Israel in höchster Alarmbereitschaft an der Nordgrenze

0
Lesezeit: 3 Minuten

Israel hat beschlossen, keine nennenswerten Vergeltungsmassnahmen für die 19 Raketen zu ergreifen, die die Hisbollah am Freitag auf den Berg Dov abgefeuert hat. Mit dieser Entscheidung solle eine weitere Eskalation zu diesem Zeitpunkt vermieden werden.

Der israelische Sicherheitsapparat wurde überrascht von der Entscheidung der Hisbollah, am helllichten Tag 19 Raketen abzufeuern. Zehn Raketen wurden vom Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ abgefangen, zwei explodierten im libanesischen Hoheitsgebiet und die übrigen landeten in unbewohnten Gebieten in Israel.

Bei der gestrigen Kabinettssitzung sagte Premierminister Bennett: „Im Libanon ist bei vielen Bürgern des Landes ein sehr starkes Umdenken gegen die Hisbollah und die iranische Einmischung zu beobachten. Selbst während der schweren wirtschaftlichen und politischen Krise im Libanon verwickeln der Iran und die Hisbollah die Bürger in eine Front gegen Israel. Der Libanon und seine Armee müssen die Verantwortung für das übernehmen, was in ihrem Hinterhof geschieht. Auch in diesem Fall ist es für uns weniger wichtig, ob es sich um eine palästinensische Organisation handelte oder um Dissidenten oder Unabhängige. Der Staat Israel wird nicht akzeptieren, dass auf sein Territorium geschossen wird“.

Am Samstag hielt Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah eine Grundsatzrede zum 15. Jahrestag des Zweiten Libanonkriegs 2006. Laut israelischen Medien sagte er unter anderem:

„Die Ereignisse der letzten Tage sind die schwersten der letzten 15 Jahre. Am Freitag hat Israel absichtlich das Feuer in einem offenen Gebiet eröffnet. Die Hisbollah wird auf jeden Angriff der israelischen Luftwaffe im Libanon reagieren. Die Hisbollah hat sich dafür entschieden, am helllichten Tag zu feuern, im Gegensatz zu Israel, das nachts angreift, um Frauen und Kinder einzuschüchtern.“

Weiter sagte Nasrallah, die Hisbollah wolle keinen Krieg, sei aber bereit ihn zu führen, wenn es nötig sei. Israels größte Dummheit wäre es, in einen Krieg mit dem Libanon zu ziehen.

Israelische Offizielle betonten daraufhin:

„Wir werden weiterhin auf den Raketenbeschuss aus dem Libanon reagieren. Sollten die palästinensischen Terrororganisationen den Raketenbeschuss fortsetzen, werden die israelischen Streitkräfte nicht zögern zu reagieren. Die Entscheidung Israels, auf den Raketenbeschuss durch die Hisbollah am Freitag keine Vergeltung zu üben, ist jedoch ein Fehler.“

Nach dem Raketenbeschuss seitens der Hisbollah am Freitag wurde der dafür Verantwortliche von drusischen Dorfbewohnern festgehalten. In beispiellosen Szenen, die in den sozialen Medien veröffentlicht wurden, hinderten die Einwohner von Chouya die Mitglieder der Hisbollah an der Durchfahrt durch ihr Dorf. Auf den Aufnahmen sind 11 der 30 Raketen des Mehrfachraketenwerfers zu sehen, die an Bord ihres Pickups geladen waren und nicht abgefeuert wurden.

In den letzten drei Monaten gab es sechs Vorfälle von Raketenbeschuss, davon drei in den letzten zwei Wochen. Die ersten fünf wurden palästinensischen Gruppen zugeschrieben, während der sechste Angriff am Freitag von der Hisbollah gemeldet wurde. Nach fünf Vorfällen mit Raketenbeschuss, an denen die Hisbollah nicht beteiligt war, sah sich die Terror-Organisation veranlasst, insbesondere im Vorfeld von Nasrallahs für Samstagabend geplanter Siegesrede zum Jahrestag, ihren Status als „Beschützer des Libanon“ wiederherzustellen.

Aufgrund der innenpolitischen Fragilität im Libanon ist es unwahrscheinlich, dass die Hisbollah einen weiteren Flächenbrand herbeiführen will. Die jüngsten Raketenangriffe palästinensischer Gruppen könnten jedoch darauf hindeuten, dass die Hisbollah die Lage vor Ort nicht vollständig unter Kontrolle hat. Es besteht die Sorge, dass diese kleinen Gruppierungen einen grösseren Konflikt auslösen könnten.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.