischen Medienberichten handelt es sich bei den Getöteten um Ashraf al-Mubaslit, Adham Mabrouk und Muhammad al-Dakhil, die den Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden angehören. Ein Fatah-Sprecher bestätigte, dass die drei Palästinenser Fatah-Mitglieder waren.

In der Mitte, die drei getöteten Mitglieder der Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden

Abbas‘ Äusserungen folgten auf die scharfe Kritik von Gegnern der Palästinensischen Autonomiebehörde, die behaupteten, Ramallahs Politik der Sicherheitszusammenarbeit mit Israel habe wahrscheinlich zu der Polizeirazzia geführt, bei der die drei Palästinenser getötet wurden.

Die Einsatzkräfte der Antiterroreinheit Yamam, die die Razzia durchführten, benutzten ein so genanntes Sammeltaxi mit palästinensischen Nummernschildern, um den Wagen mit den Verdächtigen im Stadtteil al-Makhfiya von Shechem zu blockieren. Die israelische Polizei bestritt, dass es sich bei dem Einsatz um eine gezielte Tötung handelte, und erklärte, die Polizeikräfte hätten zunächst versucht, die Verdächtigen festzunehmen.

In den letzten Wochen gab es eine Reihe von Angriffen auf israelische Sicherheitskräfte und Militärposten im Norden, zuletzt am Samstagabend, als Schüsse auf ein Fahrzeug der Grenzpolizei in der Nähe von Dschenin abgefeuert wurden. In den vergangenen zwei Wochen wurden laut israelischen Medien mindestens fünf solcher Anschläge verübt, bei denen aber kein Israeli verletzt wurde.

Ein israelischer Sicherheitsfunktionär sagte gegenüber der Times of Israel, die palästinensischen Verdächtigen seien auf dem Weg gewesen, einen weiteren Anschlag zu verüben, was ein Eingreifen erforderlich gemacht habe. „Sie waren eine tickende Zeitbombe“, so der Mitarbeiter, der gemäss den Vorschriften des Innenministeriums anonym bleiben wollte.

Während der Beerdigung der drei Terroristen am Dienstagnachmittag marschierten Tausende mit gelben Fatah- und grünen Hamas-Bannern die Hauptstrassen der Stadt entlang. Bewaffnete maskierte Männer feuerten dabei Schüsse in die Luft ab.

Irgendwann drangen bewaffnete Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde in die Menge ein und versuchten, einige der Hamas-Fahnen herunterzureissen. Die Palästinensische Autonomiebehörde wird von der Fatah kontrolliert, die in der Hamas einen Hauptkonkurrenten sieht.

Wie bereits zuvor Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde verurteilten auch arabische israelische Politiker die Operation als „Hinrichtung“. Der Parteienblock Vereinigte Arabische Liste (Ra’am) veröffentlichte eine Erklärung, in der er die Tötung der drei Terroristen als „Verbrechen gegen das palästinensische Volk“ bezeichnete. „Diese Attentate und Hinrichtungen sind nach internationalem Recht ein terroristischer Akt. Nur das Ende der Besatzung wird die Gewalt beenden“, sagte der Ra’am-Abgeordnete, Ahmad Tibi.

1 Kommentar

  1. Immer das gleiche: Sind ein paar Killer aus ihren Reihen erwischt worden, spielen sie die verfolgte Unschuld und schwören „Rache“. Ganz so, als ob das Morden nicht ihr Hauptgeschäft wäre.

    Dass sich die Fatah hier solidarisch einklinkt, zeigt wieder einmal, wie diese angeblich gemäßigte Terrororganisation einzustufen ist.

    Ob Frau Baerbock bei ihrem Besuch bei Abbas dazu auch ein paar mäßigende Worte verloren hat?

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