Israelischer Minister: Kein Gebetsrecht für Juden auf dem Tempelberg

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Soldaten auf dem Tempelberg. Foto IMAGO / Schöning
Soldaten auf dem Tempelberg. Foto IMAGO / Schöning
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Israels Minister für öffentliche Sicherheit, Omer Bar Lev, will an einem Verbot nichtmuslimischen Gebetes auf dem Tempelberg festhalten. „Bei allem, was mit dem Besuch und dem Gebet auf dem Tempelberg zusammenhängt, ist es wichtig, dass wir uns strikt an die gewohnheitsmässige Situation halten, wie sie von der israelischen Regierung 1967, unmittelbar nach dem Sechstagekrieg, eingeführt und von den israelischen Regierungen seither übernommen wurde“, sagte Bar Lev laut israelischen Medienberichten (Sonntagabend) nach einem Treffen mit Vertretern der Sicherheitskräfte, des Inlandsgeheimdienstes sowie des Aussenministeriums.

Gemäss dem geltenden Status quo werde die Heilige Stätte in der Jerusalemer Altstadt „für Besuche von Nicht-Muslimen geöffnet sein, aber nicht für Gebete“, heisst es demnach in einer Erklärung des Ministeriums. Die Tatsache, dass der Tempelberg sowohl Juden als auch Muslimen heilig sei, mache den Ort besonders sensibel. Bar Lev betonte, Israel habe ein klares Interesse daran, die Zusammenarbeit mit der jordanischen islamischen Wakf-Behörde aufrechtzuerhalten, die die muslimischen heiligen Stätten auf dem Berg verwaltet.

Hintergrund ist ein anhaltender Streit um jüdische Gebetsrechte auf dem Tempelberg. Zuletzt hatte ein israelisches Gericht am 8. Oktober das Urteil einer Vorinstanz aufgehoben, wonach Juden auf dem Jerusalemer Tempelberg beten dürfen, solange das Gebet still verläuft und nicht gegen Polizeiverordnungen verstösst. Die arabische Welt hatte am Donnerstag mit scharfer Kritik auf das Urteil des Jerusalemer Bezirksgerichts reagiert.

Ob auch die stillen Gebete von der Anordnung des Ministeriums betroffen sind, war zunächst unklar. Ein Sprecher Bar Levs erklärte laut Medien, die Polizei könne nicht wissen, ob eine Person still bete. Dies bedeute, dass die Polizei möglicherweise nicht angewiesen sei, die in jüngster Zeit vermehrt berichtete Praxis zu unterbinden.

Der israelische Politiker Itamar Ben-Gvir (Otzma Jehudit) verurteilte die Entscheidung des Ministeriums. Sie verletze die Rechte der Juden auf dem Tempelberg, die bereits auf ein Minimum beschränkt seien. Auch jüdische Tempelbergaktivisten kritisierten den Minister wegen Diskriminierung gegen jüdische Bürger.

KNA/akr/sky/Aud

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