Meine Mutter wurde 1921 in Sheikh Jarrah geboren

Die Familie meiner Mutter war Anfang der 1900er Jahre eine von 97 Familien die in Sheikh Jarrah lebten. Aber die jüdischen Wurzeln dort reichen viel weiter zurück.

Lesezeit: 6 Minuten

Während der Fall Sheikh Jarrah auf eine Entscheidung des Gerichts wartet, behaupten viele, israelische Juden würden das Jerusalemer Stadtviertel Sheikh Jarrakh „kolonisieren“ und Israel versuche Jerusalem zu „judaisieren“. Die Geschichte meiner Familie widerlegt diese Behauptungen und zeigt, dass die Anschuldigungen nur ein weiterer Versuch sind, die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft auszulöschen.

von Dr. Michael L. Wise

Meine Mutter, Miriam, wurde 1921 im Schimon Ha’Tzadik-Viertel von Scheich Jarrah geboren. Die jüdische Präsenz in Scheich Jarrah konzentrierte sich rund um das Grab von Schimon HaTzadik, einem der letzten Mitglieder des Hohen Rates, dem Führungsgremium des jüdischen Volkes nach dem Babylonischen Exil.

Laut dem babylonischen Talmud traf sich Schimon HaTzadik mit Alexander dem Grossen, als die mazedonische Armee durch das Land Israel zog und überzeugte ihn, den Zweiten Tempel nicht zu zerstören. Jahrelang pilgerten Juden zu seinem Grab in Sheikh Jarrah, eine Praxis, die in der Reiseliteratur dokumentiert ist. 1876 wurden die Höhle und das angrenzende Land, bepflanzt mit 80 alten Olivenbäumen, von den Juden für 15.000 Francs gekauft. Dutzende von jüdischen Familien bauten Häuser auf dem Grundstück.

Die türkisch-osmanische Volkszählung von 1905 zählte 97 jüdische Familien, die dort lebten. Trotz der sogenannten „arabischen Revolte“ in den 1930er Jahren, als einige jüdische Familien entwurzelt wurden, blieb es ein jüdisches Viertel bis 1948, als die jüdischen Bewohner von der jordanischen Armee vertrieben wurden und ihre Häuser von Arabern besetzt wurden.

In den 1880er Jahren, als Jerusalem eine mehrheitlich jüdische Stadt war (zurückgehend auf die osmanisch-türkische Volkszählung von 1848), waren Terror und Bedrohungen ein täglicher Teil des Lebens für die jüdischen Einwohner. Die Mutter meiner Mutter, Sarah, war 1911 ein Teenager, als ihr Vater Chaim Eisenbach das Leben von Rabbi Rachmastrivka an der Westmauer rettete, indem er seinen blutüberströmten Körper vor mörderischen arabischen Angreifern abschirmte. Chaim Eisenbach ging danach nur noch humpeln und Sarah erholte sich nie davon, diesen furchtlosen und hingebungsvollen Mann zusammengeschlagen nach Hause kommen zu sehen.

Als Sarah meinen Grossvater Shimon Gotlieb heiratete, zogen sie 1919 in die Nachbarschaft von Shimon Ha’Tzadik. Shimons Familie liess sich bis zu den Shlah HaKadosh zurückverfolgen, die 1621 in Palästina ankamen. Die Eltern meiner Mutter hatten Angst vor marodierenden Araberbanden in verschiedenen Jerusalemer Vierteln, darunter die Klagemauer und der Machane Yehuda-Markt. Sie verliessen Jerusalem im Jahr 1927, um der antijüdischen Gewalt zu entkommen. Der Rest der Familie meiner Mutter blieb und lebt bis zum heutigen Tag in Jerusalem.

Zufälligerweise wurde meine Frau Batya auch in Shimon Hatzadik geboren. Batya erinnert sich, wie ihr Vater, Professor Chaim Gevaryahu, sie als kleines Mädchen erfolgreich mit alten Matratzen abschirmte, als das Dach ihres Hauses durch Granaten der jordanischen Armee weggesprengt wurde. Alle jüdischen Familien von Shimon Hatzadik flohen im Unabhängigkeitskrieg in andere Jerusalemer Stadtteile, als der junge jüdische Staat von den Armeen von fünf arabischen Nationen überfallen wurde. Die Araber besetzten dann alle jüdischen Häuser.

Meine familiäre Verbindung zu Sheikh Jarrakh schliesst auch meine Schwiegertochter Yael ein, die von der ursprünglichen sephardischen Gründergemeinde von Shimon Hatzadik abstammt. Batya war nicht in der Lage, ihren Geburtsort zu besuchen, bis Israel Sheikh Jarrakh während des Sechs-Tage-Krieges 1967 befreite.

