Frauen: Gemeinsam für den Frieden

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Das Motto des diesjährigen Internationalen Frauentags am 08. März lautet: „Frauen in Führungspositionen: Eine gleichberechtigte Zukunft in einer COVID-19-Welt erreichen“. Immer noch herrscht in einigen Bereichen Ungleichheit zwischen Mann und Frau. Dies wird besonders während der Corona Krise sichtbar, da Frauen aus mannigfachen Gründen zum Beispiel stärker von Einkommenseinbussen, auf Grund von Freistellung, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit, betroffen sind. Der Internationale Frauentag soll auf derartige Missstände hinweisen und hat sich gleichzeitig deren Bekämpfung verschrieben.

Auch in der MENA Region (Nahost und Nordafrika) herrscht nach wie vor ein grosses Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern, was unter anderem in tradierten Familienstrukturen und kulturellen, sowie religiösen Frauenbildern wurzelt. Trotz allem hat sich einiges getan und Frauen beeinflussen und lenken, teilweise im Verborgenen, die Geschicke im Bereich Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Am 03. März fand ein Online-Pressegespräch zum Thema „Frauen machen Frieden“ statt, bei dem sich drei Sprecherinnen eben jenem Themenkomplex engagiert widmeten. Eine der Vortragenden war Eynat Shlein, die ehemalige israelische Botschafterin für Jordanien (2015-2017), welche aktuell als Leiterin von MASHAV, Israels Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit fungiert und gleichzeitig stellvertretende Generaldirektorin des israelischen Aussenministerium ist. Ebenfalls mit dabei war die Marokkanerin Karima Rhanem, Präsidentin des International Center for Diplomacy und Mitbegründerin und Leiterin der Abteilung für strategische Studien des African Network of Youth Policy Experts. Die dritte Referentin war Ahdeya Ahmed Al-Sayed, die Präsidentin der Bahrain Journalists Association. Im Jahr 2019 gewann sie den Preis für die „Arabischen Frau des Jahres“ auf Grund ihrer journalistischen Leistungen, insbesondere in Bezug auf die Förderung der Rechte der Frau in den arabischen Medien.

Die Israelin Eynat Shlein berichtete zuerst über die Vielfalt der Reaktionen der arabischen Welt in Bezug auf ihre frühere Position als weibliche Botschafterin. Zu Beginn der Gesprächsrunde zitierte sie den Beschluss 1325 des UN Sicherheitsrats (31. Oktober 2000) der dazu anregte, vermehrt Frauen in internationale Angelegenheiten wie dem Lösen von weltweiten Konflikten und Friedensverhandlungen zu involvieren. Weiterhin sprach sie über die verschiedenen Friedensverträge die Israel mit einigen benachbarten arabischen Ländern geschlossen hat und merkte an, dass nur wenige Frauen in die Planung und den Abschluss involviert waren.

Karima Rhanem merkte an, dass in den vergangenen Jahren vor allem für Frauenrechte gekämpft wurde und erst in den letzten Jahren die Gleichstellung von Frau und Mann im weiteren Fokus steht, z.B. in der Ehe oder im Beruf. Sie betonte, dass es keine Gleichstellungsbeauftragten oder Gesetze in den meisten arabischen Ländern gibt, die z.B. eine Frauenquote oder ähnliches ermöglichen. Sie betont die Notwendigkeit eines vermehrten Erscheinens von Frauen in leitenden Positionen.

Ahdeya Ahmed Al-Sayed stimmte ihrer Vorrednerin dabei zu. Sie betonte die Wichtigkeit der Abraham Accords, die auch für die Gleichstellung von Frauen in der MENA Region eine grosse Rolle spielen. Al-Sayed merkte an, dass Frauen in den arabischen Gesellschaften vor allem in der Familie, in Bezug auf das Grossziehen von Kindern aber auch in der Beeinflussung des Mannes und des Bruders eine grosse Rolle spielen. Sie führte sich hierbei selbst, als Mutter von drei Kindern, als Beispiel an und berichtete, dass ihre Kindern eines Tages nach Hause kamen und darum baten an einem Trip, organisiert von einer NGO, teilnehmen zu dürfen. Als Al-Sayed genauere Informationen einholte, fiel ihr auf, dass die NGO eng mit der Muslimbruderschaft zusammenarbeitete und sie verwehrte daraufhin Ihren Kindern die Teilnahme an dem Ausflug, da sie als Mutter Frieden unterstützt und ihre Kinder im Geiste des gegenseitigen Respekts und Koexistenz aufziehen möchte. Gender Equality sollte beide Bereiche betreffen, sowohl das berufliche,  als auch das private Feld. Die nächste Generation wird die Geschicke der MENA Region lenken und deshalb sei Erziehung und Bildung ein wichtiger Faktor für Frieden und die Gleichstellung von Frauen.

