Unter Druck: Juden und Christen in Europa

Es gibt einen Rückgang der Religions- und Glaubensfreiheit in Westeuropa nicht nur für Juden, sondern auch für Christen. Ein Bericht des «Observatory on Intolerance and Discrimination» in Wien (OIDAC) hat in einem aktuellen Bericht fünf Länder untersucht: Frankreich, Deutschland, Spanien, Schweden und England.

0
Symbolbild. Information an einer katholischen Kirche in der Innenstadt von Euskirchen. Foto IMAGO / Hermann J. Knippertz
Symbolbild. Information an einer katholischen Kirche in der Innenstadt von Euskirchen. Foto IMAGO / Hermann J. Knippertz
Lesezeit: 3 Minuten

Der Bericht des «Observatory on Intolerance and Discrimination» (OIDAC) umfasst den Zeitraum zwischen 2019 und 2020. Festgestellt wurde dabei eine zunehmende antichristliche Intoleranz und Diskriminierung, die hauptsächlich von zwei Seiten ausgeht. Erstens von staatlicher Seite: durch Teile der Gesetzgebung oder einen feindseligen politischen Diskurs, der die Freiheiten der Christen untergräbt. Und zweitens von individueller Seite: durch soziale Ausgrenzung und kriminelle Übergriffe auf Christen oder christliche Einrichtungen.

Die zentrale Dynamik, die eine Aushöhlung und Einschränkung der Freiheiten von Christen in den untersuchten Ländern verursacht, wird als «säkulare Intoleranz» bezeichnet. Der Bericht bietet einen zusammenhängenden Überblick über die untersuchten Fälle, zeigt aktuelle Trends auf und enthält Empfehlungen für die Praxis.

Der Bericht zeigt auf, dass Christen in den untersuchten Ländern diskrimiert werden, weil es nicht mehr akzeptiert wird, dass ein Christ treu zu seinem Glauben. Dies kann zu grossen Nachteilen am Arbeitsplatz oder schon während der Ausbildung führen. Es kommt zu Vandalismus, zu antireligiös motivierten Angriffe auf Kirchen und christliche Gebäude, oder zu antichristlichen Hassverbrechen gegen Einzelpersonen. Dazu passt auch die schrittweise Einschränkung oder Anfechtung von Grundrechten wie der Meinungsfreiheit, der Religionsfreiheit, der Gewissensfreiheit, der Vertragsfreiheit oder der elterlichen Rechte von Christen.

Allein in Frankreich verzeichnete das französische Innenministerium im Jahr 2019 über 996 antichristliche Vorfälle – das sind durchschnittlich 2,7 pro Tag.

Die im Bericht erwähnte «säkulare Intoleranz» wird als ideologisch- missionarische Form von Säkularisierung beschrieben, mit der eine post-christliche Kultur auf allen Ebenen der Gesellschaft forciert werden soll. Die praktizierte Religion soll, sofern sie noch toleriert wird, in den privaten Bereich verdrängt werden. Die Ausgrenzung oder Kriminalisierung öffentlicher christlicher Stimmen beruht vor allem auf einer Ablehnung der christlichen Moral, für die es keine Toleranz mehr gibt.

Antichristliche Hasskriminalität in Europa 2019-2020. Foto OIDAC Bericht

Der Bericht formuliert auch Empfehlungen zur Verbesserung der Situation und schlägt etwa vor, dass die staatlichen Behörden durch die Erhöhung ihrer religiösen Kompetenz eine bessere Gesetzgebung und Verwaltung gewährleisten könnten. So wären Brücken zwischen gesellschaftlichen Gruppen möglich, um Gesetze zu vermieden, die religiöse Gruppen diskriminieren. Gemäss Bericht wäre es auch wichtig, dass internationale und zivilgesellschaftliche Organisationen mehr über das Phänomen der Diskriminierung und Intoleranz gegenüber Christen berichten und das Thema stärker ins Bewusstsein rücken, um eine offene Debatte anzustossen.

Ebenso wichtig ist es, den in Westeuropa salonfähigen Antiisraelismus mehr ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Denn es zeigt sich, dass der Teil in Politik und Medien, welcher immer mehr Stimmung gegen das Christentum macht, der gleiche ist, welcher zugleich Stimmung gegen Israel macht. Die Ausgrenzung und Delegitimierung von Israel und damit vom jüdischen Staat, kommen von denselben Medien und den gleichen Kreisen, welche Ausgrenzung und Kriminalisierung von christlichen Stimmen betreiben. Es geht also gegen das Judentum und gegen das Christentum als Grundlage der westlichen Zivilisation. Umso wichtiger ist es, diesen Zusammenhang deutlich und öffentlich bekannter zu machen.

Über Giuseppe Gracia

Giuseppe Gracia (54) ist Schriftsteller, Publizist und Kommunikationsberater. Sein neuer Roman „Glorias Finale“ ist erschienen bei Nagel & Kimche, Zürich

Alle Artikel

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.