Nach der Wiedervereinigung Jerusalems wurde 1970 das Gesetz über Rechts- und Verwaltungsangelegenheiten in Israel erlassen, das festlegte, dass Juden, die 1948 ihren Besitz in Jerusalem verloren hatten, ihr Eigentum zurückfordern können. In den 1970er Jahren begannen nicht enden wollende juristische Auseinandersetzungen um Landbesitz, einschliesslich der Ansprüche auf Teile von Sheikh Jarrah.

1972 machten das Sephardische Komitee und das Knesset-Komitee Israels geltend, dass sie 1885 das Land gekauft und die Häuser auf dem Gebiet, das als Shimon Hatzadik bekannt ist, auf der Ostseite der Nablus-Strasse in Jerusalem gebaut haben.

1976 entschied das Gericht, dass das Land den israelischen Verbänden gehöre und sie reichten eine Räumungsklage ein. 1982 bestätigte der Oberste Gerichtshof Israels das jüdische Landeigentum. 1987 erkannte ein weiteres Gerichtsurteil das Eigentum der jüdischen Vereinigungen an den Grundstücken auf der Westseite der Nablus Road an und definierte die palästinensischen Araber als „geschützte Pächter“. Im Jahr 1991 wurde vereinbart, dass das Eigentum an dem Land den jüdischen Vereinigungen gehört und den arabischen Bewohnern des Viertels wurde ein Mieterstatus zugestanden, vorausgesetzt, dass bis zum 30. September 2009 Miete an die Vereinigungen gezahlt wird, wenn diese Häuser wieder an ihre jüdischen Eigentümer zurückfallen würden.

Im Jahr 2001 zogen israelische Juden in einen Teil des Shimon Hatzadik/Sheikh Jarrakh. Ein Araber reichte beim Jerusalemer Bezirksgericht eine Klage ein, um sein Landeigentum zu beweisen, wobei er sich auf Eigentumsurkunden aus dem Osmanischen Reich berief, die aus der Türkei mitgebracht wurden. Das Gericht stellte fest, dass die Dokumente gefälscht waren und lehnte die Klage 2005 ab; eine Berufung im folgenden Jahr wurde ebenfalls abgewiesen.

Trotz des Urteils konnten die jüdischen Eigentümer nicht aktiv werden, da die palästinensischen Araber sofort Berufung beim Obersten Gerichtshof einlegten. Vier Jahre später wies das Gericht die Berufung schliesslich ab. Im Jahr 2009 entschied das Jerusalemer Bezirksgericht, dass Araber, die sich weigerten, Miete zu zahlen, aus zwei Häusern in Sheikh Jarrah vertrieben werden sollten und jüdische Familien einziehen sollten. Daraufhin organisierten arabische Aktivisten in Sheikh Jarrakh ständige Proteste gegen die jüdische „Übernahme“ in der Nachbarschaft.

Am 15. Februar 2021 wurden weitere laufende arabische Einsprüche in einem Urteil des Jerusalemer Bezirksgerichts abgewiesen, und es wurden Räumungsbefehle erlassen, die bis zum 2. Mai ausgeführt werden sollten. Der Oberste Gerichtshof Israels bestätigte die Entscheidung, Araber, die in ehemals jüdischen Häusern leben, zu räumen.

Arabische und jüdische Aktivisten brachten ihren Unmut auf die Strasse und hielten täglich Proteste ab, die auch auf andere Teile Jerusalems übergriffen. Araber haben internationale Politiker und Befürworter dazu aufgerufen, Druck auf Israel auszuüben, um das zu beenden, was sie als „andauernde Nakba“ von Sheikh Jarrah bezeichnen. Am 22. April 2021 wurde Israel vor dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) wegen Kriegsverbrechen angeklagt, unter anderem wegen der Zwangsvertreibung von Arabern aus Ost-Jerusalem.

Infolgedessen gab der Oberste Gerichtshof Generalstaatsanwalt Mandelblit bis zum 8. Juni Zeit, seine Stellungnahme in dieser Angelegenheit abzugeben. Die anstehende Räumung war einer der Auslöser für den 11-tägigen Gaza- Konflikt, der letzte Woche endete.

Die Geschichte meiner Familie entkräftet die arabischen Ansprüche auf den Eigentumsvorrang gründlich und deutet darauf hin, dass es sich lediglich um einen weiteren Versuch handelt, die Geschichte einer jüdischen Gemeinschaft in Israel auszulöschen.

