Wie der Israel-Boykott von Ben & Jerry’s viele Juden vereint hat

Einige Dinge gehen einfach zu weit, und die Entscheidung von Ben & Jerry's, seine Eiscreme nicht mehr in den "besetzten palästinensischen Gebieten" zu verkaufen, gehört dazu.

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Symbolbild. Foto Opacitatic, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48324215
Symbolbild. Foto Opacitatic, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48324215
Lesezeit: 3 Minuten

Nach Monaten erbitterter Differenzen war es schockierend zu sehen, wie Benjamin Netanjahu letztendlich mit seinem Rivalen, Premierminister Naftali Bennett, der seinen geliebten Thron übernahm, übereinstimmte. Aber einige Dinge gehen einfach zu weit, und die Entscheidung von Ben & Jerry’s, den Verkauf seiner Eiscreme in den „besetzten palästinensischen Gebieten“ einzustellen, war eines davon.

von David Suissa

„Jetzt wissen wir Israelis, welches Eis wir NICHT kaufen sollten“, twitterte Netanyahu. Und Bennett, so sein Büro, „machte deutlich, dass er die Entscheidung von Ben & Jerry’s Israel zu boykottieren, mit grösster Ernsthaftigkeit betrachtet, und fügte hinzu, dass es sich um eine Tochtergesellschaft von Unilever handelt, die einen eindeutig anti-israelischen Schritt unternommen hat.“

Diese vorübergehende Annäherung zwischen politischen Kontrahenten steht im Einklang mit einem Grossteil der jüdischen Welt. Wie erklärt sich eine so weit verbreitete Abscheu gegen die Entscheidung von Ben & Jerry’s?

Ich sehe zwei Schlüsselfaktoren, die beide wenig mit Parteipolitik zu tun haben. Erstens verdeutlichte die Entscheidung die wahre Mission der BDS-Bewegung – einen Boykott ALLER Unternehmen in Israel voranzutreiben. Die Reaktion der Bewegung auf die Ankündigung machte das deutlich, indem sie dazu aufrief, alle Verkäufe und Operationen in „Apartheid-Israel“ zu beenden. Wenn es eine Sache gibt, mit der die meisten Juden übereinstimmen, dann ist es, dass ein Boykott Israels selbst (vor den Grenzen von 1967) völlig daneben ist.

Mehr noch, Ben & Jerry’s ist gefährlich nahe dran, genau das zu tun. Anders als frühere Unternehmen, die von Boykotten betroffen waren, wie z.B. Sodastream, stellt Ben & Jerry’s sein Eis innerhalb Israels selbst her. Es betreibt nicht einmal Eisgeschäfte jenseits der Grenzen von 1967; alles, was es tut, ist, an Einzelpersonen oder Händler wie Supermärkte und Tankstellen zu verkaufen.

Mit der Ausrichtung der Verkäufe auf das Westjordanland statt auf Siedlerprodukte schafft Ben & Jerry’s einen alarmierenden Präzedenzfall.

Es herrscht sogar Verwirrung darüber, ob Ben & Jerry’s seine Produkte weiterhin innerhalb Israels verkaufen wird, wie es ursprünglich von der Muttergesellschaft Unilever vorgeschlagen wurde, die möglicherweise zu früh reagiert hat. In jedem Fall, so berichtet die Jerusalem Post, würden die von Ben & Jerry’s bereits festgelegten Boykottkriterien „jede israelische oder ausländische Firma, die hilft, einen [Westbank-]Supermarkt mit diesen Produkten zu bestücken, anfällig für Boykotte machen. Selbst die Europäische Union verbietet nicht den Verkauf ihrer Produkte in die Siedlungen.“

Unabhängig davon, wo man sich im politischen Spektrum positioniert, hat Ben & Jerry’s eine Grenze überschritten, die einen Grossteil der jüdischen Gemeinschaft abstösst.

Die zweite Überschreitung dieser Grenze ist eine bekannte – die Ausgrenzung des jüdischen Staates. Wird Ben & Jerry’s nun China boykottieren, um gegen die ethnische Säuberung der Uiguren zu protestieren? Gegen welche anderen Gräueltaten wird Ben & Jerry’s durch nationale Boykotte protestieren? Und warum nur gegen Israel?

Dies sind keine parteipolitischen Fragen; es sind menschliche Fragen. Immer wieder haben wir gesehen, wie Israel von Gruppierungen herausgegriffen wird, die Völkermorde und Massenmorde ignorieren, um den einzigen jüdischen Staat der Welt zu verfolgen. Jahrzehntelang haben die Vereinten Nationen, die sich die Mehrheit ihrer Verurteilungen für Israel vorbehalten, diese antizionistische Parade angeführt, die effektiv signalisiert das der jüdische Staat immer unter Beschuss steht.

Wenn eine beliebte Marke sich so laut und energisch der Anti-Israel-Parade anschliesst, schärft das den Verstand. Es erinnert uns erstens an die Einschüchterungskraft der Anti-Israel-Bewegung und zweitens daran, dass es sich unabhängig von unseren politischen Meinungsverschiedenheiten manchmal lohnt, sich für eine bestimmte Sache zusammenzuschliessen.

Das unfaire und diskriminierende Vorgehen gegen Israel ist eine solche Sache.

David Suissa ist Präsident der TRIBE Media Corp./Jewish Journal. Dieser Artikel wurde zuerst vom Jewish Journal veröffentlicht. Übersetzung Audiatur-Online.

1 KOMMENTAR

  1. Hoffentlich geht der Schuss für diese Firma nach hinten los. Wer sich freiwillig und mit verlogenem Pathos vor den Karren einer antisemitischen Bande wie dem BDS spannen lässt, verdient Verachtung. Ich für meinen Teil werde künftig genau darauf achten, welcher Firmenname auf dem von mir konsumierten Speiseeis steht.

    Ansonsten steht es jedem frei, mal nachzuprüfen was Mutterfirma Unilever sonst noch so herstellt (AXE, Knorr, OMO, Signal, Cornetto, Pfanni, Mondamin usw.). Es muss kein strenger Gegenboykott sein, es reicht aus, bei passender Gelegenheit auch mal einem Konkurrenzprodukt den Vorzug zu geben.

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