Israels Nationalbibliothek erhält Nachlass von mysteriösem Gelehrten

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Aus den Notizbüchern von Herrn Shushani. Foto The National Library of Israel
Aus den Notizbüchern von Herrn Shushani. Foto The National Library of Israel
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Die Israelische Nationalbibliothek erhält den Nachlass eines mysteriösem Gelehrten. Rund 50 handschriftliche Werke des geheimnisvollen jüdischen Lehrers „Herrn Schuschani“, zu dessen Schülern der spätere Nobelpreisträger Elie Wiesel und der Philosoph Emmanuel Levinas gehörten, sollen erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Schalom Rosenberg, ehemaliger Vorsitzender des Lehrstuhls für jüdisches Denken an der Hebräischen Universität Jerusalem und ebenfalls Schüler Schuschanis, übergab der Israelischen Nationalbibliothek (NLI) eine Sammlung von rund 50 Notizbüchern seines Lehrers, wie israelische Medien am Dienstagabend berichteten.

Die laut NLI schwer entzifferbaren Notizen enthalten unter anderem Ideen aus dem Bereich des jüdischen Denkens sowie Gedächtnisübungen und mathematische Formeln. In den letzten Jahren waren die Aufzeichnungen einer kleinen Zahl von Forschern zugänglich gemacht worden. Die Bibliothek begrüßte die Spende. Schuschanis Notizbücher seien ein intellektueller und kultureller Schatz des jüdischen Volkes und des Staates Israel, der seinen Platz in der Nationalbibliothek verdiene. Gleichzeitig sei es wichtig, „der Öffentlichkeit die Geschichte einer der geheimnisvollsten und einflussreichsten Persönlichkeiten des jüdischen Denkens des 20. Jahrhunderts nahe zu bringen“, so der Kurator der Judaica-Sammlung der NLI, Joel Finkelman.

Schuschani, dessen wahrer Name unbekannt ist und dessen Herkunft und Werdegang weitestgehend im Dunkeln liegen, gilt als charismatischer Universalgelehrter und einflussreicher Lehrer für eine Reihe bedeutender jüdischer Kultur- und Geistesgrößen des 20. Jahrhunderts. Beschreibungen der NLI zufolge verfügte Schuschani über ein außergewöhnliches fotografisches Gedächtnis und war in der Lage, die gesamte hebräische Bibel, den Talmud und viele andere jüdische Texte aus dem Gedächtnis zu zitieren. Daneben beherrschte er verschiedene Bereiche der Mathematik, Physik, modernen Philosophie und rund 30 verschiedene Sprachen.

Der auch als „Mozart der Theologie“ bezeichnete Mann war derart auf die Geheimhaltung seiner wahren Identität bedacht, dass bis heute nur wenige Details seines Lebens mit Sicherheit bekannt sind. Er wurde demnach im späten 19. Jahrhundert in Osteuropa geboren, wo er als Wunderkind aufwuchs, das von klein auf Bibel und Talmud auswendig kannte. Es gibt Hinweise, dass er sich in den 1920er Jahren unter anderem in Marokko, Algerien, den USA, Indien, Beirut und Berlin aufhielt. Als im Zweiten Weltkrieg an einer Straßensperre der Armee des Vichy-Regimes seine Beschneidung auffiel, soll er ausführlich aus dem Koran zitiert haben und sich so glaubhaft als Muslim präsentiert haben. 1952 kam er nach Israel, zog später nach Uruguay weiter, wo er 1968 starb.

KNA/akr/gbo

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