Chile: Neuer Innenminister «Antisemit des Jahres» mit PLO-Verbindung

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Óscar Daniel Jadue (links) mit Gabriel Boric (rechts). Foto Screenshot Twitter.
Óscar Daniel Jadue (links) mit Gabriel Boric (rechts). Foto Screenshot Twitter.
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Deutschsprachige Medien haben die neue sozialistische Regierung in Chile mehrheitlich gefeiert, obwohl der neue Präsident Gabriel Borić Israel verteufelt und einen Boykott des jüdischen Staates unterstützt. Der voraussichtlich neue Innenminister und damit zweiter Mann in Chile wurde 2020 vom Wiesenthal Zentrum zum »Antisemiten des Jahres« ernannt.

Óscar Daniel Jadue ist der Vorsitzender der Chilenischen Kommunistischen Partei und Enkel palästinensischer Einwanderer. In Chile lebt die grösste palästinensische Exilgemeinde der Welt, mit ca. 400.000 Menschen.

Jadue wurde 1967 geboren. Seine Klassenkameraden bezeichneten ihn in ihrem Jahrbuch 1983 als „Antisemit“, immer auf der Suche nach „jüdischen Zielen.“ Als Karriereziel prophezeite man ihm „Chef der PLO“. 2020 forderte die chilenische Deputiertenkammer Jadue auf, sich von dem Jahrbucheintrag zu distanzieren, was er verweigerte.

Óscar Daniel Jadue im Jahrbuch 1983. Foto zVg

Seine politische Karriere begann er in den 80er Jahren in Organisationen aus dem Umfeld der »Palästinensischen Befreiungsorganisation« PLO, die damals eine blutige Terrorkampagne gegen Juden und Israelis in aller Welt führte.

Zwischen 1987 und 1991 war er Präsident der Generalunion palästinensischer Studenten in Chile, und 1991-1993 Generalkoordinator der Palästinensischen Jugendorganisation Lateinamerikas und der Karibik. 1992 wurde er Bürgermeister von Recoleta, 1993 trat er in die Kommunistische Partei ein.

In einem Interview mit Radio Usach behauptete Jadue im Juli 2020, dass „einige der alternativen Medien, die in unserem Land entstanden sind, von der zionistischen Gemeinschaft in Chile gekauft werden und dass sie nicht nur die Mitte-Links-Journalisten, sondern auch die pro-palästinensischen Journalisten aus ihnen entfernen“. Nach der IHRA-Definition von Antisemitismus ist dies eine antisemitische Aussage.

2020 wurde er vom Simon Wiesenthal Center auf die Liste der 10 schlimmsten Antisemiten des Jahres gesetzt, nachdem er sagte, „Agenten Israels“ wollten „den Konflikt nach Chile tragen“. Er nannte die Palästinenser Chiles „Opfer einer bewussten Kampagne von Terror und Gewalt durch bewaffnete zionistische Gruppen“.

Die Anführer der chilenischen palästinensischen Gemeinde hätten sich zunehmend radikalisiert und sympathisierten mit der Hamas, so das Wiesenthal Center. Viele der etwa 18.000 Juden in Chile bangen nun um Ihre Zukunft.

In der ersten Jahreshälfte 2021 emigrierten bereits 80 Juden nach Israel, viermal soviel wie im Vorjahreszeitraum, viele aus Sorge um einem Wahlsieg Jadues. Deshalb genoss der „rechte“ Kandidat José Antonio Kast breite Zustimmung unter den chilenischen Juden, und gewann die Mehrheit der Stimmen der Exilchilenen in Israel.

2 KOMMENTARE

  1. Das ist das Erbe der DDR, eine grauenhafte Mischung aus Volksgemeinschaft, daher das Gefühl, aus Antisemitismus, Nationalismus und sozialer Teilhabe. Sozialismus hat damit nichts zu tun. Das ist eine positive Ideologie, die auf Emanzipation und Gleichberechtigung abhielt, also untrennbar mit dem liberalen Judentum verbunden ist.
    Natürlich war die kpd auch vor 33 schon dezidiert antisemitisch, das gilt nicht erst für Thälmann sondern für Ruth Fischer. Sie kommen aber aus der Tradition der Sozialrevolution, die war immer völkisch.
    Wie auch immer, mein Sofa ist breit und ich kämpfe immer gegen Antisemitismus und besonders heftig, wenn dieser Abschaum den Sozialismus diskreditiert.

    • Susanna, die Meinung, Sozialismus sei „eine positive Ideologie, die auf Emanzipation und Gleichberechtigung“ abzielt, habe ich auch einmal vertreten. Dieser Anspruch muss dann aber auch einer Analyse standhalten, ob er zurecht besteht oder ob linke Organisationen und Individuen diese hehren Ideen lediglich gekapert und in der Praxis in ihr exaktes Gegenteil verkehrten haben – mit den fürchterlichsten Folgen. Ich bin seit etlichen Jahren zu der Auffassung gelangt, dass hier Anspruch und Wirklichkeit in keiner Weise mehr kompatibel sind. Wenn bei fast allen relevanten Vertretern dieser Ideologie die emanzipativen Vorstellungen nur noch Worthülsen sind und die Praxis eine ganz andere ist, dann wird es Zeit Konsequenzen zu ziehen.

      Es macht keinen Sinn eine regressive und reaktionäre Linke aufzupolieren oder zu hoffen, sie würden doch noch „die Kurve“ kriegen. Das ist ein völlig aussichtsloses illusorisches Unterfangen, die Zeit ist besser eingesetzt, sich davon abzunabeln und sich in anderen Zusammenhängen zu engagieren. Das Label „links“ ist kein Qualitätssiegel.

      Dass man sich dabei auch persönlichen Fehleinschätzungen stellen muss, ist unangenehm. Aber wenn zum eigenen Anspruch eine schonungslose Analyse und Kritik gehört, dann darf das nicht umgangen werden. Fehler zu machen muss nicht katastrophal enden, das Beharren auf Fehlern dagegen schon.

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