Kritik an „Jerusalemer Erklärung“ zu Antisemitismus

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Symbolbild. Foto IMAGO / ZUMA Wire
Symbolbild. Foto IMAGO / ZUMA Wire
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Mit scharfer Kritik haben sich Antisemitismusforscher gegen die neue „Jerusalemer Erklärung“ zu Judenfeindlichkeit gewandt. „Dies ist keine wissenschaftliche Definition, sondern eine politische Manifestation, die gegen Israel gerichtet ist. Sie behindert die Aufklärung und den Kampf gegen Judenhass“, schreiben Julia Bernstein, Lars Rensmann und Monika Schwarz-Friesel in einem Gastbeitrag für die „Jüdische Allgemeine“ (Donnerstag).

von Leticia Witte (KNA)

Die Unterzeichner legitimierten sich durch den Hinweis, sie trügen jüdische Stimmen in die Debatte. „Doch diese bilden lediglich eine Ausnahmeposition ab. Die überwältigende Mehrheit der Juden verurteilt israelbezogenen Antisemitismus und leidet unter den permanenten Diffamierungen“, so die Wissenschaftler. Es werde „klar politisch Partei“ im arabisch-israelischen Konflikt ergriffen.

„Der Hass auf den jüdischen Staat verbindet heute alle Antisemiten gleich welcher politischen Richtung; er ist das Bindeglied zwischen allen sonst divergierenden Gruppen und dadurch besonders gefährlich“, schreiben die Autoren. Der Hass werde häufig als „legitime Kritik“ artikuliert. Diese „Alltagsvariante“ müsse weltweit besonders energisch bekämpft werden, denn sie mache judenfeindliche Stereotype salonfähig und gebe radikalen Kräften „Resonanzraum in der Mitte“.

Der israelbezogene Antisemitismus als „dominante Form des Judenhasses im 21. Jahrhundert“ werde in der „Jerusalemer Erklärung“ relativiert. Dies spiele denen in die Hände, „die ‚Israelkritik‘ sagen und Judenfeindschaft meinen“, betonen Bernstein, Schwarz-Friesel und Rensmann. Das Papier erfasse nicht die Vielfalt der Ausdrucksformen von Antisemitismus im 20. und 21. Jahrhundert und blende die „lange kulturhistorische Tradition der Judenfeindschaft aus“.

Die kürzlich veröffentlichte „Jerusalemer Erklärung“ sieht sich als Alternative zu der von vielen Staaten und Institutionen angenommenen Antisemitismusdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). Beide Papiere verstehen sich als nicht rechtlich bindend.

KNA/lwi/cas

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