Wirbelknochen eines Urmenschen in Israel gefunden – neue Theorie

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Wirbelknochen im Jordantal gefunden. Foto Dafna Gazit / IAA
Wirbelknochen im Jordantal gefunden. Foto Dafna Gazit / IAA
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Ein 1,5 Millionen Jahre alter menschlicher Wirbelknochen wirft nach einer Studie israelischer und amerikanischer Forscher neues Licht auf die Wanderbewegungen von Urmenschen aus Afrika. Der im Jordantal entdeckte Knochen sei der älteste Beweis für die Anwesenheit von Menschen im heutigen Israel sowie der zweitälteste menschliche Überrest, der ausserhalb Afrikas gefunden wurde, heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung der israelischen Antikenbehörde (IAA) und der Bar-Ilan-Universität (BIU) von Mittwoch. Die Studie wurde zugleich in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht.

In der Wissenschaft gibt es laut Mitteilung eine anhaltende Debatte darüber, ob die Vorfahren des modernen Menschen Afrika in einer oder mehreren Wellen verlassen haben. Der jetzt veröffentlichte Fund spreche für die zweite Theorie, da er offenbar von einer anderen Spezies und Zeit stamme, als die bisher bekannten ältesten Homininenfunde aus Georgien, die auf eine Zeit von vor rund 1,8 Millionen Jahren datiert werden. Damit liefere der Wirbel aus dem Jordantal den Beweis, dass es mehr als eine Auswanderungswelle von Homininen aus Afrika gegeben habe sowie das mehr als eine Homininenart aus Afrika abgewandert sei.

Gefunden wurde der Knochen bereits 1966 bei Grabungen an einer prähistorischen Stätte namens Ubeidija südlich des Sees Genezareth. Er wurde demnach damals untersucht, aber nicht identifiziert. Bei einer erneuten Untersuchung gelang es den Forschern der IAA, der BIU, des Ono Academic College sowie der Universität Tulsa (Oklahoma, USA), den Fund als einen menschlichen Lendenwirbel zu identifizieren. Der Knochen stammt demnach von einem Kind einer Homininenart im Alter von 6 bis 12 Jahren.

Weitere Unterschiede machten die Forscher zwischen den Steinwerkzeugen aus, die an den Fundstellen in Georgien und Israel gefunden wurden. Diese deuteten darauf hin, dass sie von unterschiedlichen Homininenarten hergestellt worden seien.

„Es scheint also, dass wir in der Periode, die als Frühpleistozän bekannt ist, mindestens zwei Arten von frühen Menschen ausserhalb Afrikas identifizieren können“, so der Ko-Leiter der Studie, Alon Barasch von der BIU. Jede Migrationswelle habe aus einer anderen Art von Menschen bestanden, die sich „in Aussehen und Form, Technik und Tradition der Herstellung von Steinwerkzeugen und der ökologischen Nische, in der sie lebten“ unterschieden.

KNA/akr/sky

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