NS-Gedenkstätten in Brandenburg setzen auf Digtalisierung

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Brandenburgs NS-Gedenkstätten setzen 2021 coronabedingt verstärkt auf Digitalisierung. Da Präsenzveranstaltungen an den historischen Orten nicht oder nur eingeschränkt möglich seien, hätten die Gedenkstätten Video-Rundgänge sowie Online-Formate für weitere Angebote sowie Fort- und Weiterbildungen entwickelt, sagte der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll, bei der Vorstellung des Jahresprogramms am Montag in Potsdam.

Auch die Gedenkveranstaltungen zum 76. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager sollen weitgehend als Onlinestreams stattfinden. Allerdings könne digitale Vermittlung die persönliche Begegnung am historischen Ort allenfalls teilweise ersetzen.

2020 verzeichneten die Brandenburger Gedenkstätten einen deutlichen Besucherrückgang: In der Gedenkstätte Sachsenhausen wurden nur 145.000 Besucher begrüsst; 2019 waren es 700.000. In Ravensbrück sankt die Zahl von 110.000 auf 32.000 Besucher. Von Mitte März bis Anfang Mai 2020 und seit Mitte Dezember 2020 waren die Gedenkstätten komplett geschlossen.

Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) sagte, dass die Erinnerung an die Schoah in Pandemiezeiten durch antisemitische Verschwörungsmythen, die Instrumentalisierung von NS-Opfern oder das Tragen von nachgebildeten Judensternen auf Corona-Demonstrationen „pervertiert“ werde: „Das zeigt: Antisemitismus ist kein abgeschlossenes Kapitel aus dem Geschichtsunterricht. Die antijüdische Hetze gibt es nach wie vor – offline und vor allem online, ebenso wie rassistischen und sexistischen Hass im Netz.“ Das Internet sei einst als Medium der Aufklärung gestartet worden. Durch die Arbeit der Stiftung werde nun das Netz zurückerobert.

Im Zentrum der Arbeit der Gedenkstätte Sachsenhausen steht derzeit ein mehrjähriges Projekt zur Digitalisierung zentraler Archiv- und Sammlungsbestände und zum Ausbau der digitalen Infrastruktur. Das Projekt ist den Angaben zufolge in enger Kooperation mit der Gedenkstätte Buchenwald entwickelt worden und ein „wichtiger Schritt, um die Sammlungsbestände zu sichern und einer breiten Öffentlichkeit digital zugänglich zu machen.“ Die Projektkosten in Höhe von rund 1,59 Millionen Euro würden zu gleichen Teilen vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

Daneben starteten die Gedenkstätten zusammen mit der Filmuniversität Konrad Wolff in Babelsberg in diesem Jahr das Projekt „SPUR.lab“. Es soll 76 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg neue Erzählformen zum Thema NS-Konzentrationslager in Brandenburg erforschen und entwickeln.

KNA/mit/kws/pko

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1 KOMMENTAR

  1. Viel wichtiger finde ich die Meldung, dass in den brandenburgischen Gedenkstätten eine Konferenz zur Zukunft der Erinnerung ausgelobt wurde, an der zahllose UnterzeichnerInnen der „Jerusalemer Erklärung“ teilnehmen. Wie sich AntizionistInnen eine Erinnung an den Holocaust vorstellen, ist sicher interessant.
    – Achtung- Ironisch – Womöglich fügen sie virtuelle neue Baracken ein, ein gab schließlich zahlreiche wenig bekannte Massentötungen in der Geschichte der Menschheit, darunter auch ethnische Vertreibungen, versuchte oder tatsächliche Genozide. Vielleicht auch eine Gedenkbaracke an den arabischen Nationalismus, in der alle Schriften ausliegen, die von der „Reinheit des arabischen Blutes“ künden.

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