Wo bleibt die Empörung über die Mörder in Irans neuer Regierung?

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18. Juli 2016, Gedenken an den Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires. Foto IMAGO / Agencia EFE
18. Juli 2016, Gedenken an den Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires. Foto IMAGO / Agencia EFE
Lesezeit: 4 Minuten

Die Ernennung von zwei Verdächtigen eines Bombenanschlags auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Argentinien 1994, Mohsen Rezaei und Ahmad Vahidi, in hohe Positionen in Raisis Regierung wurde kaum kritisiert.

von Karmel Melamed

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Mehrheit der amerikanischen und europäaischen Juden jahrzehntelang ernsthaft daran interessiert, dass Nazi-Verbrecher vor Gericht gestellt werden. In den letzten Jahren scheint es jedoch so, als ob das Judentum das Interesse daran verloren hat, dass andere Judenmörder vor Gericht gestellt werden oder internationalem Druck ausgesetzt werden.

Nehmen wir zum Beispiel den Fall zweier iranischer Terroristen, die 1994 in den Bombenanschlag der Hisbollah auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Argentinien verwickelt waren, bei dem 85 Menschen getötet und Hunderte weitere verletzt wurden. Heute leben diese Männer, Ahmad Vahidi und Mohsen Rezaei, noch immer in Freiheit und sind stolze Mitglieder des iranischen Präsidialkabinetts.

Es ist höchste Zeit für amerikanische und europäische jüdische Verantwortliche, ihre Stimme zu erheben und das von den Ayatollahs geführte Regime in Teheran in allen internationalen Gremien anzuprangern, weil es diese Mörder von Juden zu einem Teil seiner Führung gemacht hat.

Im Jahr 2006 befand ein argentinischer Richter, dass der inzwischen verstorbene Hisbollah-Terrorist Imad Fayez Moughnieh und andere iranische Amtsträger – wie Akbar Hashemi Rafsanjani, Ali Fallahian, Ali Akbar Velayati, Mohsen Rezaei, Mohsen Rabbani, Ahmad Reza Ashgari und Ahmad Vahidi – unmittelbar für die Planung des Bombenanschlags auf die AMIA Gemeindezentrum in Buenos Aires verantwortlich waren. Im Jahr 2007 erliess Interpol Haftbefehle gegen alle mit dem Bombenanschlag in Verbindung stehenden Personen. Diese Haftbefehle sind immer noch gültig.

Foto zVg

Es überrascht nicht, dass keiner der Genannten den Iran verlassen hat, aus Angst, verhaftet und wegen seiner Rolle bei diesem abscheulichen Massaker vor Gericht gestellt zu werden. Dennoch hat Präsident Ebrahim Raisi kürzlich Rezaei zum Vizepräsidenten für wirtschaftliche Angelegenheiten und Vahidi zum Innenminister ernannt.

Sowohl Rezaei als auch Vahidi waren in leitender Funktion für das terroristische Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) tätig. Der Bombenanschlag auf die AMIA ereignete sich in der Zeit, als Rezaei das IRGC leitete und Vahidi der Leiter des internationalen Zweigs des IRGC, der „Quds Force“, war.

Diese niederträchtigen Männer mit jüdischem Blut an den Händen wurden von den europäischen Staats- und Regierungschefs nicht kritisiert. Beschämenderweise wurde auch von der Regierung Biden kein Einspruch gegen ihre Ernennung erhoben.

Aber warum hat die Führung der amerikanisch-jüdischen Gemeinschaft oder führende Aktivisten das iranische Regime nicht öffentlich für die Ernennung dieser Judenmörder angeprangert? Warum haben jüdische Gruppen keine Medienkampagne gegen das iranische Regime gestartet, weil es zwei Massenmörder von Juden in seinen Reihen hat? Warum haben amerikanisch-jüdische Führer die europäischen Regierungen nicht öffentlich dazu aufgerufen, die Ernennung von Rezaei und Vahidi zu verurteilen? Warum haben jüdische Persönlichkeiten die Regierung Biden nicht aufgefordert, die Wahl von Rezaei und Vahidi zu verurteilen? Ihr Schweigen ist beschämend.

Als Juden, die in den Vereinigten Staaten, Europa oder anderswo in der Welt leben, können wir es uns nicht leisten, zu schweigen, wenn solche Übeltäter, an deren Händen das Blut unserer Geschwister klebt, frei auf dieser Erde wandeln und erhebliche Macht geniessen. In den letzten 42 Jahren hat das von den Ayatollahs geführte Regime nicht nur Dutzende iranischer Juden getötet und fast die gesamte ehemals 80.000-köpfige jüdische Bevölkerung des Irans aus dem Land vertrieben, sondern seine skrupellosen Terroristenführer haben auch das Blut Tausender Juden ausserhalb des Irans an ihren Händen.

Jetzt, da dieses Regime kurz davorsteht, sich Atomwaffen zu beschaffen und versucht, einen weiteren Völkermord an unserem Volk in Israel zu begehen, müssen wir an allen öffentlichen und staatlichen Orten unsere Stimme erheben, um auf das Übel dieser Judenmörder und den antisemitischen Charakter ihres Regimes hinzuweisen.

Solange Rezaei und Vahidi nicht vor ein internationales Gericht gestellt und für ihre Rolle bei der Planung der Ermordung von Juden und Nichtjuden bei dem Bombenanschlag in Buenos Aires 1994 für schuldig befunden werden, haben alle Juden weltweit eine besondere Verantwortung, die Welt an ihre Verbrechen zu erinnern und ihre sofortige Festnahme zu fordern.

Karmel Melamed ist ein iranisch-amerikanischer Journalist mit Sitz in Südkalifornien. Auf Englisch zuerst erschienen bei Jewish News Syndicate. Übersetzung Audiatur-Online.

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