Notfall-Wi-Fi-Hotspots: Lebensader für israelische Wanderer

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Ein SOS-WiFi-Signal im Arava-Tal. Foto Bein Hashitin
Ein SOS-WiFi-Signal im Arava-Tal. Foto Bein Hashitin
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Nach einem tragischen Wanderunglück treibt die Bildungs-NGO Bein Hashitin die Entwicklung von solarbetriebenen Connectivity-Systeme auf abgelegenen Wanderwegen voran.

Wanderer, die Hilfe oder Rettung benötigen, befinden sich häufig in Gebieten ohne Handyempfang. In Israel können sie nun nach einem roten Schild Ausschau halten, das einen SOS-WiFi-Notfall-Hotspot entlang des Wanderweges anzeigt.

Das einzigartige neue Netzwerk hat bereits Leben gerettet, sagt Shachar Katzir, Manager des SOS-WiFi-Projekts von Bein Hashitin, der gemeinnützigen Organisation, welche die Technologie entwickelt hat und die Hotspots in Zusammenarbeit mit der israelischen Natur- und Parkbehörde installiert.

„Bei einem Vorfall im letzten Jahr wurde ein Teenager auf einer Wanderung in den Golanhöhen von einer Schlange gebissen und musste schnell ins Krankenhaus gebracht werden, und dank unseres Systems wurde er rechtzeitig mit dem Hubschrauber evakuiert und gerettet“, meldete Katzir gegenüber der Nachrichtenagentur ISRAEL21c.

Bei einem anderen Vorfall im Norden stiess ein Ranger der Natur- und Parkbehörde auf einen Wanderer in medizinischer Notlage und nutzte den Hotspot, um einen Videoanruf zu tätigen, so konnte er Anweisungen zur Behandlung des Verunfallten umsetzen.

Bein Hashitin ist keine Rettungsorganisation. Das 12 Jahre alte Bildungsunternehmen führt diverse Programme durch – darunter Schulungen zur Vorbereitung auf die Armee, einen Modell-Bauernhof sowie die „Bauer für einen Tag“-Erlebnistour – um Israelis und Touristen das Arava-Tal näher zu bringen.

Hier, entlang der malerischen Ostgrenze Israels vom Toten Meer bis nach Eilat, ist die Wüstenlandwirtschaft ein florierendes Geschäft und es gibt viele Wandermöglichkeiten.

„Die Sicherheit von Wanderern ist nichts, womit wir uns normalerweise beschäftigen“, sagt Avishai Berman, CEO von Bein Hashitin. “ Unser Einsatz war die Folge einer Katastrophe, die 2018 passierte.“

Am 26. April 2018 riss eine Sturzflut im normalerweise trockenen Tzafit-Flussbett in der Nähe des Toten Meeres zehn jugendliche Wanderer in den Tod.

Ein Unternehmer, der Bein Hashitin unterstützt, fragte Berman, wie man das Wandererlebnis sicherer machen könnte.

Die ursprüngliche Idee war ein Sensor, der ein Warnsignal über nahende Sturzfluten an die Telefone der Wanderer sendet. Allerdings konnte diese Idee in Gegenden mit schlechtem Empfang nicht umgesetzt werden, also richtete Katzir seine Aufmerksamkeit auf Lösungsansätze im Bereich der Notfallkonnektivität.

Seine Nachforschungen ergaben, dass bestehende Hotspot-Produkte entweder für den Einsatz in Innenräumen gedacht waren oder eine Energieinfrastruktur benötigten. „Wir fanden nicht die netzunabhängige Lösung für den Aussenbereich, die wir suchten, also mussten wir sie schaffen“, äussert Katzir.

Ein Kader von Freiwilligen und bezahlten Beratern stellte Wissen und Erfahrung zur Verfügung, um die proprietären elektronischen Schaltkreise und die Codierung zu entwickeln, die es dem solarbetriebenen SOS WiFi ermöglichen, ein Signal zu senden, um selbst auf abgelegenen Pfaden eine Verbindung herzustellen.

Ein SOS-WiFi-Hotspot in Nahal Zavitan auf den Golanhöhen. Foto Bein Hashitin.

„Wir haben unser eigenes Produkt entworfen und hergestellt, und es ist einzigartig auf der Welt“, so Katzir. „Es kann bis zu zwei Jahre lang in der Natur stehen, ohne dass es gewartet werden muss, und es ist völlig netzunabhängig.“

Bislang wurden 26 SOS-WiFi-Stationen entlang beliebter Wanderwege in Galiläa, den Golanhöhen, der Judäischen Wüste, der Arava und dem Negev installiert.

„Wir arbeiten Seite an Seite mit Rettungsteams, die uns aufzeigen, wo diese Verbindungen am dringendsten benötigt werden“, erklärt Rinat Rosenberg, stellvertretende Geschäftsführerin von Bein Hashitin.

„So entscheiden wir, wo wir unsere Systeme platzieren. Wir wissen von einigen Vorfällen, die sich an Orten ereignet haben, an denen es keine Möglichkeit zur Kommunikation gab, und wenn es dort SOS-Wifi Stationen gegeben hätte, wäre das für die Betroffenen in Not hilfreich gewesen.“

Eine hebräische Website gibt Auskunft über die Standorte der einzelnen Hotspots. Bein Hashitin sammelt anonyme Nutzungsdaten und arbeitet weiter an der Feinabstimmung des Systems, um einen zuverlässigen Service zu gewährleisten.

Berman sucht nach Spenden, um in diesem Jahr 40 weitere Stationen zu installieren. Und auch das Ausland zeigt bereits Interesse.

„Wir haben Kontakt zu einem Rettungsteam in Italien und ihnen eine Präsentation über SOS WiFi geschickt. Sie wollen mit uns zusammenarbeiten und dort ein Pilotprojekt mit dem System durchführen“, sagt Berman.

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