Vom Flüchtlingslager zum 5-Sterne-Hotel: Hamas-Spitzenfunktionäre verlassen Gaza

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Doha Skyline. Symbolbild. Foto IMAGO / Panthermedia
Doha Skyline. Symbolbild. Foto IMAGO / Panthermedia
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Im vergangenen Jahr haben mindestens acht hochrangige Vertreter der Terrororganisationen Hamas und Islamischer Dschihad den Gazastreifen aus den unterschiedlichsten Gründen verlassen, wobei keiner von ihnen eine baldige Rückkehr in Erwägung zieht.

Sie sind die führenden Köpfe der Hamas und des Palästinensischen Islamischen Dschihad im Gazastreifen, diejenigen, die den bewaffneten Aufstand gegen Israel anführen und deren Worte die Bevölkerung der Enklave trotz der schwierigen Bedingungen in Kriegsstimmung versetzen können.

Aber letztendlich sagen Taten mehr als Worte, und vor aller Augen haben sich mehrere dieser hochrangigen Vertreter aus dem Gazastreifen abgesetzt und sind seitdem nicht mehr zurückgekehrt.

Die Gruppe besteht aus acht Persönlichkeiten mit prominenter Medienpräsenz, die alle in ihren jeweiligen Organisationen grossen Einfluss haben. Im vergangenen Jahr verliessen sie alle die heruntergekommenen und überfüllten Strassen von Gaza und zogen an sicherere Orte auf der ganzen Welt, wobei einige von ihnen in Luxus leben und von ihren Gastgebern verwöhnt werden.

Ismail Haniyeh, der politische Führer der Hamas im Ausland, war der erste, der den Gazastreifen verliess – er tauschte das Al-Shati-Flüchtlingslager gegen ein Hotel in Doha ein, berichtet das israelische Nachrichtenportal Ynet.

Hamas-Führer Ismail Haniyeh bei seinem Besuch im Libanon im Februar 2020. Foto imago images / ZUMA Wire
Hamas-Führer Ismail Haniyeh bei seinem Besuch im Libanon im Februar 2020. Foto imago images / ZUMA Wire

Haniyeh begründete seine Ausreise mit seiner Kandidatur für die Leitung der Hamas – die Wahl wurde jedoch vor einigen Monaten abgebrochen. Darüber hinaus setzte Haniyeh die ägyptischen Behörden unter Druck, seiner Frau und seinen Kindern die Ausreise aus dem Gazastreifen über den Grenzübergang Rafah zu gestatten. Sie leben derzeit mit ihm im luxuriösen Katar.

Eine weitere Schlüsselfigur ist Khalil al-Hayya, der bis vor kurzem als Stellvertreter des Hamas-Führers im Gazastreifen Yahya Sinwar fungierte. Er verliess die Enklave vor einigen Monaten, nachdem er zum „Leiter der Beziehungen für arabische und muslimische Länder“ der Terrororganisation befördert worden war.

Genau wie Haniyeh gelang es auch al-Hayyah, seine Familie aus dem Gazastreifen zu holen und nach Doha zu bringen.

Khalil al-Hayya am 18. August 2021 zu Besuch in Gaza-Stadt. Foto IMAGO / ZUMA Wire
Khalil al-Hayya am 18. August 2021 zu Besuch in Gaza-Stadt. Foto IMAGO / ZUMA Wire

Weitere auf der Liste sind Salah al-Bardawil, ein ranghohes Mitglied der Gruppe, der einer palästinensischen Quelle zufolge ein „Sabbatjahr“ im Ausland verbringt, der bekannte Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri, der inzwischen in das politische Büro der Organisation aufgestiegen ist, und der langjährige diplomatische Berater und persönliche Stellvertreter von Haniyeh, Taher Al-Nunu. Keiner dieser Funktionäre macht irgendwelche Andeutungen über eine mögliche Rückkehr in den Gazastreifen.

Aber Doha ist nicht das einzige Ziel, denn die neue Heimat von Hamas-Spitzenmann Fathi Hamad ist die Türkei. Der Spitzenfunktionär gehört zum radikalen Flügel der Gruppe und hat seine Heimatbasis im Nordstreifen, wo er für zahlreiche gewaltsame Gefechte mit Israel verantwortlich war.

Hamad war auch Chef einer privaten Miliz, die für die Durchführung von Terroranschlägen gegen den jüdischen Staat zuständig war, und rief die Palästinenser im Judäa und Samaria immer wieder zur Ermordung von Israelis auf.

Er zog fast unbemerkt nach Istanbul und pendelt nun häufig zwischen der türkischen Hauptstadt und Beirut.

Auch der Islamische Dschihad ist von den Abgängen aus dem Gazastreifen nicht verschont geblieben. Zwei der Führer der Organisation im Gazastreifen – Nafaz Azzam und Muhammad al-Hindi – haben den Gazastreifen ebenfalls vor einiger Zeit heimlich verlassen. Azzam ist in Syrien und wahrscheinlich auch in Beirut, während al-Hindi in Istanbul sein neues Zuhause gefunden hat.

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