Schwedische Kirche mit antisemitischen Tendenzen

Die Schwedische Kirche will untersuchen, ob Israel ein Apartheidstaat ist. Diktaturen wie China, Nordkorea oder Iran sind kein Thema. Gleichzeitig lehnt es diese Kirche ab, dem Holocaust-Gedenktag Aufmerksamkeit zu schenken. Das alles soll nichts mit Antisemitismus zu tun haben.

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Antje Jackelén ist seit Juni 2014 Erzbischöfin von Uppsala und damit Oberhaupt der Schwedischen Kirche. Foto Tord Harlin
Antje Jackelén ist seit Juni 2014 Erzbischöfin von Uppsala und damit Oberhaupt der Schwedischen Kirche. Foto Tord Harlin
Lesezeit: 3 Minuten

Die Schwedische Kirche ist die evangelisch-lutherische Kirche und ehemalige Staatskirche Schwedens. Diese hat bei einer Versammlung des Kirchenrates kürzlich dem Antrag zugestimmt, Israel unter dem Verdacht des Apartheidstaates zu untersuchen. Andere Länder wie China, Nordkorea, Venezuela werden nicht auf Menschenrechtsverletzungen untersucht, so wenig die arabischen Diktaturen. Der Antrag war auf Israel fixiert und wurde dank der Unterstützung der bürgerlich-liberalen Zentrumspartei und der Sozialdemokraten angenommen.

Das wirft nicht nur die Frage auf, warum eine Religionsgemeinschaft andere Länder untersuchen sollte, mit welchen Mitteln und Instrumenten das für einen Kirchenrat überhaupt möglich wäre. Es wirft die grundsätzliche Frage auf, ob man sich in der Schwedischen Kirche noch bewusst ist über die unrühmliche Geschichte des christlichen Antisemitismus, über den lange Zeit auch von anderen Kirchengremien mitgetragenen Hass auf Juden als «Gottesmörder».

Diese Frage stellt sich umso mehr, als zwei Tage nach dem Israel-Beschluss derselbe Kirchenrat einen Antrag der Christdemokraten abgelehnte, wonach dem Holocaust-Gedenktag Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Die Sozialdemokraten waren ebenfalls gegen den Vorschlag.

Um die Wogen zu glätten, schrieb Erzbischöfin Antje Jackelén einen offenen Brief an die jüdische Gemeinde in Schweden mit der Versicherung, der Beschluss des Kirchenrates richte sich in keiner Weise gegen die Juden als Volk oder gegen den Staat Israel.

Tatsächlich aber handelt es sich hier um einen klaren Fall von Antisemitismus. Gemäss den Definitionen des Antisemitismus, welche die International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) entwickelt hat und die von Schweden anerkannt und unterstützt werden, gilt der Versuch, Israel als rassistischen Staat zu beschreiben und damit zu delegitimieren, als Antisemtismus.

Viele antiisrealischen Stimmen in Europa, leider auch in den Medien, zeichnen Israel als Unrechtsstaat, aufgrund seiner angeblich ungerechten Entstehung. Dabei wird so getan, als sei die Geschichte der anderen, knapp 200 anerkannten Staaten auf der Welt gerecht und daher kein Thema. Und wichtiger: es wird die Tatsache verschwiegen, dass es auf dem heutigen Gebiet Israels in den letzten 3‘000 Jahren nur zwei unabhängige Staaten gab: beide waren jüdisch, und beide wurden von Invasoren zerstört. Es gab dort zu keiner Zeit einen arabischen oder muslimischen Staat.

Israel ist im übrigen der einzige Rechtsstaat im Nahen Osten, in dem Juden, Muslime, Christen und Atheisten die gleichen Rechte geniessen. Jeder zweite israelische Einwohner ist nicht weiss und jeder fünfte kein Jude. Hier von einem rassistischen Staat reden kann also nur, wer das alles ignoriert, um Israel zu delegitimieren.

Wenn die Kirche in Schweden hier eine Rolle spielen will, dann sollte es eine positive, friedliche Rolle sein. Dann sollten Kirchenvertreter nicht, wie regelmässig geschehen, an Israel-Boykottkampagnen teilnehmen oder Hamas-Führer in Gaza besuchen. Ein besseres Beispiel gab es vor kurzem aus der katholischen Kirche. In Deutschland haben die Bischöfe zu weiteren Anstrengungen im Kampf gegen Antisemitismus aufgerufen. Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr sagte dazu, die Gesellschaft benötige mehr Bereitschaft und Offenheit, um das jüdisches Leben, die jüdische Kultur und Religion kennenzulernen. „Das Interesse am Judentum wecken und die Begegnung mit Jüdinnen und Juden fördern, ist nach meiner Überzeugung das beste Mittel, um Antisemitismus vorzubeugen.“

Über Giuseppe Gracia

Giuseppe Gracia (54) ist Schriftsteller, Publizist und Kommunikationsberater. Sein neuer Roman „Glorias Finale“ ist erschienen bei Nagel & Kimche, Zürich

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2 KOMMENTARE

  1. Unter Berücksichtigung, dass Moslems in Israel über mehr Menschenrechte verfügen, als in irgend einem islamischen Land, wäre es wohl eher angemessener zu untersuchen, ob die schwedische Kirche nicht sogar noch antisemitischer ist, als die die anderen christlichen Kirchen.

    Heinz Schneier, München

  2. Die schwedische Kirche soll sich in Grund und Boden schämen. Ich denke, andere Kirchen sind nicht so antisemitisch. Früher war diese Kirche auch nicht so. Ich weiß das, weil ein schon verstorbene Bruder von mir jahrzehntelang dort gelebt hat und verheiratet war. Er war zwar ein ungläubiger Hund, wie ich auch, doch konnte er Antisemitismus nicht ausstehen. Wie ich es auch nicht kann.
    lg
    caruso

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