Überprüfung von UNRWA-produzierten Unterrichtsmaterialien in den palästinensischen Gebieten

Lesezeit: 8 Minuten

Eine Studie über Unterrichtsmaterialien des Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) hat ergeben, dass die Materialien anti-israelischen und antisemitischen Rassismus, die Ermutigung zu Terrorismus und Dschihad sowie die Ablehnung eines Friedens mit dem jüdischen Staat enthalten. Eine deutsche Zusammenfassung der Studie von Itam Shalev, IMPACT-se, vom Januar 2021 (ohne Fussnoten):

Unsere breit angelegte Untersuchung von neuen, mit dem UNRWA-Logo versehenen Unterrichtsmaterialien, die von UNRWA-Bildungspersonal in Gaza und der Westbank entworfen und produziert wurden (im Folgenden UNRWA-produziertes Material oder UNRWA-Bildungsmaterial), ergab, dass Teile des Inhalts nicht den UN-Werten entsprechen. Dieses Material ist in fast allen Sets, Fächern und Klassenstufen vorhanden, obwohl es in bestimmten Fächern häufiger vorkommt als in anderen. Generell kann man sagen, dass die Unterlagen für höhere Klassenstufen (insbesondere ab Klasse 6) mehr problematisches Material enthalten. Dies ist auch bei den Schulbüchern der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) der Fall, auf denen das UNRWA-Bildungsmaterial basiert. Während die meisten problematischen Inhalte auch in den Unterrichtsmaterialien der PA zu finden sind – und in der Tat von diesen übernommen wurden –, fanden wir in einer nicht unbedeutenden Anzahl von Fällen Zusätze von problematischen Inhalten, die von der UNRWA produziert wurden (siehe Kapitel «Ausgewählte Beispiele»).

Ermutigung zu Gewalt, Dschihad, Terrorismus und Märtyrertum

Das von der UNRWA produzierte Material verweist häufig auf Texte und Phrasen aus den Schulbüchern der PA, die Gewalt und die Aufopferung von Leben und Blut zur Verteidigung des „Mutterlandes“ verherrlichen, und reproduziert diese manchmal sogar direkt. Solche Beispiele sind arabische Grammatikübungen, die die Terminologie des Dschihad und der Opfer verwenden (siehe Beispiel 3 in „Ausgewählte Beispiele“; „Der Dschihad ist eine der Türen zum Paradies“) und Passagen, die bekannte Terroristen wie Dalal Mughrabi feiern (Beispiel 1). In früheren Stellungnahmen haben UNRWA-Beamte ausdrücklich bestritten, die Abschnitte des PA-Lehrplans zu unterrichten, in denen Dalal Mughrabi diskutiert wird. Dies macht die Aufnahme dieser Passagen noch überraschender und besorgniserregender. Wir konnten keine direkte Verurteilung von Gewalt oder Ansätze zur Konfliktlösung in dem von der UNRWA produzierten Material finden.

UNRWA-Lehrbuch mit Dalal Mughrabi als Vorbild für palästinensisch-arabische Kinder. Dalal Mughrabi war ein palästinensische Terroristin und Mitglied der Fatah-Fraktion der PLO. 1978 war sie an einen Terrorattentat in Israel beteiligt, bei dem 38 israelischen Zivilisten, darunter 13 Kinder, ermordet wurden. Foto Screenshot CBN News

Ablehnung von Frieden

Wir konnten in dem von der UNRWA produzierten Material keine Behandlung des Themas Frieden oder Friedensschaffung finden. Dies betraf sowohl von der PA übernommenes Material als auch von der UNRWA produzierte Originalinhalte. Frieden wurde im Allgemeinen nicht erwähnt, weder als Ideal noch als konkretes Ziel, und wurde in Beispielen, die Israel (oder „den Feind“) thematisierten, nicht als Option dargestellt. Werte, die sich auf den Frieden beziehen, wie Kompromiss, Vergebung und offener Dialog, wurden ebenfalls nicht gefunden.

Intoleranz, Respektlosigkeit und Dämonisierung

Das von der UNRWA produzierte Material bietet keine Beispiele für den individualisierten Anderen und versäumt es, alternative nicht-palästinensische Narrative über historische Ereignisse zu liefern. So wird in einem Beispiel behauptet, das Ziel des Zionismus sei es gewesen, palästinensisches Land wegen seines strategischen Wertes zu erobern, während in einem anderen die Kreuzzüge als ein Krieg „Europas“ bezeichnet werden, der willkürlich gegen muslimische Länder geführt wurde (Bsp. 18). Der jüdisch-israelische Andere wird ausschliesslich negativ dargestellt; es werden keine objektiven Informationen über Israel oder Juden geliefert, die ein Gegengewicht zu solchen Darstellungen bilden würden. Durch die Verleugnung der Narrative der „Anderen“ und das Versäumnis, sie durch individualisierte Berichte zu vermenschlichen, behindert das von der UNRWA produzierte Material effektiv eine Haltung der Toleranz, des Respekts und des Verständnisses.