Viele Juden haben tiefe Wurzeln in der Nachbarschaft von Shimon Hatzadik/Sheikh Jarrakh und die Behauptung, dass Israel diese Nachbarschaft „judaisiert“, steht in tiefem Widerspruch zu unserer Familiengeschichte.

Unerbittliche Feinde Israels werden nicht so bald verschwinden, aber glücklicherweise sind einige von Israels Nachbarn kürzlich dem Abraham-Abkommen beigetreten. Trotz der jüngsten Gewalt können wir vorsichtig optimistisch sein, dass wir uns an der Schwelle zu einer neuen Ära des regionalen Friedens und Wohlstands befinden.

Dr. Michael L. Wise ist Physiker und Gründer und Investor zahlreicher Technologieunternehmen. Er ist Gründungsmitglied der American Israel Demographic Research Group. Auf Englisch zuerst erschienen bei Arutz Sheva. Übersetzung Audiatur-Online.

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4 KOMMENTARE

  1. Shalom,Diese Person muss man an die UN-Versamlung schicken und dort soll Sie all dies hier geschriebene vorlesen. das ist der beste Beweis dafür,dass dieser Ort immer schon uns gehörte. Punkt!!! da nützt auch kei e Bomben gegen Jerusalem etwas!!! Shabbat Shalom

  2. Es wäre ja doch alles viel einfacher, wenn israelische Gerichte auch den vertriebenen Palästinensern ein gleich geartetes Recht auf Rückgabe oder Kompensation zu erkennen würde.

    • Dass die Palästinenser „vertrieben“ wurden, gehört zu ihren gepflegten Lebenslügen.

      Tatsache ist, es gab keine systematischen „Vertreibungen“. Vor und während des Angriffs von arabischen Staaten auf Israel gab es mehrere Absetzbewegungen. Als erstes machte sich die arabische Oberschicht davon. Mit einiger Verzögerung folgten breitere Massen, die mit einer kurzen Wartezeit bis zur Eliminierung sämtlicher Juden vertröstet wurden. Außerdem winkte als Trostpflaster die Inbesitznahme von deren dann herrenlosen Häusern und Grundstücken.

      Die ansässigen Araber wurden von ihren eigenen Leuten aufgefordert, zu fliehen bzw. den Weg frei zu machen um nicht zwischen die Fronten zu geraten. Eine entsprechende Propaganda über Gräueltaten der Israelis sorgte für weitere Fluchtwellen. Tatsächliche Vertreibungen gab es kriegsbedingt zweifellos, doch waren das eben keine systematischen Vertreibungen.

      Eine Frage noch, Herr Brendel, was ist eigentlich mit den über 800.000 vertriebenen Juden aus den umliegenden arabischen Staaten? Diese sind tatsächlich vertrieben worden, ohne dass direkte kriegsbedingte Ursachen angeführt werden können. Dürfen die dann auch auf Rückgabe oder Kompensation hoffen? Und bei ihrer Rückkehr hätten sie bestimmt auch gerne die gleichen Bürgerrechte wie die arabischstämmigen Bewohner in Israel.

      Es wirkt seltsam, dass Sie diese zahlenmäßig mindestens gleichstarke Gruppe in Ihrer einfachen Rechnung nicht berücksichtigt haben.

  3. Der Bericht von Michael L. Wise macht leider wieder einmal deutlich, dass sehr viele Araber („Palästinenser“) und mit ihnen auch viele (zu viele!) arabische Israelis ein überwiegend taktisches Verhältnis zum Rechtstaat haben. Solange sie vor Gericht Recht bekommen und ihre Ansprüche durchsetzen können, ist alles gut. Sobald das nicht der Fall ist oder, wie in diesem Fall, gefälschte Eigentumsnachweise aufgedeckt werden und sie – wie alle Mieter dieser Welt – ihre Miete zahlen sollen, versuchen sie, ihre spezielle Interpretation von „Recht“ auf der Straße mit Gewalt durchzusetzen.

    Dabei verstehen sie alle Register zu ziehen, wohlwissend, dass Medien, die ihrer Darstellung mit kritischer Distanz gegenüberstehen, höchst selten anzutreffen sind. Sie wissen, dass sie ihre Lügen nur lange genug in der Opferpose vorbringen müssen, bis diese zur Wahrheit gerinnen. Diejenigen von ihnen, die dieses unwürdige Spiel nicht mitmachen wollen sind nach wie vor in der Minderheit und wagen sich, aus durchaus nachvollziehbaren Gründen, nicht aus der Deckung.

    Eine kurzfristige Lösung gibt es hier nicht. Das Mindeste wäre aber, den Arabern ihr durchsichtiges Verhalten auf den Kopf zuzusagen und sie vor massiver Kritik nicht zu verschonen.

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