Islamistischer Koalitionspartner von Naftali Bennett erklärt Al-Aqsa zum „alleinigen Eigentum der Muslime“

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Gestern war der 9. Tisha B’Av, der nationale Trauertag des jüdischen Volkes, der an die Zerstörung des ersten und zweiten Tempels erinnert. Der Tempelberg – und das Gebiet um die Al-Aqsa-Moschee – war wieder ein Konfliktherd, zumal die islamistische Ra’am-Fraktion – Mitglied in der israelischen Regierungskoalition von Ministerpräsident Naftali Bennett – die hunderten von jüdischen Gläubigen verurteilte, die den Tempelberg besuchten.

„Die Al-Aqsa-Moschee mit ihren 144 Dunam ist alleiniges Eigentum der Muslime, und niemand sonst hat ein Recht darauf“, erklärte die islamistische Partei in einer gemeinsamen Erklärung mit ihrer Mutterorganisation, der Islamischen Bewegung, berichtete die Times of Israel.

Nach dem derzeitigen Status quo ist die Waqf, die jordanische islamische Religionsbehörde, für die Stätte zuständig. Diese Regelung gilt, seit Israel nach dem Sechstagekrieg 1967 beschlossen hat, seine Rechte am Tempelberg nicht geltend zu machen. Jede jüdische Präsenz an der heiligsten Stätte des Judentums wird gewöhnlich als „Provokation“ und ein bequemer Grund gesehen, um Unruhen anzuzetteln. Der „Status quo“ auf dem Tempelberg bedeutet, dass Nicht-Muslime ihn zwar besuchen, aber nicht beten dürfen, während Muslime in der Al-Aksa-Moschee und häufig auch in den Aussenbereichen um sie herum beten.

Aufstieg zum Tempelberg am Tisha B’Av 5771. Video TPS

Ra’am beanstandete, dass die israelische Polizei am Morgen das Gebiet von randalierenden und steinewerfenden Palästinensern geräumt hatte und dass jüdische Knessetmitglieder (israelisches Parlament) anwesend waren, von denen einige die „Hatikvah“, Israels Nationalhymne, sangen.

Die islamistische Ra’am meinte, dass solche Aktionen zu einer erneuten Eskalation zwischen Israelis und Palästinensern führen könnten.

„Die Ereignisse, die sich daraus ergeben, könnten die Situation in Jerusalem und der gesamten Region aufheizen und zu einem katastrophalen Religionskrieg führen“, so Ra’am weiter.

Ra’am wurde von Jordanien, Ägypten, der Türkei, der Palästinensischen Autonomiebehörde und der Hamas unterstützt, die ebenfalls die jüdischen Besuche auf dem Tempelberg verurteilten.

Auch die EU fühlte sich verpflichtet einen Kommentar dazu abgeben. Auf Twitter:

„Besorgt über die anhaltenden Spannungen rund um den Haram Al-Sharif/Tempelberg. Anstiftung zur Hetze muss vermieden werden und der Status quo muss respektiert werden. Israelische Behörden, religiöse und kommunale Führer von allen Seiten sollten dringend handeln, um diese explosive Situation zu beruhigen.

Jordanien verurteilte die Anwesenheit jüdischer Pilger und schickte einen Protestbrief gegen israelische „Übergriffe“ auf dem Tempelberg, darunter „die Erstürmung des heiligen Geländes durch extremistische Siedler unter israelischem Polizeischutz“, zitiert die Jerusalem Post.

Für jüdische Besucher ist es allerdings unmöglich, das Gelände zu stürmen; es gibt nur einen Eingang über einen schmalen Holzsteg, der ersetzt werden muss, und die israelische Polizei überwacht alle Gruppen (nicht nur Juden), die zur heiligen Stätte hinaufsteigen, streng.

Ministerpräsident Bennett veröffentlichte am Sonntagabend eine Erklärung, in der er dem Minister für öffentliche Sicherheit und dem Generalinspekteur der israelischen Polizei dafür dankte, dass sie „die Ereignisse auf dem Tempelberg verantwortungsvoll und rücksichtsvoll gehandhabt und dabei die Freiheit der Religionsausübung für Juden auf dem Berg gewahrt haben.“

Er „betonte auch, dass die Freiheit der Religionsausübung auf dem Tempelberg auch für Muslime voll erhalten bleibt.“

Das Büro des Chefs der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, verurteilte Bennetts Aussage und sagte, sie sei „eine Eskalation, die zu einem gefährlichen religiösen Konflikt führen würde, für den die israelische Regierung zur Rechenschaft gezogen werden würde.“

Aber einen Tag später präzisierte das Büro des Premierministers seine Kommentare bezüglich jüdischer Besuche auf dem Tempelberg und teilte mit, dass der Status quo bestehen bleibt und dass die Regierung nur das Recht auf jüdische Besuche auf dem Tempelberg sicherstellen würde – nicht die Religionsfreiheit. Juden dürfen also weiterhin auf dem Tempelberg nicht beten oder anderweitig ihre Glauben ausüben.

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