Hamas contra Israel: Psychologische Asymmetrie in Aktion

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Ein Mann in Gaza trägt einen perfekt sauberen, riesigen roten Stoffteddybär. Laut verschiedenen Medien (z.Bsp. Basler Zeitung 17. Mai 2021) soll der Teddybär aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses stammen. Foto IMAGO / ZUMA Wire
Ein Mann in Gaza trägt einen perfekt sauberen, riesigen roten Stoffteddybär. Laut verschiedenen Medien (z.Bsp. Basler Zeitung 17. Mai 2021) soll der Teddybär aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses stammen. Foto IMAGO / ZUMA Wire
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Was wir in diesen Tagen in den Kämpfen zwischen Israel und der Hamas sehen, ist wieder einmal das Prinzip der „psychologischen Asymmetrie“ in Aktion. Einfach ausgedrückt, bezieht sich „psychologische Asymmetrie“ auf den Unterschied zwischen dem, was in der Theorie real ist, und dem, was in der Praxis real ist, je nach Perspektive und Ideologie. Und wenn es um Israel und die Palästinenser geht, ist die Realität oft nicht das, was sie zu sein scheint.

von Irwin J. (Yitzchak) Mansdorf

Ein immer wiederkehrendes Beispiel für psychologische Asymmetrie ist die Fähigkeit einer unterlegenen militärischen Macht, eine überlegene zu bekämpfen, indem sie auf Taktiken zurückgreift, die letztere nicht anwenden kann und will. Arabische Terrororganisationen, die sich wenig um internationale humanitäre Standards kümmern, wenn es um den Schutz von Zivilisten geht, profitieren von dieser Asymmetrie, indem sie keine Hemmungen haben, wenn es darum geht, Zivilisten anzugreifen.

Aber sie kümmern sich nicht nur nicht darum, israelische Zivilisten ins Visier zu nehmen, sie kümmern sich auch wenig um das Wohlergehen und das Leben ihrer eigenen Leute und opfern sie, indem sie diese als Deckung bei ihren auf Israelis gerichteten Raketenabschüssen benutzen. Wenn Zivilisten in Israel zu Opfern werden, sieht die psychologische Asymmetrie sie als kollaterale Opfer einer starken und gewaltigen militärischen Kraft. Wenn aber Zivilisten der militärisch schwächeren Hamas verletzt werden, werden sie als „wahre“ Opfer des vermeintlich ehrenhaften Underdogs gesehen.

Die Hamas ist sich dessen bewusst und hat bereits in der Vergangenheit die Bilder von weinenden Müttern und verletzten und toten Kindern genutzt, um die Wahrnehmung der militärischen Asymmetrie – d.h. der militärischen Überlegenheit Israels – als unfair und illegitim zu propagieren. So werden Begriffe wie „unverhältnismässig“ fälschlicherweise mit israelischen Aktionen assoziiert und schwächen in der Praxis die Fähigkeit Israels, weiterhin planmässig militärisch zu handeln.

Was folgt, ist ein niederträchtiges Bestreben der Hamas, eine zivile Krise in Gaza zu schaffen, deren Bilder ihrem Interesse dienen. Und so sind tote Babys und weinende Mütter irgendwann perverserweise Teil der psychologisch asymmetrischen Strategie der Hamas, und zwar einer, mit der Israel nur schwer umgehen konnte.

Dieses Mal wurde diese Möglichkeit der Hamas bisher entzogen. Durch die strategische, sorgfältige und chirurgische Isolierung von Hamas-Zielen ist die Karte der zivilen Opfer nicht voll zum Tragen gekommen. Aber merkwürdigerweise liegt das nicht an der Strategie Israels, die schon immer darin bestand, die zivile Beteiligung zu minimieren, sondern an drei grundlegenden Fehlentscheidungen der Hamas.

