Überreste des Torah-Schreins in Synagoge Vilnius freigelegt

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Ausgrabung an der Grossen Synagoge von Vilna. Zu sehen ist der dekorative Terazzo-Boden. Foto Jon Seligman, Israelische Altertumsbehörde
Ausgrabung an der Grossen Synagoge von Vilna. Zu sehen ist der dekorative Terazzo-Boden. Foto Jon Seligman, Israelische Altertumsbehörde
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Israelische und litauische Archäologen haben bei Grabungen an der im Holocaust zerstörten Grossen Synagoge von Vilnius Überreste des Torah-Schreins und die Bima freigelegt, den Platz, von dem im Synagogengottesdienst die Torah gelesen wird. Bei den jüngsten Arbeiten wurde zudem ein sogenannter Jad aus Silber gefunden, wie die Israelische Antikenbehörde (Donnerstag) mitteilte. Er wird als Zeigestab zum Deuten auf die jeweilige Textzeile in der Schriftlesung genutzt.

Ein bodendurchdringender Radartest sowie Ausgrabungen haben nach Angaben von Grabungsleiter Jon Seligman „bedauerlicherweise klar gezeigt, dass das Herz der Synagoge massiv durch die sowjetische Zerstörung beschädigt wurde“. Bei den jüngsten Grabungen seien aber zwei eindrucksvolle Treppenaufgänge gefunden sowie die vollständige Fassade der Bima freigelegt worden. Laut dem Leiter der Antikenbehörde, Eli Eskozido, zeigten die jüngsten Funde das Potential künftiger Grabungen an der Stelle sowie die Möglichkeit, die Überreste der Synagoge und ihres Hofes der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Der gefundene Yad. Der silberne YadDer Yad ist ein Zeigestock. Am Ende des kleinen Stabes sitzt eine kleine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger. Mit ihm verfolgt der Vorleser in der Synagoge den Text auf der Torarolle. Foto Jon Seligman, Israelische Altertumsbehörde.

Die einst grösste Synagoge der Stadt wurde laut der Behörde im 17. Jahrhundert im Renaissance-Barock-Stil errichtet. Sie war das Kernstück des jüdischen Torah- und Studienzentrums „Shulhoyf“, zu dem unter anderem insgesamt zwölf Synagogen und Gebetsräume, ein Badehaus sowie Ritualbäder (Mikwen) gehörten. Das Gebäude war während der NS-Zeit von Nationalsozialisten geplündert und in Brand gesteckt worden. In den 50er Jahren wurde das Gebäude durch die Sowjetbehörden vollständig abgerissen und auf dem Gelände eine Schule errichtet.

Die Grosse Synagoge von Vilnius.

Die vor sechs Jahren begonnenen Grabungen sind Teil des Projektes „Erbe ohne Grenzen“ der Antikenbehörde, mit dem jüdische Stätten ausserhalb Israels erforscht werden sollen. Unter anderem fanden die Forscher Überreste der vier Pfeiler der Synagoge sowie darunter einen bis dahin unbekannten Keller. 2019 wurden zudem Teile eines steinernen Tisches freigelegt, der zu Schriftlesungen genutzt wurde, sowie hebräischsprachige Inschriften von 1796 mit den Namen der Stifter des Tisches. Zu den Funden zählen ferner Gebetbücher, Hunderte Münzen aus dem 16. bis 20. Jahrhundert sowie Knöpfe der napoleonischen Truppen, die auf ihrem Weg nach Moskau 1812 durch Litauens Hauptstadt kamen.

KNA/akr/brg

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