Der derzeitige Vorschlag zum Waffenstillstand ist alles andere als ein Waffenstillstand

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Mitglieder der Ezz-Al Din Al-Qassam Brigaden am 07. Mai 2021 in Jabalia im Norden des Gazastreifens. Foto IMAGO / ZUMA Wire
Mitglieder der Ezz-Al Din Al-Qassam Brigaden am 07. Mai 2021 in Jabalia im Norden des Gazastreifens. Foto IMAGO / ZUMA Wire
Lesezeit: 4 Minuten

In der Tat könnte ein echter „Waffenstillstand“ dazu führen, die Feindseligkeiten zu beenden – ähnlich wie beim ersten Weltkrieg. In der 11. Stunde des 11. Tages des 11. Monats, am 11. November 1918 beendete der Waffenstillstand den Krieg, ebnete den Weg zum Versailler Friedensvertrag und ermöglichte die Entstehung des Völkerbundes.

von David Bedein

Die drei arabischen Begriffe, die im Kontext eines Waffenstillstandes mit der Hamas aufkommen, haben jedoch nichts mit einem „Waffenstillstand“ zu tun. Diese Begriffe lauten: “Hudna”, “Tahadia” und “Hudaybiyyah”.

Alle drei Begriffe implizieren die Fortsetzung des Krieges nach einer Pause. 

Hudna – eine taktische und vorübergehende Pause im Krieg zwischen islamischen und nicht-islamischen Kräften. Die Hudna ist nur zur Wiederbewaffnung gedacht.

Die offizielle Islamische Enzyklopädie (London, 1922) definiert Hudna als einen „vorübergehenden Vertrag“, der von islamischen Führern genehmigt oder aufgehoben werden kann, je nachdem, ob er den Interessen des Islam dient oder nicht. Eine Hudna kann nicht länger als 10 Jahre dauern.

Tahadia – ein vorübergehender Stopp feindlicher Aktivitäten, gegen den jederzeit verstossen werden kann.

Hudaybiyyah – Ein Verständnis, dass es 10 Jahre lang keine Kämpfe geben wird, benannt nach dem „Vertrag von Hudaybiyyah“ aus dem Jahr 628 n. Chr. In der Islamischen Enzyklopädie wird der Hudaybiyyah-Vertrag als „ultimative Hudna“ erwähnt.

Der verstorbene PLO-Führer Yasser Arafat sprach in seinen Reden oft von „einer Hudna“, als er die Natur der Oslo-Abkommen definierte und beschrieb.

Mit den Worten der Islamischen Enzyklopädie: „Der Hudaybiyyah-Vertrag, den der Prophet Mohammed 628 n. Chr. mit den Ungläubigen von Mekka geschlossen hatte, war ein Präzedenzfall für spätere Verträge, die die Nachfolger des Propheten mit Nicht-Muslimen geschlossen hatten. Mohammed machte damals mit einem Stamm von Juden eine Hudna, um ihnen Zeit zu geben, ihre Streitkräfte auszubauen. Dann brach er den Vertrag und löschte sie aus. Obwohl dieser Vertrag innerhalb von drei Jahren nach seinem Abschluss verletzt wurde, stimmen die meisten Juristen darin überein, dass die maximale Dauer des Friedens mit dem Feind nicht 10 Jahre überschreiten sollte, da ursprünglich vereinbart wurde, dass der Hudaybiyyah-Vertrag 10 Jahre dauern sollte.“

Hudna, Tahadia und Hudaybiyyah – die einzigen Optionen zum Waffenstillstand mit der Hamas – sind nicht vergleichbar mit dem Friedensvertrag „Mu’ahada“, den Ägypten 1979 mit Israel unterzeichnet hat, oder dem Mu’ahada-Friedensvertrag, den Jordanien 1994 mit Israel unterzeichnet hat.

Wie viele Menschen erinnern sich daran, dass in den letzten Jahren bereits drei Hudnas mit Gaza abgeschlossen wurden?

Wie viele Menschen erinnern sich daran, was während dieser Hudnas passiert ist? Nun, die Menschen in Sderot und in der Region Negev in Israel erinnern sich.

Lassen Sie uns die Erinnerungen auffrischen.

Vom 26. November 2006 bis zum 15. Mai 2007 dauerte eine Hudna zwischen der Hamas und Israel fast sechs Monate. Man kann die Aussage der Hamas fünf Tage vor Inkrafttreten der Hudna nicht ignorieren: „Der Militärflügel der Hamas wird das Raketenfeuer stoppen, wenn die Bewohner die Stadt Sderot evakuieren“ (vom 21. November 2006).

Während dieser Hudna haben die Bewohner des Gazastreifens, laut einem IDF-Sprecher, 315 Raketen auf Sderot und den westlichen Negev abgefeuert.

Darüber hinaus gab es eine weitere Hudna mit Gaza, die bis Ende Dezember 2008 andauerte und bei der 878 Raketen aus Gaza abgefeuert wurden.

Vom Ende der Operation “Gegossenes Blei” am 18. Januar 2009, bis zum ersten Tag der Operation “Wolkensäule” am 12. November 2012, gab es eine Hudna. In dieser Zeit wurden ungefähr 2.000 Raketen aus Gaza abgefeuert. Eine Million Israelis mussten in den Notunterkünften Schutz suchen.

Vom Ende der Operation “Wolkensäule” bis zum 30. Juni 2014, wurden 300 Luftangriffe von Gaza nach Südisrael gestartet – all das geschah während einer weiteren schwachen Hudna.

Welches Land würde tolerieren, dass Raketen auf sein Territorium abgefeuert werden? Welches Land würde einer Hudna, Tahadia oder Hudaybiyyah zustimmen, die noch mehr Luftangriffe versprechen?

Es ist an der Zeit, dass Experten aus dem Nahen Osten die wahre Bedeutung einer “Hudna” deutlich machen –  eine Hudna ist alles andere als ein Waffenstillstand. 

David Bedein, der seit 1987 die Israel Resource News Agency im Beit Agron Center in Jerusalem leitet, hat kürzlich seine Arbeit im Nahum Bedein Center für Nahostpolitik – Forschung expandiert.

2 KOMMENTARE

  1. Wenn auch in Deutschland kaum berichtet wird, so gibt es doch die alternativen Medien. Ich werde den link zu ihrer Webseite so oft und weit wie möglich verbreiten. Die Heuchelei gegenüber dem Islam muss aufhören.

  2. Der Autor muß verstehen, dass in Deutschland nicht berichtet wird und auch fast keinen interessiert, wenn Gazaterroristen Israel beschießen, ob nun mit bzw. beim „Waffenstillstand“ oder ohne, ob nun mit Toten oder ohne.
    Erst wenn Israel zurückschlägt, überschlägt sich die antisraelische Empörungs- und Relativierungsindustrie über Israel in Deutschland mit ihren Relotiushetzmedien.
    Ich wiederum habe jetzt verstanden, dass, wenn nach Waffenstillstand geplärrt wird, es nicht um Frieden geht, sondern um die Angst, dass Terrororganisationen wie die HAMAS endgültig oder wenigstens nachhaltig zerstört werden.

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