Ukraine gedenkt Massaker von Babyn Jar

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Ukraine gedenkt Massaker von Babyn Jar. Foto IMAGO / ZUMA Wire
Ukraine gedenkt Massaker von Babyn Jar. Foto IMAGO / ZUMA Wire
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Die Ukraine hat am Mittwoch eines der grössten deutschen Massaker an Juden vor 80 Jahren gedacht. Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj legte an einem Denkmal in der Schlucht Babi Jar am Stadtrand von Kiew Blumen nieder. In seiner Rede mahnte er zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg sowie „im besonderen an die Tragödie von Babyn Jar und den Holocaust“. Erinnerung sei eine Pflicht gegenüber künftigen Generationen.

„Babyn Jar: zwei kurze Worte, die wie zwei kurze Schüsse klingen, aber lange und schreckliche Erinnerungen für mehrere Generationen mit sich bringen“, sagte Selenskyj. Denn in Babyn Jar seien nicht nur zwei Schüsse gefallen. Hinter den zwei Worten stünden mehr als 100.000 Menschenleben und „Millionen verstümmelte Schicksale“. Die Tragödie von Babyn Jar dürfe sich weder in der Ukraine noch in anderen Teilen Europas oder irgendwo anders auf der Welt jemals wiederholen.

Die deutschen Besatzer Kiews hatten allen Juden der Stadt befohlen, am 29. September 1941 zur angeblichen Umsiedlung zusammenzukommen. Mehr als 33.000 trieben sie zur Schlucht und erschossen sie dort binnen zwei Tagen. Bis 1943 richteten deutsche Soldaten in Babyn Jar laut unterschiedlichen Schätzungen insgesamt zwischen 100.000 und 200.000 Menschen hin, so der ukrainische Präsident. Unter den Ermordeten seien auch Ukrainer, Roma, Kriegsgefangene und Patienten psychiatrischer Kliniken gewesen.

Der Oberrabbiner der Ukraine, Mosche Reuven Azman, der orthodoxe Kiewer Metropolit Epiphanius und der griechisch-katholische Grosserzbischof Swjatoslaw Schewtschuk entzündeten am Mittwochabend in Babyn Jar Kerzen.

Azman betonte laut dem Pressedienst RISU, nach Babyn Jar („Altweiberschlucht“) habe es Hunderte ähnliche Schluchten gegeben, in denen unschuldige Menschen ermordet worden seien. Schewtschuk rief dazu auf, auf die Stimme zu hören, die von Babyn Jar zum Himmel schreie: „Das ist die Stimme unserer Brüder. Denn bevor wir Christen, Juden, Muslime, Ukrainer, Russen sind, sind wir Menschen, die von unserem Schöpfer berufen sind, einen Bruder in einer anderen Person zu sehen.“

Der israelische Präsident Isaac Herzog wird ab kommenden Dienstag zu einem dreitägigen Staatsbesuch in die Ukraine reisen, um dem 80. Jahrestag des Massakers von Babyn Jar zu gedenken.

Die Gedenkfeier wird in der Holocaust-Gedenkstätte Babyn Jar in Kiew stattfinden, die derzeit unter dem Vorsitz des in der Ukraine geborenen ehemaligen israelischen Regierungsministers und ehemaligen Vorsitzenden der Jewish Agency, Natan Sharansky, gebaut wird. Auf dem Gelände befinden sich weitere jüdische Denkmäler.

KNA/mit/iki/brg/cdt/sky/Aud

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