Holocaustüberlebender im Gespräch mit Nachfahren von NS-Tätern

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Es ist eine Begegnung, wie sie niemand von ihnen in dieser Form zuvor gehabt hat: Der 94-jährige Holocaust-Überlebende Dr. Leon Weintraub, der Tätersohn Jens-Jürgen Ventzki und Julie Lindahl, die Enkeltochter eines SS-Mannes. | Foto BR
Es ist eine Begegnung, wie sie niemand von ihnen in dieser Form zuvor gehabt hat: Der 94-jährige Holocaust-Überlebende Dr. Leon Weintraub, der Tätersohn Jens-Jürgen Ventzki und Julie Lindahl, die Enkeltochter eines SS-Mannes. | Foto BR
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Unter dem Titel „Das Schweigen brechen“ strahlt ARD-alpha am 25. April um 20.15 Uhr eine Dokumentation besonderer Art aus. Darin trifft der 94-jährige Holocaustüberlebende Leon Weintraub auf Jens-Jürgen Ventzki, Sohn eines NS-Oberbürgermeisters, und Julie Lindahl, die Enkeltochter eines SS-Mannes. Sie sprechen über Schuld, Scham und darüber, wie es weitergehen soll, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt, wie es in der Ankündigung heisst. Im Anschluss an den 45-minütigen Film folgt ein Beitrag aus der Reihe „Zeugin/Zeuge der Zeit“ mit Weintraub. Beide Filme stehen auch in der BR-Mediathek.

Weintraub, Lindahl und Ventzki treffen sich vor der Münchner Feldherrnhalle, einem zentralen Ort der NS-Propaganda. Die drei betrachten ein historisches Foto: Wehrmachtsoldaten mit Stahlhelmen und Uniformen stehen in Reih und Glied genau an der Stelle, an der sich die Gesprächspartner an diesem Septembertag 2020 unterhalten. Das Treffen bringt einen schmerzhaften Blick in die Vergangenheit hervor. Und doch geht es allen auch um die Zukunft: Wie lässt sich die Schuld der Vorfahren in einen Verwandlungsprozess übersetzen, bis zur Verteidigung humanistischer Werte?

Weintraub wurde als polnisch-jüdischer Junge im Alter von 13 Jahren ins berüchtigte Ghetto Lodz/Litzmannstadt eingesperrt. Jahrelang musste er unter Hunger und Folter Zwangsarbeit leisten. Wie durch ein Wunder überlebte er auch das Vernichtungslager Auschwitz und die Konzentrationslager Gross-Rosen, Flossenbürg und Natzweiler. Der 94-Jährige erzählt vom Überleben und was ihn jeden Tag antreibt.

Ventzki hört Weintraub intensiv zu. Dass seine eigenen Eltern an diesem Vernichtungssystem aktiv mitwirkten und laut seiner Aussage erst mit ihrem eigenen Tod aus der NSDAP ausgetreten sind, ist für den 77-Jährigen belastend. Sein Vater war ein hochrangiger Schreibtischtäter. Als NS-Oberbürgermeister von Lodz/Litzmannstadt unterstand ihm die Verwaltung des Ghettos.

Die Autorin und Menschenrechtsaktivistin Lindahl wurde 1967 in Brasilien geboren und wusste lange nicht, wie es zu diesem ungewöhnlichen Geburtsort kam. Gegen den Willen ihrer Familie forschte sie nach und entdeckte die Geschichte ihres Grossvaters. Seine Taten als SS-Mann, der in Polen für Deportationen und mutmaßlich für Mordaktionen mitverantwortlich war, veranlassten ihn Anfang der 1960er Jahre zur Flucht vor der bundesdeutschen Nachkriegsjustiz.

KNA/baj/cri/lwi

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