Christliche Zionisten: Drei Lügen und eine Wahrheit

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Tausende Christen aus 40 Ländern der Welt kamen nach Jerusalem, um am Marsch der Nationen teilzunehmen. Jerusalem, 15. Mai 2018. Foto Hillel Maeir/TPS
Lesezeit: 4 Minuten

In den vergangenen Monaten hat wieder einmal jeder versucht, im arabisch-israelischen Konflikt Partei zu ergreifen. Die Hamas, die mit einer heimtückischen und aggressiven Taktik agierte, nahm ein emotional aufgeladenes Gerichtsverfahren zum Anlass, einen Grossangriff auf Israel vom Gazastreifen aus zu starten. Mehr als 4.000 Raketen später, von denen viele fehlgeleitet wurden und Palästinenser verletzten, erleben wir eine Beruhigung der Feindseligkeiten. Doch während Israelis und Palästinenser die Trümmer dieser schrecklichen Gewalt aufräumen, entsteht in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt ein uralter Konflikt.

von Nathanael Harris

Als die Raketen noch flogen, war ich beunruhigt, wie freimütig einige für mehr Gewalt eintraten. Es sollte daher nicht überraschen, dass die Anti-Defamation League vor kurzem einen vorläufigen Bericht veröffentlicht hat, der einen massiven Anstieg der gemeldeten „möglichen antisemitischen Vorfälle“ zeigt.

Als Christen bedeutet unser Engagement für ein Leben, das sich am Evangelium orientiert, oft, die „Bibel in der einen und die Zeitung in der anderen Hand“ zu halten, um den verstorbenen Karl Barth zu zitieren. Während einige Gläubige auf die zunehmenden Spannungen reagiert haben, indem sie den biblischen Auftrag, für Israel zu beten, ausübten, haben andere Christen die Fahne des Antizionismus hochgehalten. Statt für den Schutz der israelischen Bürger vor Raketen und die Befreiung der Palästinenser in Gaza von der Hamas zu beten, reagieren antizionistische Christen, indem sie Israels Recht sich zu verteidigen, verurteilen. Sie verbreiten Verschwörungstheorien und verurteilen andere Christen dafür, dass sie zu Israel stehen.

Die schlimmste Behauptung in diesem Zusammenhang ist die Behauptung, dass christliche Zionisten antisemitisch seien. Obwohl diese Verschwörungstheorie nicht neu ist, lässt sie die Vorstellung, Elvis habe seinen Tod vorgetäuscht, geradezu harmlos erscheinen. Antizionisten behaupten, dass christliche Zionisten und Gruppen wie Christians United for Israel (CUFI) „Juden nur insofern für nützlich halten, weil sie das Ende der Tage herbeiführen.“ Eine grobe Fehlcharakterisierung des christlichen Zionismus, die auf gefälschten Zitaten und Fehlinformationen beruht.

Wie John Hagee, der Gründer von CUFI, immer wieder erklärt hatte: „Die grosse Mehrheit der christlichen Zionisten und Evangelikalen glaubt nicht, dass es irgendetwas gibt, was wir tun können, um das zweite Kommen Jesu zu beschleunigen. In unserer Theologie ist klar, dass wir Menschen völlig machtlos sind, Gottes Zeitplan zu ändern.“ Die Vorstellung, dass die Eschatologie (Endzeittheologie, Anm.d.Red.) eine wichtige treibende Kraft im christlichen Zionismus ist, ist lächerlich und zeigt, dass die Befürworter dieser Theorie wenig bis nichts über christliche Zionisten wissen. Der christliche Zionismus ist eine Bewegung, die auf den Prinzipien des Christentums basiert, das die Gläubigen anweist, ihre Mitmenschen zu lieben und Friedensstifter zu sein. Der christliche Zionismus dreht sich an seiner Wurzel um diese Lehren des Friedens, der Agape-Liebe und der Hoffnung. Das ist der Grund, warum ich das jüdische Recht auf Selbstbestimmung in ihrer angestammten Heimat unterstütze, ein Recht, das meiner Meinung nach allen Menschen zusteht.

Unter den vielen Verschwörungstheorien ist eine Anschuldigung, die Antizionisten gerne gegen christliche Zionisten erheben, dass wir uns kaum um unsere christlichen Geschwister in den palästinensischen Gebieten kümmern, weil wir Israel unterstützen. Das ist bei weitem nicht wahr. Tatsache ist, dass Christen – und christliche Zionisten im Besonderen – von den terroristischen Gruppen und radikalen Einzelpersonen in den von den Palästinensern kontrollierten Gebieten verfolgt werden. Christen beten für ihre Brüder, leisten humanitäre Arbeit für Palästinenser und hegen grosses Mitgefühl für das palästinensische Volk. Die Idee, dass Christen ignorieren, was ihre Geschwister durchmachen, ist genauso abwegig wie die Verschwörungstheorien, die Gegner des christlichen Zionismus verbreiten.

Das wirft dann die Frage auf: Wenn Christen sich wirklich um die Palästinenser sorgen, warum unterstützen sie dann Israel? Die Antwort ist, dass christliche Zionisten erkennen, dass die Hamas und die Palästinensische Autonomiebehörde sich als unwillig erwiesen haben, den Terrorismus gegen Israelis zu stoppen; sie sind unfähig, tolerant gegenüber den Juden und vielen Christen in der Region zu sein; und sie weigern sich, jede angebotene Lösung zu akzeptieren. Vor diesem Hintergrund sehen christliche Zionisten in Israel die grösste Chance für Frieden in der Region. Das ist ja auch das Ziel der Christen. Frieden statt Krieg ist ein grosser Verbündeter, wenn es darum geht, das Evangelium zu verkündigen.

Christen, die mit der Situation im Nahen Osten nicht vertraut sind, werden mit Lügen abgespiesen, was es bedeutet ein Zionist zu sein. Abgesehen von den Verschwörungstheorien wird den Christen gesagt, es bedeute, dass christliche Zionisten über alle Übertretungen Israels hinwegsehen. Doch jedes Land, das aus Menschen besteht, ist unvollkommen, und es wäre töricht, Unvollkommenheiten zu übersehen. Christen wird gesagt, dass ein Zionist zu sein bedeutet, dass sie sich nur um die Juden kümmern und dass es falsch ist, die Notlage der Palästinenser zu ignorieren. Das ist eine Torheit und keineswegs ein Gedanke, der in den Köpfen der Christen lauert. Die heiligen Schriften lehren die Christus-Nachfolger, ihre Mitmenschen zu lieben. Christen wollen Frieden für Israel und die Palästinenser, sowie eine stabile Region, damit alle ein besseres Leben führen können.

Die Argumente gegen den christlichen Zionismus haben wenig Substanz und drehen sich um Verschwörung und Anschuldigungen. Das Ziel der antizionistischen, antisemitischen Gruppen ist die Zerstörung Israels. Diese Antithese zu dem, was es bedeutet, ein Christ zu sein, hat keinen Platz in der Kirche, und deshalb wird die christlich-zionistische Bewegung weiterhin dagegen kämpfen.

Nathanael Harris ist ein Fellow beim Committee for Accuracy in Middle East Reporting and Analysis. Auf Englisch zuerst erschienen bei Jewish News Syndicate. Übersetzung Audiatur-Online.

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