Verleumdung und Verschwörungstheorien

Das von der UNRWA produzierte Material bezieht sich auf Israel und den Zionismus ausschliesslich in einem negativen Kontext und hält Feindseligkeit und Mythen aufrecht, die Hass schüren und Israelis dämonisieren. Beispiele dafür sind die Beschuldigung Israels, den Brand der Al-Aqsa- Moschee 1969 verursacht zu haben (Bsp. 23), absichtlich radioaktiven und giftigen Müll in der Westbank abzuladen (Bsp. 21) und systematisch palästinensische Antiquitäten zu stehlen (Bsp. 22). Diese diskreditierten Verschwörungstheorien verstärken weiterhin die Angst vor und den Hass auf Israel.

Ein konfliktorientierter Diskurs

Das von der UNRWA produzierte Material diskutiert den nationalen palästinensischen Konflikt als zentrales Thema in seinem gesamten Inhalt und macht häufige Verweise auf Gewalt und Krieg. Dazu gehören Vergleiche zwischen der spanischen Inquisition und israelischen Gefängnissen (Bsp. 14) und Matheaufgaben, die die Schüler auffordern, die Anzahl der toten „Märtyrer“ in der ersten Intifada (1987-93) zu zählen (Bsp. 11). Das von der UNRWA produzierte Material stellt Israel als „den Feind“ dar und schafft eine Dichotomie „wir gegen sie“. Dies verstösst gegen das UN-Prinzip der Friedensstiftung und der friedlichen Lösung von Konflikten.

Voreingenommenheit und Mangel an Neutralität

Im Grossen und Ganzen akzeptierte das von der UNRWA produzierte Material unhinterfragt das palästinensische und panarabische Narrativ, welches im Lehrplan der PA zu finden ist. Dazu gehören Begriffe wie „das arabische Heimatland“ [al-waṭan l-‚arabī], die implizieren, dass die arabischen Länder eine einzige geografische Einheit bilden, die von den Kolonialmächten in „künstliche“ Staaten aufgeteilt wurde (Bsp. 27); „der rassistische Expansions- und Annexionszaun“, der sich auf die Sicherheitsbarriere im Westjordanland bezieht; und „zionistische Aggressionen“, um militärische Auseinandersetzungen zwischen der Hamas und Israel im Gaza-Streifen zu charakterisieren. Das von der UNRWA produzierte Material nennt Israel fast nie beim Namen, sondern bezeichnet es als „die Besatzung“, „die zionistische Besatzung“, „die Zionisten“ oder einfach „den Feind“; gelegentlich wurde auch „die israelische Besatzung“ verwendet. Es gibt mehrere Verweise auf Jerusalem als „die ewige Hauptstadt Palästinas“, was der langjährigen UN-Position zu dieser Stadt widerspricht. Diese politisierte Sprache innerhalb des UNRWA-eigenen Materials ist ein direkter Verstoss gegen das UNRWA-Prinzip der neutralen Information.

Auslöschung von Israel

Ein durchgängiges Problem in den von der UNRWA produzierten Materialien ist das Versäumnis, die Existenz des Staates Israel, eines UN-Mitgliedsstaates, anzuerkennen. Dieses Problem war besonders in den Broschüren für Sozialkunde präsent. Das von der UNRWA produzierte Material bezeichnet durchweg das gesamte Gebiet des britischen Mandatsgebiets Palästina (1922-48; ohne das heutige Jordanien) als palästinensisch und beschriftet Karten der Region mit „Palästina“. Es werden keine weiteren Informationen gegeben. Diese Karten, die die heutigen Grenzen, geografischen Merkmale und Städte erklären, die sich innerhalb der von den Vereinten Nationen anerkannten Demarkationslinien des Waffenstillstandsabkommens von 1949 befinden, werden ebenfalls als palästinensisch bezeichnet (Bsp. 26 und Bsp. 31). Es wurde kein Versuch unternommen, zwischen der erklärten Ansicht der UNO, dass die palästinensischen Gebiete besetzt sind, und der palästinensischen nationalistischen Position, die ganz Israel als besetztes palästinensisches Gebiet ansieht, zu differenzieren. Somit ist das von der UNRWA produzierte Material nicht nur voreingenommen, sondern es hält auch die Leugnung Israels als legitimen Staat aufrecht, indem es Israels Status und Rechte als souveräne Nation entkräftet, während es aktiv eine Haltung der Respektlosigkeit und des Hasses gegenüber Israel und den Israelis fördert.

Auslöschung von Juden

Es wurde auch festgestellt, dass die von der UNRWA produzierten Materialien die jüdische Geschichte konsequent ignorieren, obwohl Juden eine der wichtigsten ethnischen Gruppen in der Region sind. Die historische jüdische Präsenz in der Region wird nicht diskutiert und es wurden keine wesentlichen Informationen über die jüdische Kultur oder Religion geliefert, was durchaus im Rahmen des UNRWA-Mandats zur „Bereicherung des Lehrplans“ gelegen hätte. Die meisten Verweise zu diesem Thema beinhalten Behauptungen, dass Israel eine systematische „Judaisierung“ [tahwīd] Jerusalems anstrebt (Bsp. 16). Juden werden selten in nicht-negativen oder neutralen Kontexten erwähnt. Abgesehen von den oben genannten problematischen Aspekten (auf die im Kapitel Ausgewählte Beispiele näher eingegangen wird), fanden wir bei unseren Recherchen einige bemerkenswerte positive Trends in dem von der UNRWA produzierten Material.

