Rückkehr nach Gaza

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Kürzlich sah ich ein Foto im Tagesanzeiger, mit dem ein Artikel über die aktuelle Gewalt in Israel und dem Gazastreifen illustriert war, mit der Bildunterschrift «Rückkehr nach Gaza-Stadt: Eine palästinensische Familie ist während der Kämpfe geflohen».

Geflohen wohin?

Vermutlich dorthin, wo nicht gekämpft wurde. Es gibt bei jeder kriegerischen Auseinandersetzung Gegenden, in denen gekämpft wird und andere, wo keine Gefechte ausgetragen werden. In Syrien wurde in Aleppo gekämpft, während man in Damaskus feierte.

Der Gazastreifen ist teilweise dicht besiedelt (Gaza City, Beit Hanoun oder Khan Younis). Daneben gibt es unbewohnte Flächen, in denen während keinem der bisherigen Gaza-Konflikte gekämpft wurde. Die Hamas hat dort keine Raketen oder Abschussrampen stationiert und auch keine Terrortunnel gegraben.

Warum hat die nur für „Palästinenser“ zuständige UN-Hilfsorganisation UNRWA schutzbedürftige Zivilisten während des letzten Gaza-Konfliktes nicht dorthin evakuiert? Warum werden Zivilisten stattdessen regelmässig in UNRWA-Schulen untergebracht, die sich in den am dichtest besiedelten Gegenden befinden, teilweise direkt neben den Raketenabschussrampen der Terrororganisation Hamas?

Pernille Ironside, Chefin des «Unicef Gaza Field Office», gab anlässlich einer Pressekonferenz zum Gaza-Krieg von 2014 in New York eine verblüffende Antwort: «Es gab Versuche, die UNO in diesem Konflikt zu instrumentalisieren. Vor Militäreinsätzen gegen die palästinensische Zivilbevölkerung hätte die UNO die Evakuierung gewisser Gebäude und Viertel ermöglichen sollen. Die UNO weigerte sich aber, da mitzuspielen.» Die UNRWA hatte sich demnach geweigert, den In­struktionen der israelischen Streitkräfte Folge zu leisten, die Gebäude und Gegenden, die als Standorte von Hamas-Raketen und Abschussrampen angegriffen werden sollten, zu evakuieren, und ist verantwortlich für unzählige Tote.

Gleichzeitig bestätigt Ironside an dieser Pressekonferenz, dass die israelischen Streitkräfte die Behörden sowie Bewohner der von Terroristen kontrollierten Gebäude, die Ziele einer militärischen Operation werden sollen, im Vorfeld «mit Kurznachrichten, Anrufen und Flyern» benachrichtigt, damit die Gebäude rechtzeitig evakuiert werden können.

Dies wiederum wird von der Hamas vereitelt, welche die Bevölkerung aufruft, in ihren Häusern zu bleiben: «Das ist der Beweis des noblen Wesens unseres Dschihad führenden Volkes, das mit nackter Brust und seinem Blut ihre Rechte und ihre Häuser verteidigt», deklamiert Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri am 8. Juli 2014 auf dem offiziellen Hamas-Fernsehsender Al-Aqsa TV, «dass sich unsere Leute den israelischen Fliegern mit nackter Brust entgegenstellen, hat sich im Kampf gegen die Besatzung als sehr effektiv erwiesen.»

Doch dass die palästinensische Zivilbevölkerung dem Todeskult der radikalislamischen Hamas-Terroristen ausgeliefert ist, muss kein auswegloses Schicksal sein.

Im saudiarabischen Mina, acht Kilometer östlich der den Muslimen heiligen Stadt Mekka, stehen auf einer Fläche von 20 Quadratkilometern 100’000 Zelte, für welche die Bezeichnung «Zeltstadt» eine Beleidigung wäre. Es handelt sich um Hightech-Unterkünfte aus Fiberglas, beschichtet mit Teflon, zum Schutz gegen Sonne und Feuer. Jedes der 64 Quadratmeter grossen Zelte verfügt über Strom, W-Lan und ist voll klimatisiert. Die Wasserversorgung der Luxuszelte wird durch eine Wasserleitung gewährleistet, die 100 Kilometer umfasst. Genutzt wird dieser Luxus-Campingplatz, in dem über drei Millionen Menschen Platz finden, nur wenige Tage im Jahr, nämlich wenn die «Glamping»-Zelte während des Hadsch wallfahrenden muslimischen Pilgern als Logis dienen. Den Rest des Jahres steht er leer.

Die praktikable Lösung wäre, in gefechtsfreien Gebieten Unterkünfte nach dem Beispiel von Mina zu errichten. Dorthin würde die jeweilige Zivilbevölkerung evakuiert, bis die Kriegshandlungen beendet sind. Das gilt selbstverständlich nicht nur für den Gazastreifen, sondern für sämtliche Kriegsgebiete weltweit.

Katar hatte schon 2011 in Tunesien bewiesen, wie unbürokratisch und schnell die Araber handeln können. Für die Flüchtlinge des libyschen Bürgerkriegs stampfte Katar in Rekordzeit Camps aus dem Boden. Hightech-Wüstenzelte, Kühlschränke, Matratzen, Fernseher, Klimaanlagen, alles wurde direkt aus Katar eingeflogen. Ein Fünf-Sterne-Cateringservice verköstigte die Flüchtlinge drei Mal täglich.

Aufkommen für den Bau der Unterkünfte sollten eigentlich Saudiarabien und der Iran. Diese beiden verfeindeten Staaten haben nicht nur den Nahostkonflikt, sondern auch die Flüchtlingskrise in Syrien befeuert, indem sie radikalislamische Rebellen finanzierten und dadurch den Auswuchs von extremistischen Gruppierungen förderten. Im Yemen tobt ein weiterer Stellvertreterkrieg zwischen den Saudis und dem Iran.

Ausblick über einen Teil der Zeltstadt von Minā in Saudi-Arabien. Foto Mubeen Rahman, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3366671  

Dass Saudiarabien oder der Iran zur Entspannung des Nahostkonflikts beitragen oder das syrische Flüchtlingsproblem zu lösen helfen, ist illusorisch. Die vergleichsweise bescheidenen Mittel für derartige Unterkünfte wären aber für die Schweiz besser investiertes Steuergeld, als die Hunderten Millionen, welche die Schweiz via das EDA an antiisraelische palästinensische NGO und die ineffiziente und antisemitisch unterwanderte UNRWA zahlt.

Die Antwort auf die Frage, weshalb solche Unterbringungen nicht längst für die Palästinenser in den schäbigen Lagern im Gazastreifen, dem Westjordanland, Libyen, Syrien und Jordanien errichtet wurden, ist wie so oft im Nahostkonflikt, erstaunlich simpel. Bereits 1952 erklärte der britische Generalleutnant und ehemalige Direktor der UNRWA in Jordanien, Sir Alexander Galloway: «Es ist völlig klar, dass die arabischen Nationen das arabische Flüchtlingsproblem nicht lösen wollen. Sie wollen es als offene Wunde behalten, als Affront gegen die Vereinten Nationen und als Waffe gegen Israel. Die arabischen Führer scheren sich einen Dreck darum, ob die Flüchtlinge leben oder sterben.»

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