Ekkehard Stegemann verstorben – Ein Nachruf

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Ekkehard W. Stegemann: «Die lange Geschichte der Judenfeindschaft zeigt, dass Antisemitismus nie ein Tabu war.» Foto Tilman Zuber
Ekkehard W. Stegemann: «Die lange Geschichte der Judenfeindschaft zeigt, dass Antisemitismus nie ein Tabu war.» Foto Tilman Zuber
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Der ehemalige Präsident der Audiatur-Stiftung, Professor Ekkehard Stegemann, ist in Basel im Kreis seiner Familie verstorben. Ekkehard Stegemann war seit der Gründung der Audiatur-Stiftung im Jahr 2011 mit grossem Engagement im Stiftungsrat aktiv.

Der Theologe Stegemann war ein beherzter Kämpfer für die Sache der Juden und Israel. Als Professor für Neues Testament waren seine Schwerpunkte Sozialgeschichte, die Theologie des Paulus, jüdische Studien und der Zionismus. Ekkehard Stegemann war an der Gründung mehrerer christlich-jüdischer Vereine in der Schweiz beteiligt. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Wolfgang Stegemann, ebenfalls Professor für Neues Testament, verfasste er ein Buch über die urchristliche Sozialgeschichte.

Stegemann setzte sich vehement und vorbehaltlos gegen Antisemitismus, den christlichen Antijudaismus und Antizionismus ein. Er nahm dabei kein Blatt vor den Mund und liess sich auch nicht von Medien oder Kritikern abschrecken, die ihn wahlweise als kontrovers, polarisierend oder intransparent anprangerten.

In einem Interview erklärte Stegemann im Juni 2017, Antisemitismus sei eine Krankheit, die an der wirklichen Realität mit ihren vertrackten Aspekten leide und einen Schuldigen dafür brauche. „Das sind dann immer die Juden. In der christlichen Tradition galten beispielsweise die Juden, die nicht Christen werden wollten, als Spielverderber der Realisierung ihrer heilsgeschichtlichen Hoffnung auf das Gottesreich. Heute ist es angeblich Israel, das den Frieden in Nahost verhindert, gar zum Feind des Friedens in der Welt erklärt wird. Das ist eine krasse Lüge.“ so Stegemann.

Ekkehard Stegemann ist im christlich-jüdischen Alterszentrum Hohlbeinhof in Basel verstorben, wie seine Familie mitteilt.

Die Geschäftsleitung und der Stiftungsrat der Audiatur-Stiftung spricht der Familie von Ekkehard Stegemann seine grosse Anteilnahme aus. Mit Ekkehard Stegemann verlieren wir einen engagierten Mitstreiter, dem der Kampf gegen den Antisemitismus am Herzen lag. Wir werden seine offene, engagierte und geradlinige Art sehr vermissen und ihm ein ehrendes Andenken waren.

«Bemerkenswert ist, dass die Engel in der Weihnachtsgeschichte des Lukas den Hirten „eine grosse Freude“ verkünden, die dem „ganzen Volk“, Israel, widerfahren wird und der „Friede auf Erden“ zunächst und vor allem „den Menschen des Wohlgefallens“ Gottes, eben dem jüdischen Volk, zugesagt wird. Friede auf der Erde wird nach dem Evangelium zuvorderst dem jüdischen Land verheissen und seinen Bewohnern – allen. Das war ein kritisches Wort angesichts der Wirklichkeit, die der Evangelist historisch schon vor Augen hatte, nämlich die der römischen Zerstörung des Landes, des Tempels und der Vertreibung seiner Bewohner. Und es war ein Wort der Solidarität mit dem jüdischen Volk.»

Ekkehard W. Stegemann 22. Dezember 2016

Zürich, den 1. Dezember 2021, Stiftungsrat und Geschäftsleitung der Audiatur-Stiftung.

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