Paris: Mörder einer jüdischen Frau kommt nicht vor Gericht, weil er bekifft war

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Sarah Halimi wurde schwer misshandelt, bevor sie im April 2017 vom Dach ihres Pariser Wohnhauses geworfen wurde. Foto Familie Halimi
Sarah Halimi wurde schwer misshandelt, bevor sie im April 2017 vom Dach ihres Pariser Wohnhauses geworfen wurde. Foto Familie Halimi
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Frankreichs höchstes Gericht befand am Mittwoch, dass der Mörder einer jüdischen Frau strafrechtlich nicht verantwortlich sei und nicht vor Gericht gestellt werden könne.

Sarah Halimi (65), eine orthodoxe Jüdin, starb 2017, nachdem sie von ihrem Nachbarn, dem aus Mali stammenden 27-jährige Muslim, Kobili Traore, schwer misshandelt und unter „Allahu Akbar“-Rufen aus dem Fenster ihrer Pariser Wohnung geworfen wurde.

In seiner Entscheidung vom Mittwoch bestätigte das Oberste Berufungsgericht des Kassationsgerichtshofs die Urteile der unteren Instanzen, dass Traore nicht vor Gericht gestellt werden könne, weil er zu berauscht von Marihuana war, um für seine Handlungen strafrechtlich verantwortlich zu sein. Das Urteil des Gerichts bedeutet, dass Traore kein Prozess gemacht wird.

Traore, ein schwerer Haschischraucher, ist seit Halimis Tod in psychiatrischer Behandlung. Das Gericht sagte, er habe die Tötung begangen, nachdem er einem “ Wahnanfall“ erlegen war und sei daher nicht verantwortlich für seine Taten.

Der französische Präsident Emmanuel Macron kritisierte die Feststellung der Unzurechnungsfähigkeit der unteren Instanz im Januar letzten Jahres, was eine scharfe Erwiderung von den obersten Richtern des Landes nach sich zog, die sich auf die Gewaltenteilung beriefen.

Der Umgang mit der Ermordung Halimis war für viele französische Juden ein Wendepunkt, da er das Versagen des französischen Staates im Umgang mit Antisemitismus unterstreicht.

„Das ist ein zusätzliches Drama, das zu dieser Tragödie beiträgt“, erklärte die Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus (LICRA) nach dem Urteil.

„Von nun an können wir in unserem Land Juden völlig ungestraft foltern und töten“, fügte der Präsident des Repräsentativen Rates der jüdischen Institutionen in Frankreich (CRIF), Francis Kalifat, hinzu.

Der Direktor für internationale Beziehungen des Simon-Wiesenthal-Zentrums, Shimon Samuels, nannte die Entscheidung einen „verheerenden Schlag“, der, wie er sagte, „potenziell einen Präzedenzfall für alle Hassverbrecher schafft, die sich einfach auf Unzurechnungsfähigkeit berufen oder beschliessen, Drogen zu rauchen, schnupfen oder zu injizieren oder sich zu betrinken, bevor sie ihre Verbrechen begehen“.

Nach dem Urteil vom Mittwoch erklärten die Anwälte, die Halimis Familie vertreten, dass sie beabsichtigen, den Fall an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu verweisen.

„Das ist eine Hiobsbotschaft für die jüdischen Bürger Frankreichs“, sagte die Anwältin von Halimis Bruder, Muriel Ouaknine Melki.

1 KOMMENTAR

  1. Wenn nicht der Haß und die Bereitschaft zu töten schon vorher da ist, wird auch kein Hasch-Rausch dies erst hervorrufen. Zudem habe ich oft von schwer Betrunkenen gehört, die nicht mehr wußten, was sie taten, von Marihuana aber hab ich so etwas noch nie gehört.
    Dieses Urteil ist ein Skandal. Es wäre allenfalls zu rechtfertigen, wenn der Täter schon vorher als geistesgestört aufgefallen wäre. Doch dann brauchte es kein Hasch.
    Bleibt zu hoffen,daß dieser brutale Mörder nie wieder für gesund erklärt und auf die Menschen losgelassen wird.

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