Afghanistan und die Auswirkungen auf Israel und die Palästinenser

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Afghanische Taliban an einem Sicherheitskontrollpunkt in Kundus, Nordafghanistan, am 15. September 2021. Foto IMAGO / Xinhua
Afghanische Taliban an einem Sicherheitskontrollpunkt in Kundus, Nordafghanistan, am 15. September 2021. Foto IMAGO / Xinhua
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Im Mai 2000 ordnete Premierminister Ehud Barak auf massiven Druck linker Organisationen und nach dem Scheitern einer Einigung mit Syrien und der Hisbollah den überstürzten Rückzug der IDF aus dem Südlibanon an. Israels lokaler Verbündeter – die südlibanesische Armee, deren Aufbau und Unterhalt Millionen von Dollar gekostet hatte – brach zusammen und war nicht in der Lage, sich gegen die Hisbollah zu behaupten. Achtzehn Jahre israelischer Militärpräsenz endeten mit einem verunsicherten und verzweifelten Rückzug.

von Dr. Shaul Bartal

Diese Ereignisse hatten grossen Einfluss auf den Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Jassir Arafat (wie auch auf die anderen palästinensischen Terrororganisationen), der darin eine Bestätigung der Auffassung des Mukwama (Widerstand) sah, dass nur ein entschlossener „bewaffneter Kampf“ (d. h. Terrorismus) zu Erfolgen gegen Israel führen könne. Barak hatte keine Chance, eine Einigung mit Arafat zu erzielen, und die von Präsident Clinton vermittelte Camp-David-Konferenz im Juli 2000 endete in einem Scherbenhaufen. Zwei Monate später brach ein vierjähriger Terrorkrieg aus ( die so genannte) „al-Aqsa-Intifada“. Die Lehren aus der Flucht aus dem Libanon waren den palästinensischen Terrororganisationen völlig klar.

Die Ereignisse der letzten Wochen in Afghanistan ähneln stark dem Abzug Israels aus dem Libanon. Das den Terrorismus unterstützende, extremistische islamistische Taliban-Regime, welches zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September 2001 Al-Qaida und Osama bin Laden unterstützte und seine Position seither nicht geändert hat, konnte die Kontrolle über Afghanistan zurückgewinnen. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) begrüsste den Abzug der USA mit einer Reihe blutiger Terroranschläge.

Laut Ismail Haniyeh, dem Leiter des politischen Büros der Terrororganisation Hamas, werde die Hamas nach der vollständigen Räumung des Westjordanlands durch Israel dieses Gebiet übernehmen und dort einen palästinensischen islamischen Staat errichten. Seiner Ansicht nach sind die israelischen Ortschaften im Westjordanland das Haupthindernis für die Gründung eines solchen Staates, da sie zur Annexion der Region oder grosser Teile davon durch Israel führen könnten. Dies würde Israel dauerhafte Grenzen gewähren, den Gazastreifen vom Westjordanland abschneiden und das palästinensische Volk spalten.

Wenn Israel überleben will, muss es die Bestrebungen der Hamas zur Kenntnis nehmen und seine Städte und Dörfer im Westjordanland stärken. Sie sind der wichtigste Faktor, der einen möglichen demütigenden Rückzug nach dem Vorbild von Libanon und Afghanistan verhindern kann.

Der palästinensische Jubel über den „Sieg der afghanischen Mudschaheddin über die amerikanischen Kreuzfahrer“ lässt vermuten, dass das Modell der Taliban ihrer Meinung nach das richtige ist, um die „zionistische Besatzung“ nach Jahrzehnten des „bewaffneten Kampfes“ endlich zu beseitigen. Der zerfallende Libanon, die Armut und Arbeitslosigkeit im Gazastreifen und die sofortige Rücknahme der verwestlichten Reformen in Afghanistan durch die Taliban sind jedoch keine Anzeichen dafür, dass das islamische Modell ein Erfolg ist. Was die Palästinenser brauchen, ist kein neues Modell des „bewaffneten Kampfes“, sondern eine Versöhnung mit der Existenz Israels bei gleichzeitigem Streben nach einer nachhaltigen Friedensregelung, die Sicherheit, Wohlstand und die Achtung der gegenseitigen Rechte gewährleistet.

Oberst a.D. Dr. Shaul Bartal ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Begin-Sadat Center for Strategic Studies. Zuerst erschienen auf Englisch beim Begin-Sadat Center for Strategic Studies. Übersetzung Audiatur-Online.

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