Die Chance eine Nation wie keine andere zu führen

Ein Brief an Israels neuen Präsidenten Isaac Herzog

Lesezeit: 4 Minuten

An den ehrenwerten Präsidenten von Israel,

Um ehrlich zu sein, bin ich ein wenig neidisch auf Sie. Schon bald werden Sie herausfinden, wie grossartig das Privileg der Präsidentschaft ist. In den nächsten sieben Jahren werden Sie Israelis aus allen Gesellschaftsschichten treffen, und lassen Sie mich Ihnen jetzt schon sagen – Sie werden sie alle umarmen wollen. Sie werden ihr Lachen und ihre Tränen teilen wollen; und all die Aufregung, die sie erleben.

Ich bin sicher, Sie glauben, dass Sie das bereits wissen, da Sie so viel Erfahrung als Staatsdiener haben, aber glauben Sie mir, Sie müssen erst noch herausfinden, was für ein wunderbares Land wir haben und welche wunderbaren Menschen unter uns leben. Sie alle werden ihren Weg in Ihr Herz finden, wo sie für immer bleiben werden.

Inmitten der gesellschaftlichen Gräben und der Polarität werden Sie mutige Menschen finden, die nicht von Koexistenz sprechen, sondern sie einfach leben. Jeden Tag, jede Stunde, in ihren Wohnungen und an ihren Arbeitsplätzen, in ihren Visionen, Träumen und Familien. Säkulare mit Ultra-Orthodoxen, Rechte und Linke, Juden und Araber, alteingesessene Israelis und Einwanderer, Junge und Alte, Angehörige aller Religionen, Sektoren und Ethnien – sie alle sind Israelis. Schön, aufgeweckt und freundlich. Freundlicher, als Sie es sich vorstellen können.

Sie alle waren mein Leuchtfeuer am Horizont, und auch Sie, lieber Präsident, werden das feststellen. Sie werden sie in den Städten und auf dem Lande finden, in den Krankenhäusern, beim Militär, in den Universitäten, bei der Polizei, in den Kindergärten und in den Schulen, in den nächsten und den entferntesten Ortschaften und auf der Strasse. Sie werden nicht einmal suchen müssen. Sie werden immer da sein, in glücklichen Momenten, in den schwierigsten Momenten und wenn sich Stürme ankündigen, wie sie es so oft tun.

In manchen Nächten werden Sie nicht schlafen können. Ihre Gedanken wandern zurück zu den Soldaten, die Sie an einem Kontrollpunkt an der Grenze getroffen haben; zu dem einsamen Soldaten, der seine Mutter seit sechs Monaten nicht mehr gesehen hat – und Sie könnten nicht glücklicher sein, dass er am Pessach-Seder in der Residenz des Präsidenten teilnehmen wird.

Sie werden an die Olims (jüdische Einwanderer, Anm.d.Red.) denken, die auf dem Höhepunkt der Coronavirus-Pandemie hierher kamen; an den 12-jährigen Jungen, der an einer Depression litt – einer echten klinischen Depression -, den Sie bei einem Besuch im Geha Mental Health Center kennenlernten. Hat sich sein Zustand mit der Zeit verbessert? Und was ist mit Yonatan Levy, der immer noch mit schrecklichen Verletzungen, die er während des zweiten Libanonkriegs 2006 erlitten hat, im Krankenhaus liegt? Und was ist mit seiner Mutter, die nie von seiner Seite weicht? Wie geht es ihr?

Und was ist mit Yossi, dem wunderbaren IDF-Offizier, dessen Strafregister ich löschen liess, damit er ein neues Leben beginnen kann? Ihm wird es doch gut gehen, oder? Und was ist mit der Tochter des drusischen Polizisten Zidan Seif, der bei einem Terroranschlag auf eine Synagoge in Jerusalem ermordet wurde? Sie war gerade vier Monate alt, als ihr Vater getötet wurde, und jetzt wird sie in die erste Klasse kommen.

Sie werden sich die Fotos von Hadar Goldin und Shaul Oron ansehen – und ja, Sie werden deswegen schlaflose Nächte haben. Wegen unserer Vermissten und Gefangenen. Wegen Ron Arad. Wegen der hinterbliebenen Familien. Ihr Herz wird zerreissen und doch irgendwie stark und stolz im Takt der Geschichte dieser Nation klopfen, genau wie meines.

Sie werden stolz sein. Der Präsident dieses Landes hat so viel, auf das er stolz sein kann. Es ist die Aufregung, die Sie wach halten wird. Aufregung über die überquellenden Ernten auf den Feldern, über die neueste wissenschaftliche Erfindung und die Fortschritte in der Medizin, in der Forschung und im Sport.

Die Aufregung, nachdem man eine 90-jährige Frau getroffen hat, die sich immer noch freiwillig engagiert, oder eine junge Frau die sich durchgesetzt und ihre Ziele erreicht hat. Oder wenn man sieht, wie die Familien der drei Teenager [Gilad Shaer, Naftali Frenkel und Eyal Yifrach, die 2014 von Hamas-Terroristen entführt und ermordet wurden] Jahr für Jahr den Israel Unity Award überreichen.

Sie werden alles plötzlich wieder sehr aufregend finden. Tora-Gelehrte und solche, die das Land bewirtschaften; Holocaust-Überlebende, Helden des Aufbruchs und die Anführer im Kampf gegen häusliche Gewalt. Die Liste geht weiter – oh, und wie sie weitergeht.

Sie werden überrascht sein. Sich verlieben. Stolz sein. Sich zu Herzen nehmen. Sie werden versuchen, alles zu tun, um die Dinge besser und einfacher für die Menschen zu machen. Sie werden unermüdlich mit Liebe für sie arbeiten.

Viele Male habe ich mir in Meetings oder auf Reisen gedacht, dass der Titel „Bürger Nr. 1“ einfach so entstanden ist, weil dies das Volk Nr. 1 ist. Heute bin ich mir da sicher.

Auf Sie, Herr Präsident, und auf dieses Volk. Lang lebe der 11. Präsident des Staates Israel. Lang lebe der Staat Israel.

Immer für Sie da,

Ruvi.

Reuven Rivlin war der 10. Präsident des Staates Israel. Dieser Artikel erschien zuerst in Israel Hayom. Übersetzung Audiatur-Online.

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