Italien: Jahrelanges Schweigen über Deal der es palästinensischen Terroristen ermöglichte Juden zu töten

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Der Anschlag vom 9. Oktober 1982 auf die Grosse Synagoge in Rom war angekündigt worden, und dennoch wurde an diesem Tag nicht nur die Wachsamkeit nicht erhöht, sondern auch der einzige diensthabende Polizeiwagen weggeschickt. Foto romaebraica.it
Der Anschlag vom 9. Oktober 1982 auf die Grosse Synagoge in Rom war angekündigt worden, und dennoch wurde an diesem Tag nicht nur die Wachsamkeit nicht erhöht, sondern auch der einzige diensthabende Polizeiwagen weggeschickt. Foto romaebraica.it
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Der palästinensische Terroranschlag auf die Grosse Synagoge in Rom am 9. Oktober 1982, bei dem der zweijährige Stefano Gaj Tachè getötet wurde und das Blut von 37 weiteren Verwundeten auf die Steine des Gotteshauses floss, war ein doppelter Schlag ins Gesicht – nicht nur durch die Mörder, sondern auch durch diejenigen, die keinen Finger rührten, um ihre Opfer zu schützen.

von Fiamma Nirenstein

Laut einem Artikel auf der Titelseite der linksgerichteten italienischen Tageszeitung Il Riformista von letzter Woche waren die italienischen Behörden gewarnt worden, dass ein Anschlag gegen Juden oder Israelis geplant sei. Aus den in dem Artikel zitierten Dokumenten geht zwar hervor, dass Francesco Cossiga – Ministerpräsident der Italienischen Republik von 1979-1980 und Staatspräsident von 1985-1992 – dies seinerzeit verurteilt hatte, doch zeigen zahlreiche Dokumente von vor mehr als fünfzehn Jahren, dass sich niemand die Mühe machte, die Angelegenheit weiter zu untersuchen. Es wird vermutet, dass es eine politische Vereinbarung zwischen dem ehemaligen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti und palästinensischen Organisationen gab, die verlangten, dass ihnen freie Hand gegen Juden und Israelis auf italienischem Boden gewährt wird, wenn sie im Gegenzug versprechen, keine „unschuldigen“ Italiener (d. h. Nicht-Juden) anzugreifen.

Ein solches Versprechen war allerdings bedeutungslos, da die palästinensischen Terroristen bei ihren Anschlägen auf den römischen Flughafen Fiumicino im Jahr 1973 (34 Tote), bei der Entführung des italienischen Kreuzfahrtschiffs Achille Lauro im Jahr 1985 und bei den Doppelanschlägen auf die Flughäfen von Rom und Wien im Jahr 1985 (19 Tote) nicht auf die Identität „unschuldiger“ Italiener geachtet hatten.

Dennoch war klar, dass jüdisches Blut auch nach dem noch nicht lange zurückliegenden Holocaust und nachdem das Ghetto von Rom durch die Deportationen von 1943 für immer gezeichnet worden war, immer noch ein Druckmittel war. Die oben erwähnten Terroranschläge waren in der Tat nur ein Teil der nächsten Runde von Anschlägen auf Juden.

Im Jahr des Anschlags auf die Grosse Synagoge in Rom sprach PLO-Chef Jassir Arafat mit einer Pistole bewaffnet vor der italienischen Abgeordnetenkammer. Andreotti, der Pate der proarabischen Politik des Parlaments, hatte ihm dies erlaubt, und nur Giovanni Spadolini von der Republikanischen Partei Italiens war dagegen.

Und es war auch richtig, dass Spadolini dagegen war, denn die terroristische Gewalt der Palästinenser war bereits eine Tatsache, die durch das Abschlachten von Sportlern (Massaker bei den Olympischen Spielen 1972 in München bei dem 11 Menschen getötet wurden), Kindern (Massenmord 1974 in Ma’alot in Israel bei dem 31 Menschen starben) und unzähligen anderen Fällen von Flugzeugentführungen, Busbombenanschlägen, willkürlichen Explosionen und Schiessereien deutlich wurde.

In jenen Jahren machte jedoch eine absolutistische und salbungsvolle Politik die palästinensische Welt – mit all ihrer antisemitischen Grausamkeit, Unehrlichkeit und Menschenrechtsverletzungen – in den Augen nicht nur Italiens, sondern ganz Westeuropas zu einer unantastbaren heiligen Kuh. Angst und der Bedarf an arabischem Öl waren die Hauptgründe für diese „Dhimmitude“, welche die in Ägypten geborene britische Wissenschaftlerin Bat Ye’or in vielen ihrer Werke anprangerte und die heute, dank der Unterzeichnung des historischen Abraham-Abkommens, zu einem Ende gekommen zu sein scheint.

Doch gestern wie heute ist das Zulassen, Dulden und Aushandeln von Gewalt gegen und die Tötung von Juden ein klassischer Aspekt des Antisemitismus. Wie im Falle des von Il Riformista aufgedeckten Geheimabkommens gibt es immer noch die verborgene Überzeugung, dass das Leben von Juden nicht so viel wert ist wie das von anderen.

Als ich während der zweiten palästinensischen Intifada über die zahllosen Selbstmordattentate in Israel berichtete, bei denen Tausende von Menschen ums Leben kamen, wurde mir bewusst, mit wie viel Gleichgültigkeit und Schweigen die Vernichtung von Juden einhergehen kann. Ich empfand damals zutiefst, dass es sich um Antisemitismus handelte.

Wenn Israel das Recht auf Selbstverteidigung verweigert wird – ein Recht, das jedem anderen Land zugestanden wird -, ist das nichts anderes als Antisemitismus. Wenn ein Kleinkind wie Stefano Gaj Tachè auf den Stufen der Grossen Synagoge von Rom erschossen wird, ist das ein doppelter Antisemitismus: der desjenigen, der ihn erschossen hat, und der derjenigen die ausgehandelt haben, ihn ohne Schutz in als jüdisches Kind zu opfern.

Jewish lives matter. Jüdisches Leben zählt.

Die Journalistin Fiamma Nirenstein war Mitglied des italienischen Parlaments (2008-2013), wo sie als Vizepräsidentin des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten in der Abgeordnetenkammer und im Europarat in Strassburg tätig war und den Ausschuss zur Untersuchung des Antisemitismus gründete und leitete. Sie ist Fellow am Jerusalem Center for Public Affairs (JCPA). Auf Englisch zuerst erschienen bei Jewish News Syndicate. Übersetzung Audiatur-Online.