„Nie wieder“ auf Arabisch, dank den Abraham-Abkommen

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Zum ersten Mal gedenkt eine von den Arabern initiierte Veranstaltung dem Holocaust. Foto Screenshot / Sharaka
Zum ersten Mal gedenkt eine von den Arabern initiierte Veranstaltung dem Holocaust. Foto Screenshot / Sharaka
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Im Zuge der Abraham-Abkommen und zu Ehren des Internationalen Holocaust-Gedenktages am 27. Januar hielten Vertreter der Gruppe Sharaka eine Veranstaltung ab, um den Opfern des Holocausts zu gedenken und einen Aktionsplan für das Holocaust-Bewusstsein und die Bekämpfung des Antisemitismus zu fördern.

von Eliana Rudee (JNS)

Laut Sharaka („Partnerschaft“ auf Arabisch) war die Veranstaltung in dieser Woche die allererste Initiative zum Gedenken an den Holocaust, die arabische Persönlichkeiten im Nahen Osten zusammenbrachte.

Teilnehmer aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Marokko und Saudi-Arabien – von denen einige an Sharakas Tour durch Israel im Dezember teilnahmen, die für viele von ihnen die erste Erfahrung war, etwas über den Holocaust zu lernen – wurden von Teilnehmern aus Nordamerika, Europa und Israel ergänzt.

„Während Juden und Einzelpersonen in der westlichen Welt jahrelang in der Schule über den Holocaust lernen, gibt es in vielen arabischen Ländern Holocaust-Leugner, wie zum Beispiel im Iran, und Freunde in Saudi-Arabien haben mir erzählt, dass sie in der Schule nie etwas über den Holocaust gehört haben“, sagte Sharaka-Gründer Amit Deri gegenüber der Nachrichtenagentur JNS.

Während der Online-Veranstaltung hielt Israels Präsident Reuven Rivlin eine Ansprache, bei der er sagte, dass es „sehr bewegend“ sei, junge Menschen aller Religionen aus der ganzen Region zusammenarbeiten zu sehen. Er wies auch darauf hin, dass die 50 Teilnehmer von Sharaka während ihrer Reise Yad Vashem in Jerusalem aufsuchten.

„Wir bringen Holocaust-Überlebende mit jungen israelischen und arabischen Persönlichkeiten, Juden, Muslimen, Christen und Drusen zusammen, um ‚Nie wieder‘ zu sagen“, fügte Rivlin hinzu.

„Diese Pandemie hat Grenzen geschlossen und uns distanziert, aber sie erinnert uns auch an unsere gemeinsame Menschlichkeit und die Notwendigkeit, dieser Herausforderung gemeinsam zu begegnen“, so Rivlin weiter. „Leider hat das Coronavirus zu weiteren antisemitischen Verschwörungstheorien geführt, und wir haben erneut Angriffe auf Synagogen und jüdische Einrichtungen erlebt.“

Rivlin rief alle Länder dazu auf, „sicherzustellen, dass das Versprechen des „Nie wieder“ zu einer gemeinsamen Realität wird.“ Das kann zum Teil dadurch geschehen, dass sie die IRHA-Definition zum Antisemitismus übernehmen, sich zusammentun, um „das Virus des Antisemitismus und des radikalen Hasses zu besiegen“ und „Null-Toleranz gegenüber Formen von Antisemitismus, Rassismus und Extremismus“ zeigen.

Die Auschwitz-Überlebende Vera Kriegel erzählte ihre bewegende Geschichte, wie sie pseudomedizinischen Experimenten von Dr. Josef Mengele ausgesetzt war, der Gefangene des Vernichtungslagers Auschwitz für Experimente missbrauchte. Beginnend mit dem Gruß Salaam Alaikum, erzählte sie der Gruppe: „Ich wurde bestraft und ausgehungert und wie ein Affe behandelt. Mein Selbstwertgefühl, mein Stolz, meine Identität – all das wurde mir weggenommen. Ich wurde ein totales Nichts. Ich wurde zu einer Nummer, die auf meinen Arm tätowiert war: A26946. Das war meine Identität.“

Kriegel und ihre Zwillingsschwester Olga waren 1942 gerade einmal 6 Jahre alt, als sie am Vorabend des Pessachfestes von Nazi-Soldaten gewaltsam aus ihren Betten in der Tschechoslowakei geholt und ins Konzentrationslager gebracht wurden, wo 40 Familienmitglieder „durch den Schornstein verschwanden“.

Der Gründer von Sharaka, Amit Deri, bemerkte, dass viele der Aktivisten nur „zwei oder drei Sätze über den Holocaust in der Schule gelernt haben, als Teil der Geschichte des Zweiten Weltkriegs.“

„Der Holocaust ist die unerzählte Geschichte im Nahen Osten“, erzählte er.

Majid Al-Sarrah aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ermutigte alle Menschen, „die Realität des Holocausts in Yad Vashem zu sehen und versprach: „Wir werden das Wissen über den Holocaust verbreiten. Wir werden Frieden und Liebe fördern und sagen: Nie wieder Antisemitismus, Hass und Diskriminierung. Wir sind Brüder und Schwestern. Wir werden zusammenstehen, und gemeinsam werden wir eine Welt ohne Antisemitismus und Hass aufbauen.“

Mashael Al-Shemeri aus Bahrain sagte: „Ich möchte allen Juden und dem Volk Israel sagen: Ihr seid nicht mehr allein.“

Arabische Delegation nach Auschwitz-Birkenau

Najat Al-Saeed aus Saudi-Arabien fügte hinzu: „Wir müssen die jungen Generationen über die gesamten Schrecken des Holocaust aufklären, auch indem wir sicherstellen, dass der Holocaust in den Schulen der Länder der Abraham-Abkommen gelehrt wird und dass Sonderbeauftragte für die Bewahrung des Holocaust-Gedenkens ernannt werden.“

Die Auschwitz-Überlebende Vera Kriegel drückte ihre Freude darüber aus, dass die arabischen Vertreter alles über die Vergangenheit erfahren wollten und sagte: „Ich bin so überglücklich, so glücklich, so bewegt, so alles, und ich umarme Sie alle.“

Während der Veranstaltung stellte Sharaka ihren Fünf-Punkte-Plan zur Bekämpfung von Antisemitismus vor, der neben der BDS-Bewegung, die Israel zu delegitimieren versucht, die Förderung des Holocaust-Bewusstseins und der Bildung, den interreligiösen Dialog, die Einbeziehung der IHRA-Definition von Antisemitismus und die Bekämpfung von Antisemitismus im Internet umfasst.

„Dies ist eine Gelegenheit, die uns die Abraham-Abkommen gegeben haben, und ich glaube, dass noch mehr Veranstaltungen wie diese folgen werden“, sagte Sharaka-Gründer Amit Deri, der ankündigte, dass die Organisation diesen April die allererste arabische Delegation junger Persönlichkeiten nach Auschwitz-Birkenau führen wird, als Teil des Yom Hashoah, Israels Holocaust-Gedenktag, der dieses Jahr am 8. und 9. April begangen wird.

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