Critical Race Theory, Whoopi Goldberg und der Antisemitismus

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Buchauslage mit Werken zur kritischen Rassentheorie an der Universität von Wisconsin-Madison. Foto college.library - https://www.flickr.com/photos/collegelibrary/51689280936/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=114839463
Buchauslage mit Werken zur kritischen Rassentheorie an der Universität von Wisconsin-Madison. Foto college.library - https://www.flickr.com/photos/collegelibrary/51689280936/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=114839463
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Die bekannte Hollywood-Schauspielerin Whoopi Goldberg hält den Holocaust durch die Nazis nicht für rassistisch, sondern für ein Unrecht unter «Weissen». Hinter dieser Lesart steckt die sogenannte «Critical Race Theory», die derzeit den us-amerikanischen Rassimus-Diskurs dominiert und den Kampf gegen Antisemitismus schwerer machen dürfte.

Gemäss Aussagen der Schauspielerin Whoopi Goldberg in einer US-Talkshow diesen Februar soll die Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nationalsozialisten nichts mit Rassismus zu tun haben. Die weissen Nazis hätten gar nicht rassistisch handeln können, weil nämlich ihre Opfer, die Juden, ebenfalls Weisse gewesen seien. Goldberg ignoriert damit das rassische Denken der Nazis und will nichts davon wissen, dass die Vernichtungspläne des jüdischen Volks auf der Grundlage der NS-Ideologie standen, Juden als «minderwertige Rasse» zu betrachten. Goldberg hat sich inzwischen für ihre Aussagen entschuldigt. Aber das ändert nichts an der «Critical Race Theory», die Goldberg hier exemplarisch angewendet hat.

Die Promotoren und Anhänger der «Critical Race Theory» gehen grundsätzlich davon aus, dass weisse Menschen niemals Opfer von Rassismus sein können, weil alle Weissen von Geburt an privilegiert seien und deswegen nicht zu den Opfern, sondern zu den Tätern der Geschichte gehören. Rassismus könne immer nur von Weissen ausgehen und sich nur gegen Nicht-Weisse richten.

Grundsätzlich betrachtet die «Critical Race Theory» alle Weissen als Rassisten, weil die westliche Kultur an sich rassistisch sei, ein Produkt des weissen Mannes. Gemäss dieser Theorie können auch Juden keine Opfer sein, sondern immer nur Täter, denn sie sind laut der Theorie ein Teil der westlichen «White Supremacy»-Kultur (weisse Vorherrschaft).

Sollte sich dieses ideologische Denken in den Bildungseinrichtungen, den Medien oder in der politischen Diskussion Europas auch durchsetzen, wäre das schwerwiegend für den Kampf gegen Antisemitismus. Die «Critical Race Theory» handelt nämlich nicht von Ungerechtigkeiten und Unmenschlichkeiten der menschlichen Geschichte, sondern sie versucht, den Opferstatus für Nicht-Weisse zu reservieren, indem alle Weisse zu Tätern erklärt werden.

Die Geschichte des Holocaust und des jahrtausendealten Antisemitismus würde damit nicht mehr als Geschichte von Opfern verstanden werden, von Rassenwahn und Judenhass, sondern als Geschichte weisser Täter und Rassisten, die anderen weissen Tätern und Rassisten in die Quere gekommen sind, die also kein grosses Mitleid verdienen – wie es zum Beispiel kein grosses Mitleid verdient, wenn ein Vergewaltiger den anderen umbringt. Der Holocaust wäre damit kein Mahnmal mehr für die Barbarei von Judenhassern, sondern ein Problem zwischen weissen Rassisten, das darüber hinaus keine moralische Bedeutung hat.

Über Giuseppe Gracia

Giuseppe Gracia (54) ist Schriftsteller und Kommunikationsberater. Sein neues Buch «Die Utopia Methode» (Fontis Verlag, 2022) beleuchtet die Gefahren utopischer Politik.

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3 Kommentare

  1. Wenn es um Juden geht, fühlen sich viele Täter als Opfer.
    Da sollte es nicht wundern, wenn der Kampfbegriff „Blacks live matter“ auch bei den Islamisten und deren Freunde populär ist.

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