Antikes Gebäude und Friedhof im israelischen Jawne entdeckt

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Das erste in Yavne entdeckte Gebäude aus der Zeit des Sanhedrin. Es enthielt Fragmente von
Das erste in Yavne entdeckte Gebäude aus der Zeit des Sanhedrin. Es enthielt Fragmente von "Messbechern", die der jüdischen Bevölkerung zugeordnet werden konnten. Foto Emil Aladjem, Israel Antiquities Authority
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Israelische Archäologen haben in der Stadt Jawne erstmals Überreste eines Gebäudes sowie einen Friedhof aus der Zeit des antiken Sanhedrins entdeckt. Der Sanhedrin oder Hohe Rat, lange Zeit die oberste jüdische Instanz und höchstes Gericht, mussten sich nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer 70 nach Christus ins Exil nach Jawne begeben. Die aktuellen Ausgrabungen erfolgten im Rahmen von Erschliessungsarbeiten für einen Stadtausbau, wie die israelische Antikenbehörde (IAA) am Montag mitteilte.

Bei dem Gebäude handelt es sich demnach um ein Industriegebäude aus dem ersten bis dritten Jahrhundert nach Christus. Der Boden enthielt laut IAA mehrere Fragmente von als „Messbecher“ bekanntem Steingut. Die Becher aus Kalkstein wiesen eindeutig auf eine jüdische Präsenz sowie darauf hin, dass die Bewohner das jüdische Religionsrecht der rituellen Reinheit einhielten.

Die Forscher fanden zudem 70 Meter von dem Gebäude entfernt einen grossen Friedhof mit verschiedenen Grabformen aus derselben Zeit, darunter Sarkophage. Die sorgfältige Anordnung der Gräber spreche für die Existenz einer Bestattungsgesellschaft, so die IAA-Grabungsleiter Pablo Betzer und Daniel Varga. Die Lage des Friedhofs deute ferner darauf hin, dass er sich ausserhalb der Stadtgrenzen befunden habe, „in Übereinstimmung mit dem jüdischen und römischen Gesetz“.

Aussagen über die religiöse Zugehörigkeit der Bestatteten könne man noch nicht machen. Bei aller Vorsicht liessen jedoch die historischen Aufzeichnungen und die archäologischen Funde die Möglichkeit zu, dass es sich um die Gräber der jüdischen Gemeinde der Stadt handele.

Als aussergewöhnlich bezeichneten die Forscher den Fund von rund 150 Glasphiolen, die auf den Gräbern platziert waren. Die Fläschchen seien vermutlich zur Aufbewahrung wertvoller Flüssigkeiten wie Duftölen verwendet worden. Rund die Hälfte der Flakons stamme aus Alexandria, die andere Hälfte sei vor Ort produziert worden. Es sei jedoch rätselhaft, warum die Phiolen auf und nicht wie sonst üblich in den Gräbern platziert worden seien.

Jawne war laut IAA in der Antike eine der wichtigsten Städte in der südlichen Küstenebene und hatte um 70 n. Chr. eine jüdische Bevölkerungsmehrheit. Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem erhielt der stellvertretende Vorsitzende des Sanhedrin, Rabbiner Jochanan ben Sakkai, von den Römern die Erlaubnis, den Sitz des Hohen Rats nach Jawne zu verlegen.

KNA/akr/cdt/jps

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