Mehr Hassverbrechen gegen Juden und Christen

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Der irakische Pastor George in einer vom IS zerstörten Kirche in Batnaya. Foto © Open Doors Deutschland e.V.
Der irakische Pastor George in einer vom IS zerstörten Kirche in Batnaya. Foto © Open Doors Deutschland e.V.
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Mehr als 7.000 Hassverbrechen gegen Minderheiten und Gläubige verschiedener Religionen hat das Menschenrechtsbüro ODIHR der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) für das Jahr 2020 dokumentiert.

Laut einem aktuellen „Hate Crime Data“-Bericht des Menschenrechtsbüros ist die Zahl antisemitisch und antichristlich motivierter Hassverbrechen deutlich gestiegen. Gemeldet wurden Vorfälle in 46 OSZE-Staaten. Gegen Christen, Kirchen und andere christliche Einrichtungen richteten sich 980 Hassverbrechen. Gegenüber dem Vorjahr (578) bedeutet das einen Anstieg um knapp 70 Prozent. Die Zahl antisemitisch motivierter Verbrechen ist von rund 600 sogar auf 2.316 gestiegen.

Medial und politisch wird der Hass auf Christen als gesellschaftliches Problem kaum wahrgenommen. Der OSZE-Bericht spiegelt nur einen Teil des Problems und ist doch ein Weckruf gegen Gleichgültigkeit und modisches Christen-Bashing“, erklärte die Leiterin der Wiener Beobachtungsstelle der Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen“.

Auch andere Fachleute für Antisemitismus und Hassverbrechen gegen Christen gehen davon aus, dass es eine hohe Dunkelziffer bei allen Formen von Hate Crime“ gibt, dass die tatsächliche Zunahme von Hass und Diskrimierung wesentlich grösser ist. Dies betonte auch der Chef des OSZE-Menschenrechtsbüros bei der Veröffentlichung des aktuellen Jahresberichts.

Gemäss der Menschenrechtsorganisation «Open Doors» werden weltweit bis zu 200 Millionen Christen verfolgt. Lebensbedrohlich ist das Leben für Protestanten, Katholiken oder Orthodoxe in Nordkorea, wo etwa 300‘000 Christen ihre Religion verleugnen müssen, während 70‘000 Gläubige in Gulags interniert sind. In Afghanistan, Ägypten, Somalia, Sudan, Pakistan, Eritrea, Libyen, Irak, im Jemen und im Iran gibt es täglich Gewalt gegen Christen, Diskriminierung, Ausgrenzung, Benachteiligung und Schikane durch den Staat oder gesellschaftlichen Druck.

Neben der physischen, direkten Form der Christenverfolgung gibt es in Europa auch eine subtile Form. Dies zeigen die Berichte der Beobachtungsstelle der Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen“, die von der OSZE konsultiert wird. Jährlich werden Hunderte von Fällen gesammelt, vom Arzt, der sich weigert, Abtreibungen durchzuführen und deswegen keinen Job mehr hat, über den Politiker, der gegen die Homoehe votiert und dessen Karriere daraufhin stillsteht, bis zum Pastor, der nach unerwünschten Bibelzitaten mit einer Gefängnisstrafe rechnen muss.

Trotz der dramatischen Zunahme der weltweiten Christenverfolgung und einer nahezu salonfähigen Christianophobie in Westeuropa behandeln viele Medien und Politiker das Thema entweder gar nicht oder nur am Rande. Gemäss dem Linzer Bischof Manfred Scheuer handelt es sich um «eine fast unheimliche Nichtbeachtung.» Und der Chefredakteur der Catholic News Agency Deutschland, Anian Christoph Wimmer, sagt: «Die Christenverfolgung ist eine blutige Realität, die westliche Politiker und leider auch Bischöfe und andere Katholiken ausblenden, ja, mit wohlfeilen Worten abspeisen. Ich fürchte, es werden viele Kirchen brennen, auch in Europa, bis dieses eigentliche Problem eingestanden und angepackt wird.“

Über Giuseppe Gracia

Giuseppe Gracia (54) ist Schriftsteller, Publizist und Kommunikationsberater. Sein neuer Roman „Glorias Finale“ ist erschienen bei Nagel & Kimche, Zürich

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