Die Rolle der «Palästina-Söldner» des Iran

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Mitglieder der Al-Quds-Brigaden des Palästinensischen Islamischen Dschihad, während einer Parade in Gaza-Stadt am 15. Oktober 2021. Foto IMAGO / ZUMA Wire
Mitglieder der Al-Quds-Brigaden des Palästinensischen Islamischen Dschihad, während einer Parade in Gaza-Stadt am 15. Oktober 2021. Foto IMAGO / ZUMA Wire
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Die Hamas und der Islamische Dschihad in Palästina (PIJ) sind blamiert: Der Iran hat kürzlich zugegeben, dass diese beiden Terrorgruppen als Söldner für die Teheraner Mullahs arbeiten.

von Khaled Abu Toameh

Für die Hamas und den PIJ ist das Eingeständnis ein weiteres Zeichen dafür, dass die Wahrheit schmerzhaft und unbequem sein kann, insbesondere wenn sie von einem wichtigen Verbündeten wie dem Iran kommt.

Kürzlich erklärte Generalmajor Gholam Ali Rashid, Befehlshaber des iranischen Hauptquartiers Khatam al-Anbiya, dass sein Land über Armeen verfügt, die ausserhalb des Irans operieren.

Rashid bezog sich dabei auf vom Iran unterstützte Gruppen wie Hamas, PIJ, Hisbollah, die Houthis im Jemen, die syrische Armee und die Volksmobilisierungskräfte im Irak sowie andere Milizen im Irak und in Syrien. Diese Gruppen seien „ideologisch ausgerichtet“ und hätten den Auftrag, den Iran zu verteidigen.

Rashid wies darauf hin, dass der ehemalige Kommandeur der iranischen Quds-Truppen, General Qasem Soleimani, drei Monate vor seinem Tod sagte, er habe „sechs Armeen ausserhalb des iranischen Territoriums organisiert“.

Soleimani, der am 3. Januar 2020 durch einen US-Drohnenangriff in der Nähe des internationalen Flughafens von Bagdad ermordet wurde, war für die extraterritorialen und geheimen Militäroperationen Irans zuständig.

Nach seiner Ermordung enthüllten Hamas und PIJ, dass Soleimani dafür verantwortlich war, die Palästinenser im Gazastreifen mit zahlreichen Waffentypen zu versorgen, um sie in ihrem Krieg gegen Israel zu unterstützen.

So wurde der Hamas-Funktionär Osama Hamdan Anfang des Jahres mit den Worten zitiert, seine Gruppe unterhalte „enge Beziehungen“ zu Soleimani, der russische Kornet-Panzerabwehrlenkraketen in den Gazastreifen geschickt habe.

Hamas-Führer Mahmoud Zahar berichtete im Dezember 2020, dass Soleimani ihm bei ihrem ersten Treffen im Jahr 2006 Koffer mit 22 Millionen Dollar in bar übergab.

Der Generalsekretär des Islamischen Dschihad in Palästina (PIJ), Ziyad al-Nakhalah, gab bekannt, dass Soleimani 10 Schiffe mit Waffen, darunter auch Langstreckenraketen, in den Gazastreifen geschickt habe.

Rashid, der Kommandeur, der die Verbindung zwischen den Terrorgruppen und den sechs iranischen „Armeen“ aufdeckte, behauptete, die USA und Israel seien verärgert und besorgt über die wachsende regionale Macht seines Landes.

Die „kriegerischen Kräfte des amerikanischen und zionistischen Regimes sind verärgert über die extreme Macht der Islamischen Republik Iran in der Region“, sagte er. Er fügte hinzu, dass sich der Iran in der Tat mit einigen Nationen und Regierungen verbündet hat und „regionale Kräfte und religiös-populäre Mächte geschaffen hat“, wie die iranische Nachrichtenagentur Mehr News Agency berichtet.

Diese Gruppen, so Rashid, “ dienen dem Iran als abschreckende Kräfte und sind bereit, ihn gegen jeden ausländischen Aggressor zu verteidigen“.

Kurz gesagt, der iranische Befehlshaber droht damit, dass sein Land in jedem künftigen Krieg oder jeder militärischen Konfrontation seine sechs „Armeen“ gegen die USA und Israel entfesseln wird.

Der iranische Generalmajor Gholam Ali Rashid. Video MEMRI TV Videos / Youtube

Es ist kein Geheimnis, dass die Hamas und der PIJ seit langem vom Iran finanziert und bewaffnet werden. Die Führer der beiden Gruppen haben sich sogar mit ihren Verbindungen zum Iran gebrüstet, insbesondere mit der Unterstützung Teherans für den Dschihad (heiligen Krieg) zur Vernichtung Israels.