Karima Rhanem erzählte anschliessend, dass vor einiger Zeit junge jordanische Frauen an einem Projekt teilnahmen, bei dem sie an der Universität Haifa Kurse in Gender Studies belegten. Sie berichtete, dass die Frauen bei ihrem ersten Zusammentreffen erstaunt waren, dass niemand sie anders ansah, denn sie hatten sich Israel als anti-muslimisches Land vorgestellt. Hierbei betonte sie die Wichtigkeit der grenzüberschreitenden Vernetzung von Frauen um Stereotypen entgegenzuwirken. Die Welt bestehe nicht nur aus Männern, sondern auch aus Frauen und somit sei es unerlässlich eine weibliche Perspektive als Expertise mit einfliessen zu lassen, um etwa die Ausgewogenheit von Abkommen und Verträgen zu gewährleisten.

Ahdeya Ahmed Al-Sayed sprach anschliessend über die verschiedenen Formen von Belästigungen denen Frauen, hierbei zahlenmässig den Männern weit überlegen, ausgesetzt sind. Sie erzählte, dass ihre Tweets bezüglich der Unterzeichnung der Abraham Accords mit zahlreichen Frauen verachtenden und Gewalt verherrlichenden Kommentaren versehen wurden. Diese beeinflussten natürlich nicht nur sie selbst, sondern auch ihr Privatleben an sich, da sie z.B. das Geschriebene vor Ihren Kindern verstecken musste um sie zu schonen. Sie betonte wie wichtig es wäre stark zu bleiben und weiter zu kämpfen um den Angreifern den Wind aus den Segeln zu nehmen und derartigen Hasskommentaren entgegenzuwirken. Des Weiteren führte sie an, dass Social Media ebenfalls ein wichtiger Faktor sei. Sie berichtete, dass sobald sie „Israel“ bei Youtube eingibt, eine Grosszahl von Hassvideos erscheint, die so absurd sind, dass sie sogar davon sprechen, dass Israel Ratten kreiert hätte um Menschen aus dem Land zu jagen. Derartige Bilder beeinflussen die Menschen stark und die Geschichten werden an die Nachfolgegeneration weitergegeben. Dies müsse sich ändern und auch Frauen müssten vermehrt in den arabischen Medien präsent sein um eine Stimme zu haben.

Eynat Shlein fügte hinzu, dass Frauen sich gegenseitig vermehrt unterstützen und vernetzen sollten, um mehr Einfluss zu gewinnen und somit einen echten Umsturz von alten patriarchalen Strukturen erreichen zu können. Viele Politiker und Botschafter seien zwar weiblich, aber im Gesamtdurchschnitt sei dies immer noch ein Minoritäten Phänomen. Al-Sayed fügte hinzu, dass Frauen ein dickes Fell haben müssen, da sie sich immer wieder Kritik und Hindernissen auf ihrem Weg nach oben gegenüber sehen werden. Hierbei spielen vor allem kulturelle, patriarchale, religiöse oder andere Strukturen eine Rolle. Alle Referentinnen stimmten darin überein, dass es viel Mut und Kraft benötige, um Frauen als Entscheidungsträgerinnen im Nahen Osten als Normalität zu etablieren, doch nichts sei unmöglich.

Ahdeya Ahmed Al-Sayed schloss mit den folgenden Worten: „Es ist deine Entscheidung ob du Abends zu Bett gehst, deinen Kopf auf das Kissen legst und dich dazu entschliesst jemand zu sein, der beobachtet und folgt. Oder du entschliesst dich dazu ein Anführer zu sein […] und etwas zu verändern.“ und „Es ist ein gutes Gefühl nicht nur als Zuschauer den Hass untätig zu beobachten, sondern ein Anführer des Friedens zu sein. Wenn wir Frauen darin übereinstimmen, können wir Grosses erreichen.“

Die Online Konferenz war inspirierend, vor allem da sie von drei Frauen geleitet wurde, die sich in der MENA Region bestens auskennen. Der Nahe Osten ist nach wie vor ein Ort an dem es trotz allen positiven Veränderungen und Friedensschlüsse der letzten Jahre immer noch schwer ist als Frau in leitende Positionen zu gelangen und an den Tischen der Welt, an denen die wichtigsten Entscheidungen getroffen werden, einen Platz zu erhalten. Zusammenhalt ist wichtig und, wie Frau Al-Sayed sagte, sich jeden Tag dafür zu entscheiden aktiv mitzuwirken und die Situation für Frauen auf der ganzen Welt zu verbessern bis, eines hoffentlich nicht allzu entfernten Tages, die vollkommene Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau erreicht wird.

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