Israel öffnet Grenzen für Touristen – Durststrecke dauert an

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Ein Flugzeug der israelischen Fluggesellschaft El Al hebt vom Flughafen Ben Gurion ab. Foto Kobi Richter/TPS
Ein Flugzeug der israelischen Fluggesellschaft El Al hebt vom Flughafen Ben Gurion ab. Foto Kobi Richter/TPS
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Die Liste der Corona-Auflagen ist lang, aber prinzipiell sollen Reisen ins Heilige Land wieder möglich sein. Gästehäuser gehen jedoch von einer langsamen Erholung aus. Das liegt nicht an der jüngsten Gewalteskalation.

von Andrea Krogmann

Noch ist unklar, wer die maximal 600 Glücklichen sein werden, die Israel im Juni als erste Touristen nach Beginn der Pandemie bereisen dürfen. Der Run zumindest der Reiseveranstalter auf das Pilotprojekt zur Wiedereröffnung des Landes ist gross: Neun Minuten dauerte es nach Angaben des Tourismusministeriums, bis die maximale Zahl von Bewerbern erreicht war. 20 von ihnen sollen unter strengen Auflagen je eine Reisegruppe von 5 bis 30 Besuchern ins Land bringen dürfen. Eine echte Perspektive für eine Rückkehr zur Normalität sind diese ersten vorsichtigen Schritte für christliche Pilger noch nicht.

Die Liste der Anforderungen für die potenziellen Besucher ist lang: Aus von Israel nicht als rot eingestuften Ländern müssen sie kommen, mit denen ein Impf-Anerkennungsabkommen besteht, selbst mit einem anerkannten Wirkstoff geimpft worden sein sowie zwei negative PCR-Tests und einen Antikörpertest vorlegen. Dann wiederum dürfen sie das ganze Land bereisen – mit Ausnahme der palästinensischen Gebiete, wegen anhaltender Corona-Einschränkungen.

Das Projekt sende wichtige Signale; darin liege seine eigentliche Bedeutung, sagt Georg Roessler, Mitinhaber der auf alternative Israel-Reisen spezialisierten Agentur „SK-Tours“ in Jerusalem. Auch wenn Deutschland zu den erlaubten Ländern zählt, ist der Stichtag Anfang Juni nach seiner Einschätzung dennoch irrelevant für Anbieter, die vorrangig mit deutschen Gästen arbeiten. „Wir Deutsche reagieren langfristig und rekrutieren unsere Gruppen nicht aus dem Stand“, erklärt Roessler. Froh sei er daher, dass einige der Gruppen, die einen Besuch im Herbst planen, noch nicht abgesagt haben.

Pläne von Reisegruppen für den Sommer gibt es im Gästehaus des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande (DVHL) in Tabgha nicht; „eher im Gegenteil“, bestätigt Hausleiter Georg Röwekamp den Eindruck. Die letzte Gruppe, deren Reservierung für August noch stand, habe gerade abgesagt. Vor dem Herbst rechnet man nicht mit deutschen Reisenden. 

„Bis dahin versuchen wir, mit israelischen Gästen und im Land lebenden Deutschen über die Runden zu kommen“, so Röwekamp. Neben der finanziellen Seite kann der DVHL-Vertreter der momentanen Konzentration auf einheimischen Tourismus weitere positive Seiten abgewinnen. „Es holt uns aus unserem Insel-Dasein heraus. Wir lernen unsere Umgebung kennen. Es ist ein Brückenbau, an den ich so nie gedacht hätte.“

Am See Genezareth klappt das ganz gut. Während das Haus unter der Woche auf neu entwickelte Programme mit israelischen Partnern setzt, herrscht an Wochenenden und zu Feiertagen oft Hochbetrieb. Ganz anders die Lage in Jerusalem, wo Israelis kaum als potenzielle Gäste für christliche Häuser in Frage kommen: Klassische Pilgeranlaufstellen wie das Paulushaus des DVHL oder das Österreichische Hospiz sind nach wie vor geschlossen. „Im Paulushaus dauert die Durststrecke an“, sagt Röwekamp. Wann ein normaler Tourismus wieder möglich wird, ist nach Einschätzung des Deutschen schwer absehbar.

Auch das Österreichische Hospiz sei nach wie vor „in der Warteschleife“, sagt dessen Rektor Markus Bugnyar. Der 23. Mai sei „absolut nicht relevant“ gewesen, Österreich gehöre nicht mal zur engen Auswahl erlaubter Länder. Anderweitig eingegangene Anfragen für Mai und Juni hätten es nicht gerechtfertigt, den Betrieb wieder hochzufahren. 

Mitte Juli, so die Hoffnung, werde das Haus wieder aufsperren – auch das kein ganz einfacher Akt: Es sei schwierig, das Personal aus den Kurzzeitregelungen zu holen, „weil kaum jemand bereit ist zu arbeiten, wenn er auch für Nichtarbeiten bezahlt wird“, so Bugnyar. Hinzu komme ein hoher Verwaltungsaufwand durch zahlreich und mehrfach verschobene Reservierungen. Die positive Seite: Bleibt es bei den Plänen, wäre das Haus bis Herbst 2022 über viele Monate komplett ausgebucht.

Verhältnismässig wenig Sorgen macht man sich um mögliche negative Effekte der jüngsten Gewalteskalation im Heiligen Land auf den Reisemarkt. Röwekamp: „Im Moment würde vielleicht niemand neu buchen, aber stornieren wohl auch nicht.“ Roessler geht einen Schritt weiter: „Zynisch gesagt: Gut, dass die Gewalt jetzt eskaliert ist, lang genug weg vom Herbst, wenn die ersten Gruppen erwartet werden.“ Erfahrungsgemäss „dürfte jetzt für die nächsten zwei, drei Jahre Ruhe herrschen“.

KNA/akr/brg/cdt

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