Die Hamas und der PIJ möchten jedoch nicht als Marionetten oder Stellvertreter des Iran dargestellt werden, der sich weiterhin in die inneren Angelegenheiten einer Reihe von arabischen Ländern einmischt, darunter Libanon, Syrien, Irak und Jemen. Sie wollen offenbar weiterhin Geld und Waffen aus dem Iran erhalten, aber sie wollen von Arabern und Muslimen nicht als Söldner angesehen werden, die den Interessen des Iran im Nahen Osten dienen.

Offensichtlich sind die beiden Terrororganisationen besorgt, dass Rashids Äusserungen ihren Beziehungen zu arabischen Ländern schaden könnten, die sich bereits durch die ständigen Versuche des Iran, ihre Sicherheit und Stabilität zu destabilisieren, bedroht fühlen.

Die Hamas und der Palästinensische Islamische Dschihad wollen die Palästinenser und den Rest der Araber und Muslime glauben machen, dass ihr einziges Ziel die „Befreiung ganz Palästinas vom Jordan bis zum Mittelmeer“ ist – ein Euphemismus für die Vertreibung der Juden aus Israel und die Ersetzung durch einen islamistischen Staat.

Das ist wahrscheinlich der Grund, warum beide palästinensischen Terrorgruppen umgehend Erklärungen abgegeben haben, in denen sie bestreiten, dass ihr Hauptziel darin besteht, den Iran zu verteidigen und dessen Interessen im Nahen Osten zu dienen.

Nach Angaben des PIJ besteht ihre einzige Aufgabe darin, Israel zu bekämpfen:

"Der Widerstand des palästinensischen Volkes besteht seit der Errichtung des zionistischen Projekts und der Besetzung Palästinas und ist nicht mit einem anderen Ziel verbunden. Die Widerstandskräfte, einschliesslich des Irans, stehen gemeinsam gegen den zionistischen Feind und seine Verbündeten."

In ähnlicher Weise dankte die Hamas dem Iran für seine langjährige Unterstützung des Dschihads zur Zerstörung Israels. Die Hamas erklärte, dass dies der einzige „Kampf“ sei, an dem sie sich beteiligen wolle, und deutete an, dass sie nicht zur Verteidigung des Iran gegründet wurde. Dies geht aus einer Erklärung der Terrororganisation hervor:

"[Die Hamas] bekräftigt die Tiefe der Beziehungen zur Islamischen Republik Iran und ihre Wertschätzung und ihren Dank an sie als eine der bedeutendsten Unterstützerinnen des Widerstandsprojekts in Palästina und bestätigt, dass diese Unterstützung und diese Beziehungen im Kontext unseres Kampfes als Nation gegen die zionistische Besatzung stehen und nicht im Kontext irgendwelcher anderer Kämpfe."

Im Libanon, einem Land, das faktisch von der Hisbollah kontrolliert wird, reagierten einige Politiker mit Wut auf Rashids Rede über die sechs „Armeen“.

„Nehmt eure Armeen und geht mit ihnen zurück in den Iran, wo ihr eure Schlachten fern von den Völkern, die ihr besetzt haltet, schlagen könnt, um eure Ziele zu erreichen“, sagte Sami Gemayel, Vorsitzender der libanesischen Kataeb-Partei. Er kritisierte auch das Versäumnis der libanesischen Führer, auf das Eingeständnis zu reagieren, dass die Hisbollah geschaffen wurde, um dem Iran und nicht dem Libanon zu dienen: „Seid ihr jetzt bereit, der Wahrheit ins Auge zu sehen? Euer Schweigen ist ein grosser Verrat.“

Einige arabische Analysten sind der Ansicht, dass der iranische Befehlshaber mit seinen Äusserungen über die sechs Armeen Teherans, insbesondere Hamas und PIJ, die Bemühungen Ägyptens um einen langfristigen Waffenstillstand zwischen den palästinensischen Gruppen und Israel vereiteln will. Der Iran will den Ägyptern und anderen internationalen Parteien zeigen, dass Teheran ein wichtiger Akteur in der palästinensischen Arena ist, insbesondere im Gazastreifen, und dass es durchaus in der Lage ist, jede Vereinbarung zu vereiteln, die Terroranschläge gegen Israel verhindern würde.

Die Äusserungen des iranischen Kommandeurs decken sich mit dem illusorischen Bekenntnis der Biden-Administration zu der Annahme, dass die USA den Iran irgendwie davon überzeugen werden, seine Pläne zum Erwerb von Atomwaffen aufzugeben.

Während die Regierung Biden von „Diplomatie“ als dem besten Weg zur Eindämmung des iranischen Atomprogramms spricht, bereiten sich die Mullahs auf einen Krieg vor und treiben ihren Plan voran, Israel zu vernichten und mit Hilfe ihrer sechs „Armeen“ noch mehr arabische Länder zu besetzen.

Khaled Abu Toameh ist ein preisgekrönter arabisch-israelischer Journalist und TV-Produzent. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

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