Die Rhetorik der Antizionisten

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Al Quds Tag in Berlin am 1. Juni 2019. Foto IMAGO / IPON
Al Quds Tag in Berlin am 1. Juni 2019. Foto IMAGO / IPON
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Antizionismus – die Ablehnung des Selbstbestimmungsrechts der Juden in ihrer angestammten Heimat – hat in den letzten Jahren erheblich an Boden gewonnen und eine Debatte darüber ausgelöst, ob es sich dabei nicht einfach um eine weitere Erscheinungsform des Antisemitismus handelt.

von Ricki Hollander

Antizionisten behaupten, dass Antizionismus eine politische Position ist, die in progressiven Werten und prinzipiellem Eintreten für die Palästinenser verwurzelt ist, die sie für die rechtmässigen Erben des Heiligen Landes halten. Der Vorwurf des Antisemitismus sei nur eine zynische Verleumdung, um legitime Kritik an Israel mundtot zu machen, während der wahre Antisemitismus auf Rechtsextreme, weisse Rassisten und Neonazis beschränkt sei.

Es ist daher aufschlussreich, die Sprache und Rhetorik, die von prominenten antizionistischen Organisationen, Politikern, Journalisten und Aktivisten verwendet wird, mit den klassischen antisemitischen Phrasen zu vergleichen, die von den Nazis im Vorfeld und während des Holocausts verbreitet wurden.

Die NS-Propaganda war die erste Waffe, die Hitler und seine NSDAP im Kampf um die öffentliche Meinung einsetzten, um Juden zu verunglimpfen und den Weg für den Holocaust zu ebnen. Sie enthielt klassische antijüdische Ritualmordlegenden und mittelalterliche antisemitische Erzählungen über Juden als Agenten des Teufels, die die Vorherrschaft über Nicht-Juden anstrebten. Diese wurden verstärkt durch Behauptungen über jüdischen Rassismus, Kriminalität, Verschlagenheit, Gier, Reichtum und Korruption.

Die gleichen Schlagworte werden von den heutigen antizionistischen Aktivisten verwendet. Während Nazi-Propagandisten „Juden“ als Kollektiv dämonisierten, ersetzen Antizionisten „Israel“ oder „Zionisten“ als das grösste und prominenteste, moderne Kollektiv von Juden.

Eine aktuelle Studie des Committee for Accuracy in Middle East Reporting (CAMERA), eine Organisation die sich für die Sorgfalt in der Nahostberichterstattung einsetzt, vergleicht Sprache aus Nazi-Propaganda-Quellen mit Aussagen prominenter Antizionisten über sieben Themen: 1) Jüdische Vorherrschaft; 2) Rassismus; 3) Kriminalität und Mord; 4) Verschlagenheit, Lügen und Verleumdung; 5) Tumore und Parasiten; 6) Geld und Einfluss; und 7) Zionismus.

Die Mär von der jüdischen Vorherrschaft und Eroberung war eine Hauptstütze der Nazi-Indoktrination. Die alte antisemitische Legende von den Juden, die die Nicht-Juden der Welt beherrschen und kontrollieren wollen, wurde in den betrügerischen Protokollen der Weisen von Zion verbreitet und von den Nazis wiederbelebt, die sie als unumstössliche Wahrheit propagierten.

Es wurde als das primäre Übel dargestellt, das besiegt werden muss. Dieses Klischee ist zum Rückgrat der aktuellen antizionistischen Propaganda geworden, zuletzt mit dem umstrittenen Positionspapier der in Israel ansässigen NGO B’Tselem.

Die Vorstellung von arischer rassischer Überlegenheit und Reinheit war zentral für die Nazi-Ideologie und wurde als ihr erstrebenswertes Ziel gepriesen. Gleichzeitig projizierten die Nazis das Böse und Unmoralische ihrer Ideologie auf die Juden, die sie fälschlicherweise beschuldigten, die gleichen Ziele zu verfolgen. Heutige Antizionisten setzen das Muster der Projektion dieser Unmoral auf Israel und den Zionismus fort.

Die Behauptung von jüdischer Kriminalität und Mord wurde in Nazi-Deutschland benutzt, um die nicht-jüdische Bevölkerung zu erschrecken und die Ausrottung der Juden zu rechtfertigen. Eine ähnliche Lüge, die „den Juden“ durch „Israel“ oder „Zionisten“ ersetzt, wird von modernen Antizionisten verbreitet.

Die Nazis stellten die Juden als hinterhältige Intriganten dar, die ihre ahnungslosen Opfer in falscher Sicherheit wiegten, über ihre Handlungen logen und ihre Gegner verleumdeten. Dieselben Botschaften durchdringen die antizionistische Rhetorik.

Während Nazi-Propagandisten Juden als untermenschliche Nagetiere, Ungeziefer und vor allem als Parasiten charakterisierten, die den Körper und das Leben von Nicht-Juden übernehmen und vergiften, interpretieren moderne Antizionisten die Parasiten als Krebs, der in seinen Wirt eindringt und ihn vernichtet.

Die Nazis beschuldigten die Juden, Geld als korrumpierenden Faktor einzusetzen, um Macht und Kontrolle über Nicht-Juden zu erlangen. Antizionisten nutzen das Thema, um die finanziellen Zuwendungen von jüdischen Philanthropen und Unterstützern Israels als korrumpierenden Einfluss zu brandmarken.

Die Nazis bezeichneten den Zionismus als illegitim und als Vorwand, und die Araber als die rechtmässigen Besitzer des Landes. Anti-Zionisten tun heute das Gleiche.

Die Tatsache, dass sich am heutigen Antizionismus auch einige Juden beteiligen – was oft als Beweis dafür angeführt wird, dass Antizionismus kein Antisemitismus ist – gab es auch unter dem Naziregime.  Im Vorkriegs-Nazi-Deutschland gab es einige jüdische Randgruppen (z. B. den Verband nationaldeutscher Juden), die ebenfalls gegen Juden hetzten.

Die Nazis projizierten ironischerweise ihre eigenen Vergehen auf die Juden: Sie strebten nach arischer Rassenreinheit, während sie die Juden beschuldigten, Rassisten zu sein.  Sie machten sich des Völkermords und abscheulicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig, während sie die Juden beschuldigten, Kriminelle und Mörder zu sein.

Sie logen, verleumdeten, hetzten und verstrickten die Juden mit Niedertracht, während sie Juden dieser Verhaltensweisen beschuldigten. Sie agierten wie eine Krankheit, die das jüdische Leben übernahm und auslöschte, während sie die Juden beschuldigten, den Körper wie Parasiten zu infiltrieren.

Und genau wie die Nazis ihr eigenes Böses auf die Juden projizierten, um sie zu dämonisieren, verwenden moderne Antizionisten oft Nazi-Analogien, um Israel zu beschreiben, und folgen damit wieder ihrem Beispiel.

Ricki Hollander ist leitende Analystin bei CAMERA, dem Committee for Accuracy in Middle East Reporting in America. Übersetzung Audiatur-Online.

Den vollständigen Bericht finden Sie unter: https://www.camera.org/article/the-anti-semitic-rhetoric-of-anti-zionists

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