Änderungen an problematischem Material

In einigen von der UNRWA produzierten Materialien, insbesondere in Set „C“ (Westbank), fanden wir Änderungen in Bezug auf Teile des Lehrplans der PA, die in unserer früheren Untersuchung als problematisch eingestuft wurden. Einige aufrührerische Übungsaufgaben und Fragen, die palästinensische Kämpfer loben oder Israel als Ursache aller Übel in der palästinensischen Gesellschaft verteufeln, wurden in den UNRWA-Heften weggelassen. Ein von der UNRWA produziertes Übungsblatt, das auf einer Sozialkunde-Lektion der PA zum Thema Wasserquellen basierte, enthielt den Abschnitt nicht, in dem Israel beschuldigt wurde, palästinensisches Wasser zu stehlen. Wie wir in diesem Bericht anmerken, beschuldigen andere von der UNRWA produzierte Materialien Israel der absichtlichen Verschmutzung palästinensischer Ressourcen. Obwohl solche Auslassungen beabsichtigt zu sein scheinen, waren sie nicht konsequent. Es bleibt unklar, warum einige problematische Inhalte ignoriert 3 wurden, während andere aufgenommen wurden – und neue problematische Inhalte wurden von der UNRWA hinzugefügt.

Nomenklatur

In einer Reihe von Fällen wurde der Ausdruck „Zionistische Besatzung“ in von der UNRWA produziertem Material durch „Israelische Besatzung“ ersetzt (nicht Israel). In einem Beispiel wurde der Begriff „arabisch-zionistische Kriege“ durch „arabisch-israelische Kriege“ ersetzt. Dies stellt eine Anerkennung der Existenz Israels dar, wenn auch in einem abwertenden oder gewalttätigen Kontext, der aber im Lehrplan der PA nicht zu finden ist. Diese Bearbeitungen erscheinen willkürlich und inkonsistent. Ausserdem hatte dies keinen Einfluss auf die verschiedenen anderen allgemein negativen Kontexte, in denen Israel auftauchte.

Entfernung von problematischem Material

In einer Reihe von Fällen beobachteten wir, dass Texte aus dem Lehrplan der Palästinensischen Autonomiebehörde in dem von der UNRWA produzierten Material bearbeitet worden waren, um problematische Inhalte wegzulassen. Dazu gehörte das Herausschneiden eines Satzes, der zum Boykott israelischer Waren aufruft, das Entfernen bestimmter Koranverse, die zum Dschihad aufrufen, und in einem Satz das Weglassen der Behauptung, „Zionisten“ hätten die Al-Aqsa-Moschee in Brand gesetzt. Wiederum gibt es all das oben genannte problematische Material bereits in anderen UNRWA-Materialien.

Diese Trends in von der UNRWA produziertem Material waren für uns von besonderem Interesse, da die UNRWA in der Vergangenheit behauptete, dass sie eine Methodik entwickelt hat, um problematische Inhalte zu isolieren und anzugehen. Es ist möglich, dass diese Beispiele Beweise für die Existenz einer solchen Methodik darstellen. Es ist jedoch noch unklar, was genau der Inhalt dieser Methodik ist (d.h. in Bezug darauf, was als hetzerisch angesehen wird). Es ist ausserdem unklar, warum diese Methodik so uneinheitlich angewandt wird und anscheinend in den im Gazastreifen produzierten Texten nicht so stark zum Einsatz kommt wie im Westjordanland. Ausserdem gibt es keine klaren Hinweise darauf, wer genau für die Anwendung dieser Methodik verantwortlich ist und wie der Prozess aussieht, in dem sie angewendet wird.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass IMPACT-se bei der Überprüfung des von der UNRWA produzierten Materials feststellte, dass es voller problematischer Inhalte ist, die den erklärten UN-Werten widersprechen. Das Material ist gekennzeichnet durch eine eindeutige Übernahme des palästinensischen und panarabischen nationalistischen Narrativs, wobei jegliche Fassade der von der UN mandatierten Neutralität aufgegeben wird; ein unverhohlener Versuch, Israel, einen UN- Mitgliedsstaat, auszulöschen und zu delegitimieren, und zu einem grossen Teil auch das jüdische Volk; mehrfaches Auftreten von unbegründeten, aufrührerischen Verschwörungstheorien, die Feindseligkeit schüren; und die Ermutigung zu gewaltsamer Konfliktlösung, ohne eine gleichwertige Ermutigung zur Friedensstiftung.

Artikel zum Thema

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Stay Connected

5,396FansGefällt mir
214NachfolgerFolgen
1,381NachfolgerFolgen

NEU

Wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat: Unterstützen Sie uns. Danke!