Berlin: Antisemitische Vorfälle nehmen wieder zu

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Schönefeld, Mai 2020: Gezielte Beschädigung des Denkmals für die Synagoge Münchner Strasse, Berlin. Neben einem Hakenkreuz wurden eine sog. Wolfsangel und Runen geschmiert. Foto Screenshot aus dem Bericht von
Schönefeld, Mai 2020: Gezielte Beschädigung des Denkmals für die Synagoge Münchner Strasse, Berlin. Neben einem Hakenkreuz wurden eine sog. Wolfsangel und Runen geschmiert. Foto Screenshot aus dem Bericht von "Recherche und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS Berlin)"
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Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Berlin nimmt wieder zu. Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Jahresbericht des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) hervor. Demnach dokumentierte die Berliner Meldestelle im vergangenen Jahr insgesamt 1.004 Fälle. Das seien 13 Prozent mehr als 2019. Damals gab es 881 Fälle.

Vor dem Hintergrund umfassender Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie sei die Anzahl der dokumentierten antisemitischen Vorfälle im Jahr 2020 beträchtlich, so Rias. Rund jeder fünfte Vorfall habe zudem einen direkten Bezug zur Pandemie und ihrer Eindämmung aufgewiesen. So seien Jüdinnen und Juden in Verschwörungsmythen für die Ausbreitung des Virus verantwortlich gemacht worden. In anderen Fällen wurde laut Rias durch die Gleichsetzung der Corona-Massnahmen mit antisemitischer NS-Politik die Schoah bagatellisiert. Insgesamt habe mit 271 Fällen die Zahl rechtsextremer oder rechtspopulistischer antisemitischer Vorfälle die grösste Sparte gebildet.

Der Antisemitismusbeauftragten des Landes Berlin, Samuel Salzborn, erklärte: „Antisemitische Einstellungen existieren unabhängig von der Corona-Pandemie – diese wird aber zum Vorwand genommen, um antisemitische Verschwörungsmythen zu verbreiten.“ Die Fallzahlen von Rias zeigten, dass Antisemitismus häufiger und aggressiver geäussert werde, wenn es in der Öffentlichkeit Themen gebe, die zum Vorwand genommen werden können, das vorhandene antisemitische Ressentiment zu artikulieren.

Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) erklärte: „Die neuen Zahlen von Rias aus der Hauptstadt lesen sich schrecklich. Sie dürfen niemandem gleichgültig sein.“ Besonders „besorgniserregend und perfide“ sei die Zunahme des Antisemitismus im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Wer versuche, als sogenannter Corona-Leugner für sich selbst eine Opferrolle in Anspruch zu nehmen, die den Opfern des Holocaust gleichkomme, „hat nichts, rein gar nichts verstanden – dieser Inbegriff von Empathielosigkeit, Verblendung und Zynismus ist erschütternd“. 

KNA/kws/nsc/rno

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