Vor 100 Jahren wurde NS-Widerstandskämpfer Hans Leipelt geboren

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Teil des Gehwegdenkmals in der Nähe der Universität München, welches das Weisse-Rose-Mitglied Hans Leipelt darstellt. Foto Nicoasc, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=89063981
Teil des Gehwegdenkmals in der Nähe der Universität München, welches das Weisse-Rose-Mitglied Hans Leipelt darstellt. Foto Nicoasc, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=89063981
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Am 18. Juli wäre Hans Leipelt, Mitglied der studentischen NS-Widerstandsgruppe „Weisse Rose“, 100 Jahre alt geworden. Die Weisse Rose Stiftung zeigt aus diesem Anlass eine Ausstellung an der Fakultät für Chemie und Pharmazie der Ludwig-Maximilians-Universität in München, wo Leipelt ab dem Wintersemester 1941/42 studierte.

Da er nach den Nürnberger Rassegesetzen als „Halbjude“ galt, war Leipelt im Sommer 1940 trotz einer militärischen Auszeichnung aus der Wehrmacht entlassen worden. Institutsleiter Heinrich Wieland, 1927 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet, setzte sich über die verordnete Diskriminierung „halbjüdischer“ Studenten hinweg. Der fehlende „Ariernachweis“ hatte Leipelt seinen Studienplatz in Hamburg gekostet. An Wielands Institut traf er Gleichgesinnte wie Marie-Luise Jahn. Sie wurde seine Freundin, schloss sich dem Widerstand an und begründete später die Weisse Rose Stiftung mit.

Am Tag der Verhaftung der Geschwister Scholl, am 18. Februar 1943, erhielt Leipelt das sechste Flugblatt der Widerstandsgruppe. Als er von ihrem Todesurteil erfuhr, entschloss er sich, den Text zu verbreiten, unter anderem mit Freunden in Hamburg. Ausserdem sammelte Leipelt Spenden für die mittellos gewordene Witwe von Professor Kurt Huber. Die Geldsammlung wurde verraten, Leipelt, seine Freundin und weitere Personen wurden festgenommen. Auch in Hamburg gab es zahlreiche Verhaftungen.

Nach einem Todesurteil des Volksgerichtshofs wurde Leipelt im Alter von nur 23 Jahren am 29. Januar 1945 im Gefängnis München-Stadelheim hingerichtet. Er wurde anonym auf dem Friedhof am Perlacher Forst bestattet, wo auch seine Mitstreiter Hans und Sophie Scholl, Alexander Schmorell und Willi Graf begraben wurden.

Marie-Luise Jahn, die zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, kam Ende April 1945 frei. Ihre Erinnerungen veröffentlichte sie unter dem Titel „… und ihr Geist lebt trotzdem weiter!“ Mit diesem Zusatz hatte sie mit ihrem Freund das sechste Flugblatt der Weissen Rose beim Abtippen versehen und in Umlauf gebracht.

Erinnert wird zu Leipelts 100. Geburtstag auch am Weisse-Rose-Manhmal in Hamburg-Volksdorf. Ein mit QR-Codes und GPS-Daten versehener digitaler Rundgang folgt den Spuren seiner Familie durch Hamburg-Wilhelmsburg. Er wurde im vergangenen Jahr von einer neunten Klasse der dortigen Stadtteilschule erarbeitet und beginnt am Haupteingang ihrer Schule.

KNA/cri/lwi

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