Kurt Salomon, einer der letzten Genfer Überlebenden des Holocaust ist gestorben

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Kurt Salomon. Foto © Fondation Gamaraal
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Kurt Salomon starb am 2. August im Alter von 86 Jahren in Genf. Salomon wurde im Dezember 1935 in Aachen geboren, wo die wachsende Judenverfolgung durch die Nazis seine Familie zur Flucht nach Holland, dann nach Belgien, Marneffe und Brüssel zwang. 

Im November 1938 wurden die Synagogen angezündet, und der Pogrom gegen die Juden nahm seinen Lauf. Kurt Salomon’s Vater wurde verhaftet und nach Oranienburg ins Konzentrationslager verschleppt. Seine Mutter blieb alleine zurück mit seiner Schwester Ruth.

Die ganze Familie traf sich nach abenteuerlichen Reisen unter Strapazen schlussendlich in Antwerpen wieder, wo Kurt Salomon’s Tante Betty lebte. Sein Vater wurde ins Gefängnis gesperrt, weil ihn die Deutschen bei den Holländern als Kommunistenführer anzeigten. Seine Mutter fand aber wiederum einen Weg, ihren Mann aus dem Gefängnis zu holen. Die ganze Familie floh weiter nach Marneffe in Belgien und von dort nach Brüssel.

Ab Anfang 1942 mussten alle Juden einen gelben Stern tragen. Kurt Salomon war damals 6 Jahre alt und behielt den gelben Stern bis zu seinem Tod. Allerdings trug er ihn nur einen Tag. „Entweder nimmst du den Stern ab, oder wir alle werden einen Stern tragen“, hatte ihm sein Lehrer damals gesagt.

Um die Kinder zu schützen, liessen Kurts Salomons Eltern ihre Kinder taufen und versteckten sie im Kloster Sacré-Coeur in Auderghem bei Brüssel. Seine Mutter musste ihren letzten Ring als Zahlung hergeben. Durch einen Brief an die Gestapo verraten, verdankten Kurt Salomon und seine Schwester Ruth ihre Rettung nur „den Partisanen, die jede Nacht die Briefkästen leerten“, schrieb Salomon in einem persönlichen Bericht.

In den letzten Kriegsmonaten holten die Eltern ihre beiden Kinder ab und es ging zurück nach Brüssel. Für Kurt Salomon war es eine Katastrophe. In seinen Erinnerungen schrieb er: „Sie sprachen nur Deutsch. Ruth und ich redeten nur Französisch und Wallonisch. Deutsch war für uns die Sprache der Nazis.“

In Belgien war es für seine Eltern aber zunehmend unmöglich zu leben. Sie hatten keinen Aufenthaltsstatus und waren Staatenlose. Im August 1951 kehrten die Familie deshalb nach Aachen zurück. 1963 kam der Textilingenieur in die Schweiz, um eine Zürcherin zu heiraten und sich vor 50 Jahren aus beruflichen Gründen in Genf niederzulassen.

Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts in Montreux hat er für die Stiftung Gamaraal eine Rede gehalten. Möge seine Erinnerung ein Segen sein.

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