Milli Görüs entlässt Imam nach antisemitischem Video

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Hauptsitz der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş in Köln. Foto Icmg1453, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38810196
Hauptsitz der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş in Köln. Foto Icmg1453, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38810196
Lesezeit: 2 Minuten

Die „Islamische Gemeinschaft Millî Görüş“ (IGMG) hat einen Imam wegen antisemitischer Aussagen in einem Video auf der Plattform Instagram entlassen. Das teilte Bekir Altas, Generalsekretär der IGMG, auf Anfrage der „Welt“ (Freitag) mit. Der Bonner Imam Ensar Isik hatte im Mai 2021 auf der Plattform ein mehr als einstündiges Video zu den Spannungen zwischen Israel und Palästinensern hochgeladen. Darin warf Isik Israel einen „Völkermord“ vor – „genau wie es damals in Deutschland auch passiert ist mit den Juden“.

Als er Israel ein „Land“ nannte, formte Isik mit seinen Fingern Anführungszeichen in der Luft. „Wir sind auch nicht gegen das Judentum. (…) Jedem das seine. Wir sind aber gegen Zionisten“, sagte der Imam. „Leider, leider“ seien 99,9 Prozent der Zionisten Juden. Die „Weltordnung“ der Zionisten sei bekannt: „‚Wir sind die goldene Rasse‘, sagen die. ‚Wir müssen die Muslime töten. Wir müssen sie massakrieren.'“

Bekir Altas, Generalsekretär der IGMG, erklärte, er sei durch die „Welt“-Anfrage auf die Inhalte aufmerksam geworden: „Die Aussagen sind antisemitisch und inakzeptabel. Wir haben unverzüglich Kontakt mit dem Imam aufgenommen und ihn angehalten, die weitere Verbreitung des Videos zu unterbinden.“ Inzwischen wurde das Video gelöscht. Der Imam sei mit sofortiger Wirkung von allen seinen Aufgaben entbunden worden. Der IGMG-Regionalverband habe ein Disziplinarverfahren eingeleitet, arbeitsrechtliche Schritte würden geprüft, so Altas weiter.

In einem anberaumten ersten Gespräch am Donnerstag habe sich der Imam für seine Ausfälle entschuldigt und seine Aussagen bedauert. Es sei nicht seine Absicht gewesen, er habe in seiner freien Rede jedoch unüberlegte Aussagen getätigt. Eine Anfrage der „Welt“ liess Isik unbeantwortet.

KNA/joh/oet/Aud

Anm.d.Red. Laut dem Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg will die „Milli-Görüs“-Bewegung („Nationale Sicht“) die westliche „Ordnung des Unrechts“ durch eine islamische „Gerechte Ordnung“ ersetzen. Die IGMG ist im „European Council for Fatwa and Research“ (ECFR) vertreten, ihre Studentenorganisation gehört dem „Forum of European Muslim Youth and Student Organizations“ (FEMYSO) an. Dies zeige eine Affinität zum Spektrum der „Muslimbruderschaft“. Ebenso bestehen Kontakte zur türkisch-rechtsextremistischen „Ülkücü-Bewegung“, so der Verfassungsschutz. 

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