Raketen aus Gaza: Man sollte sich nicht vom ägyptischem Lächeln täuschen lassen

Die Schmuggelrouten der Hamas in Gaza führen durch Ägypten und den Sinai. Abbas Kamel, Chef des ägyptischen Nachrichtendienstes, ist offenbar damit vertraut.

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General Abbas Kamel, Ägyptens Geheimdienstchef (rechts) mit Yahya Sinwar dem Hamas Chef in Gaza (links) am 31. Mai 2021. Foto IMAGO / ZUMA Wire
General Abbas Kamel, Ägyptens Geheimdienstchef (rechts) mit Yahya Sinwar dem Hamas Chef in Gaza (links) am 31. Mai 2021. Foto IMAGO / ZUMA Wire
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Lassen Sie sich nicht von dem hochkarätigen Besuch des Chefs des ägyptischen Allgemeinen Geheimdienstes, Abbas Kamel, in die Irre führen. Ich habe schon früher darüber geschrieben – Ägypten ist für fast jede Rakete mitverantwortlich, die aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert wird, egal ob sie vor Ort in Gaza hergestellt oder aus dem Libanon, Syrien oder von einem anderen Ort importiert wurde.

von Ami Rojkes Dombe

Um Raketen in Gaza herzustellen, muss die Hamas Rohmaterial und Maschinen importieren. Um Teile oder ganze Raketen zu importieren, braucht die Hamas eine logistische Route. In beiden Fällen führt die logistische Route durch Ägypten und den Sinai. Das Meer liegt im Westen, und der Staat Israel liegt im Norden und im Osten.

Man sollte auch nicht allen Berichten des Verteidigungsministeriums oder von Politikern in der Knesset vorbehaltlos glauben, dass die Hamas das Material, welches sie für ihr Raketenprogramm benötigt, durch Tarnung als humanitäre Hilfe erhalten hat. Gelegentlich wird diese Art von Material an den von Israel kontrollierten Grenzübergängen erbeutet, aber das meiste wird über die Philadelphi-Passage eingeschleust, entweder oberhalb oder unterhalb davon.

Kürzlich hat die Terrororganisation Hamas in 11 Tagen über 4.000 Raketen auf Israel abgefeuert. Wie viele hat sie in ihren Lagern? Es scheint, dass sie noch einige Tausend mehr hat. Für diese Anzahl von Raketen braucht man eine Menge Metall, Materialien zur Herstellung von Antrieben, Motoren, Maschinen und mehr. Man muss Arbeitskräfte zur Ausbildung nach Übersee schicken und danach wieder zurück nach Gaza. Wie geht man von Gaza aus nach Übersee? Sie haben es erraten, über Ägypten. Wiederum offiziell über den Grenzübergang Rafah oder inoffiziell über die Philadelphi-Passage.

Weiß Abbas Kamel darüber Bescheid? Nun, er sollte darüber Bescheid wissen. Die ägyptischen Geheimdienste sind sehr besorgt über die islamistische Bewegung, und deshalb überwachen sie die Hamas in Gaza. Menschen, Waren, Nachrichten in den Medien und mehr. Es ist kein Zufall, dass Kamel immer wieder als Vermittler auftritt. Die Hamas hört auf ihn, weil sie auf ihn angewiesen ist.

Die Schmuggelroute der Hamas nach Gaza verläuft, so zumindest die Einschätzungen, über die Seehäfen irgendwo im Bereich des Golfs von Aden (im Nahen Osten oder in Afrika), über einen Landweg nach Ägypten und dann über den Sinai nach Gaza. Kamel und der Geheimdienst, für den er verantwortlich ist, wissen anscheinend von den meisten dieser Schmuggelaktivitäten, die über ägyptisches Gebiet laufen.

Man fragt sich, warum Ägypten nichts oder nicht genug tut, um den Machtzuwachs der Hamas zu begrenzen. Nun, eine der Annahmen ist, dass Ägypten absichtlich ein Auge zudrückt. Aber warum? Aus zwei Hauptgründen. Erstens, um den Status quo mit der islamistischen Bewegung in Ägypten zu erhalten, der größten politischen Bedrohung für die Herrschaft von al-Sisi. Zweitens, um Gaza als Verhandlungsmasse mit Israel zu behalten. Obwohl es ein Friedensabkommen zwischen den beiden Ländern gibt, sieht Ägypten Israel immer noch als Feind.

Das Friedensabkommen verhindert zwar einen symmetrischen Krieg zwischen den Ländern, aber es ist weniger effektiv bei der Reduzierung von Terror gegen Israel. Ägypten kann behaupten, es habe ohnehin Schwierigkeiten, die Kontrolle über die Sinai-Halbinsel durchzusetzen, während es dem Islamischen Staat gegenübersteht (auch wenn Israel Ägypten erlaubt hat, militärische Kräfte in den Sinai zu bringen), und deshalb können die Ägypter, wenn die Frage der Hamas aufgeworfen wird, sagen: „Wir tun, was möglich ist.“

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Machtaufbau der Hamas ohne die Hilfe Ägyptens nicht möglich gewesen wäre, wobei das Regime von al-Sisi und der Nachrichtendienst von Kamel entweder aktiv geholfen oder ein Auge zugedrückt haben. Die israelischen Geheimdienste sind in Bezug auf das ägyptische Territorium und den Sinai nicht sehr effektiv, und zwar aufgrund der (berechtigten) Auffassung, dass der Terror in Gaza einem Krieg mit Ägypten vorzuziehen ist.

Ami Rojkes Dombe ist Tech-Korrespondent des Israel Defense Magazins, der Themen aus den Bereichen Technologie und Militärtechnik behandelt. Übersetzung Audiatur-Online.

1 KOMMENTAR

  1. Ich stelle mir gerade vor, es gäbe Danzig als Enklave noch mit einer deutschen radikalisierten Bevölkerung die die angrenzenden Polen täglich terrorisieren und und mit Raketen angreifen.

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