Erstens schwächt ihre verstärkte Bombardierung von grossen Bevölkerungszentren im Zentrum Israels – Orte, an denen sie einen begrenzten Erfolg hatten, um Verwüstung anzurichten und Opfer zu verursachen – umgekehrt ihre Fähigkeit, einen einzigartigen Opferstatus im psychologischen Bereich zu behaupten.

Zweitens und komplexer sind die gleichzeitig auftretenden Unruhen, die von der Hamas angeheizt und gefördert werden und bei denen man sieht, wie arabische Bürger Israels Angriffe auf jüdische Bürger verüben und Bilder in Erinnerung rufen, die an die dunklen Tage der Pogrome und des niederen Antisemitismus erinnern.

Drittens, und vielleicht ein Fehler, der zu einer Reihe von nachfolgenden Fehltritten führte, ist das Verhalten der Hamas, das aus Frustration resultiert. Frustration – das Blockieren eines Ziels, das Vereiteln eines Plans – führt zu Aggression. Diese Frustration führt dazu, dass die Hamas nicht mehr nach einem durchdachten Plan handelt, sondern eher spontane und rücksichtslose Reaktionen hervorruft, die daraus resultieren, dass sie keine Ergebnisse ihrer militärischen und – was vielleicht noch wichtiger ist – ihrer psychologischen Strategie sieht.

Der Beschuss von Tel Aviv und Jerusalem mit massiven Raketen, vor allem nach vorheriger Ankündigung, ist ein Eigentor im üblichen psychologischen Asymmetrievorsprung, über den die Terrororganisation verfügt. Genauso wie Bilder von Juden, die von Hamas-Sympathisanten verprügelt oder Synagogen in Brand gesetzt werden.

Der letztendliche Erfolg einer Strategie, die auf psychologischer Asymmetrie beruht, hängt jedoch von den Reaktionen derjenigen ab, wie z.B. Politikern, Diplomaten, Journalisten und Social-Media-Influencern in der internationalen Gemeinschaft, die man als wichtige Akteure für das ansieht, was die Hamas zu erreichen versucht. Hier hängt die Psychologie der Reaktion von der Quelle ab. Während für die politische Ebene praktische Erwägungen und die Realität häufig eine zynische Rolle spielen, ist dies weniger relevant für die ideologisch Getriebenen, deren Überzeugungen und Haltungen ihre Haltung bestimmen.

Wenn ein Hamas-Ziel getroffen wird, das auch ausländische Berichterstatter beherbergt, interessieren sich die Journalisten weniger für die Rechtfertigung der Eliminierung eines Hamas-Ziels und mehr für sich selbst. Für die progressive Linke dominieren die Ideologie und die Überzeugung, die zum Verstehen der Missstände fordert, die die Handlung der Hamas antreiben.

Für diejenigen, die glauben, dass die „Wahrheit“ in jedem Konflikt das ist, was wichtig ist, lehrt uns das Prinzip der psychologischen Asymmetrie, dass die Wahrheit, die wir suchen, sehr oft durch subjektive Realitäten verdeckt wird, die von Konfliktparteien geschaffen und regelmässig manipuliert werden, um einem strategischen Zweck zu dienen.

Die Hamas, die diese psychologischen Werkzeuge seit Jahren versteht und nutzt, ist jetzt vielleicht ein paar Schritte zu weit gegangen. Hoffentlich werden diejenigen, die dieses Verhalten ermöglichten und als Bauern auf dem Schachbrett des palästinensischen Terrors dienten, es jetzt als das sehen, was es ist.

Irwin J. (Yitzchak) Mansdorf, Ph.D., ist Fellow am Jerusalem Center for Public Affairs, spezialisiert auf politische Psychologie, und außerordentlicher Professor für Psychologie an der Long Island University in Brooklyn, N.Y. Er hat Studien über den Terrorismus der «einsamen Wölfe», die jüdisch-amerikanische Gemeinschaft und über die Verhaltensaspekte der COVID-19-Pandemie durchgeführt. Übersetzung Audiatur-Online.

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