Der arabische Zahnarzt «bohrt» Koexistenz in seiner Heimatstadt

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Araber und Juden stehen zusammen gegen die Gewalteruption der vergangenen Wochen. Foto Khalil Bakly
Lesezeit: 4 Minuten

Dr. Khalil Bakly leitet eine Koexistenzgruppe, die Hunderte von Menschen ermutigte, der Gewalt abzuschwören, zugunsten eines friedlichen Zusammenlebens von Arabern und Juden.

Von Naama Barak

Dr. Khalil Bakly hat zwei Zahnarztpraxen: eine in Nazareth, wo er eine überwiegend muslimische Klientel behandelt, und eine in Netanya, wo die meisten seiner Patienten Juden sind.

Daher kennt er die vielen Stimmen und Meinungen rund um den Konflikt, der kürzlich in Israel ausbrach, als die Gewalt zwischen Israel und dem Gazastreifen und in einigen Fällen auch zwischen der jüdischen und der arabischen Gemeinde Israels um sich griff.

«Wie Sie sicher nachvollziehen können, erlebe ich täglich beide Welten und beide Bevölkerungsgruppen», erklärt er. «Zweifellos gibt es auf beiden Seiten in bestimmten Gebieten Extremisten, denen es gelang, eine wirklich schlechte und unangenehme Atmosphäre zu erzeugen. Doch jeder mit ein bisschen Verstand begreift, dass das für niemanden von Vorteil ist.»

Gegen diese Atmosphäre der Gewalt und des Misstrauens setzt sich Bakly als politischer und sozialer Aktivist seit langem ein.

Wie mehr als ein Viertel der Einwohner seiner Heimatstadt Nof Hagalil (früher Nazareth Illit genannt) ist Bakly ein Muslim, der in unmittelbarer Nähe zu seinen jüdischen Nachbarn lebt. Und die jüngsten Ereignisse, die das Land erschütterten, gehen gegen alles, wofür er steht.

«Wir lehnen alles ab, was passiert ist – wir glauben nicht daran, irgend jemanden zu verletzen oder Eigentum zu zerstören, schon gar nicht religiöse oder heilige Orte», erzählt er ISRAEL21c.

«Was passiert ist, schadet der Atmosphäre der Partnerschaft und des Zusammenlebens sehr, und deshalb haben wir uns alle versammelt, um eine gute Atmosphäre zu bewahren.»

«Es gibt eine Menge Gemeinsamkeiten»

Bakly und seine Mitstreiter taten dies über Habustan (The Orchard), eine lokale Bürgerinitiative, in der sich Araber und Juden aus Nof Hagalil einmal im Monat zu Begegnungen, Wanderungen, Vorträgen und anderen Aktivitäten treffen, um sich gegenseitig besser kennenzulernen.

«Wir haben viele Gemeinsamkeiten entdeckt, die wir für das Gemeinwohl mobilisieren», bemerkt er.

Die Idee für Habustan entstand, nachdem Bakly und seine Frau Reem (ebenfalls Zahnärztin) 2017 eine Koexistenz-Sukka errichtet hatten. Sie luden die Bewohner der Stadt zu koscherer und arabischer Küche, Gebet, Live-Musik und Diskussionen ein.

«Innerhalb von drei Tagen besuchten 1’500 Menschen die Sukkah, und mit wurde bewusst, dass es ein Potenzial für Gespräche, Partnerschaften und die Schaffung von Rahmenbedingungen gab, die Araber und Juden zusammenbringen, um sich besser kennenzulernen und festgefahrene Stereotypen aufzubrechen», sagt er.

«Als die jüngsten Ereignisse begannen, haben wir sofort realisiert, dass wir uns zusammentun müssen, um die soziale und kommunale Stabilität zu stärken und wir haben umgehend sowohl persönliche als auch Zoom-Begegnungen initiiert», erklärt Bakly.

«Wir haben auch eine Facebook- und Instagram-Kampagne gestartet, in der wir unsere Mitglieder und die Bewohner der Stadt gebeten haben, sich gemeinsam fotografieren zu lassen und ein paar Worte über die arabisch-jüdischen Beziehungen zu schreiben», sagt er.

«Die Kampagne heisst ‹Araber und Juden in Nof Hagalil gegen Gewalt›», fügt er hinzu. «Wir haben so viel Engagement und Anteilnahme von Hunderten von Menschen erlebt. Freunde, Nachbarn, Kollegen, Leute, die zusammen studieren – sie liessen sich gemeinsam fotografieren und luden Hunderte von Fotos, Posts und persönlichen Geschichten hoch, was der guten Atmosphäre in der Stadt sehr half.»

«Es war eine sehr positive Erfahrung, sehr ermutigend und das hat mich in meinem Gefühl bestärkt, dass es so viele Gemeinsamkeiten gibt und dass diese gepflegt werden müssen», sagt er.

«Wir haben vor kurzem alle die Covid-Pandemie durchgemacht und die Mobilisierung des Gesundheitssystems erlebt, einschliesslich aller Ärzte und Krankenschwestern aus der arabischen Gemeinschaft, die heute mehr als 30 Prozent der Beschäftigten des Gesundheitswesens im Land ausmachen», sagt er.

«Sie wurden zu einer Schutzfront für die Behandlung der gesamten Bevölkerung, natürlich ohne Unterschied von Rasse, Religion und Geschlecht. Das war der Beweis, wie sehr die arabische Gemeinschaft an Koexistenz und ein gemeinsames Leben glaubt und dass es endlich Bestrebungen gibt, das zu stärken, was wir miteinander gemein haben. So Gott will, werden wir ein gemeinschaftliches Leben, Gleichheit und gegenseitigen Respekt erreichen», fügt er hinzu.

Mit Blick auf die Zukunft hofft er, dass mehr und mehr Gemeinden dem Beispiel von Habustan folgen werden.

«Letztendlich leben wir alle in diesem Land – wir arbeiten zusammen, studieren zusammen, treffen uns täglich auf einer persönlichen Ebene, und das nicht nur in Nof Hagalil, sondern in vielen Städten und Gemeinden», sagt er.

«Ich bin nicht naiv, mir ist klar, dass es viel Arbeit ist, aber ich glaube daran, und ich versuche, es umzusetzen», schliesst er.

«Ich habe sehr gute Beziehungen zur grossen Mehrheit der jüdischen Bevölkerung und ich bin überzeugt, dass wenn jeder von uns ein Botschafter des Sprichworts ‹Verlasse das Böse und tue das Gute› wird, wir in der Zukunft viel besser miteinander leben werden.»

Naama Barak ist Autorin bei ISRAEL21c. Auf Englisch zuerst erschienen bei ISRAEL21c. Übersetzung Audiatur-Online.

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